Nach tödlichem Vorfall in LohneWarum Hunde ihre Halter angreifen – Hundetrainer ordnet ein

Hunde würden nicht mit einem Plan angreifen, erklärt Hundetrainer Dennis Dikić. Zu gefährlichen Auseinandersetzungen wie in Lohne kann es dennoch kommen.
Hunde würden nicht mit einem Plan angreifen, erklärt Hundetrainer Dennis Dikić. Zu gefährlichen Auseinandersetzungen wie in Lohne kann es dennoch kommen.
von Charlott Struck und Johanna Kroke

Der Hund ist der Killer!
In einem Straßengraben bei Lohne (Niedersachsen) wird am Donnerstag (8. Januar) ein lebloser Mann gefunden. Neben ihm verharrt sein aufgewühlter Hund. Wie die Obduktion bestätigt, kam es zwischen dem American Bulldog und seinem Halter zu einer tödlichen Auseinandersetzung. Im Interview mit RTL erklärt Hundetrainer Dennis Dikić, warum aus dem eigentlich besten Freund des Menschen plötzlich ein Angreifer werden kann.

„Hund erkennt seinen Menschen nicht mehr”

Nachrichten von Hunden, die auf ihre eigenen Halter losgehen, gibt es immer wieder. Dass die Tiere ihre vertrauten Menschen aber geplant angreifen, sei sehr untypisch, erklärt Dennis Dikić, Inhaber der Martin Rütter Hundeschule Hannover. Ein Angriff erfolge eher aus einem spontanen Moment heraus. „Das heißt, er hat nicht unbedingt eine Tötungsabsicht“, stellt der Trainer klar.

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Dass eine Situation zwischen Hund und Halter überhaupt eskaliere, dafür gebe es meist nicht einen einzelnen Auslöser. Es sei eine Verkettung unterschiedlicher Faktoren, die beim Tier Stress oder Überforderung auslösen, sagt Dikić. Das könnten etwa ein medizinischer Notfall des Halters, eine unkontrollierte Bewegung oder generell eine veränderte Körpersprache, Mimik oder auch ein fremder Geruch sein.

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„Der Hund erkennt seinen Menschen vielleicht in diesem Moment nicht mehr oder möglicherweise nicht mehr als den gewohnten Sozialpartner.“ Dazu komme der Faktor, dass sich der Hund in dem Moment vielleicht nicht zurückziehen oder auf Distanz gehen könne, um entstandenen Stress zu regulieren.

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Trainer: Vorfälle nicht an Hunderasse gekoppelt

Aggressives Verhalten und Beißvorfälle seien laut Dennis Dikić aber nicht auf die Rasse des Hundes zurückzuführen. „Es ist nicht die klare Linie, dass es nur diese eine Rasse ist“, sagt er. Jede Hunderasse könne in einer Extremsituation gefährlich reagieren. Eins sei jedoch nicht zu leugnen: „Je größer die Rasse, desto größere Verletzungen können natürlich durch einen Beißvorfall entstehen.“

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Für den Trainer seien tragische Vorfälle, wie jetzt in Lohne, kein Rasseproblem. Gefährliche Situationen würden sich aus dem Zusammenspiel von Stress, Erfahrung und natürlich in erster Linie menschlicher Verantwortung ergeben.

Halter können auf Warnsignale achten

„Hunde kündigen Überforderung immer an“, sagt der Hundetrainer. „Meistens ist es so, dass wir Menschen das gerne mal übersehen.“ Zu typischen Warnsignalen gehören laut Dikić eine gesteigerte Reaktivität oder ein Meideverhalten, ein Versteifen oder erste Aggression. Für Halter sei es wichtig, so etwas zu erkennen, um mit dem Verhalten ihres Hundes richtig umgehen zu können.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche