Baby in LebensgefahrMutter soll Frühchen absichtlich mit Koffein vergiftet haben, um Mitgefühl und Fürsorge zu bekommen
Mit Taschentüchern kommt Julia S. zum ersten Prozesstag. Immer wieder weint sie.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, ihrem frühgeborenen Sohn heimlich Koffein verabreicht und ihn damit in Lebensgefahr gebracht zu haben. Julia S. bestreitet die Tat.
Angeklagte muss ihre Aussage unterbrechen
„Die Angeklagte wirkte heute am ersten Prozesstag sichtlich nervös“, berichtet RTL-Reporter Rico Heller aus dem Gerichtssaal in Tübingen. Julia S. habe immer wieder geweint und ihre Stellungnahme zum Tattag sogar unterbrechen müssen. Der Vorwurf gegen sie wiegt schwer. Ihr frühgeborener Sohn lag auf der Intensivstation einer Tübinger Klinik und bekam dort vom Personal täglich Koffein, eine bei Frühchen übliche Behandlung. Laut Anklage soll Julia S. ihrem Baby jedoch zusätzlich eine Überdosis gegeben haben. Der Gesundheitszustand des Kindes habe sich daraufhin drastisch verschlechtert. Mehrere Tage schwebte der Junge in Lebensgefahr, inzwischen geht es ihm gut.
Lese-Tipp: Mutter (53) soll ihre Tochter vergiftet haben – Verdacht auf Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom
Staatsanwaltschaft vermutet besonderes Motiv
Die Ermittler gehen davon aus, dass Julia S. ihr Kind bewusst schädigen wollte, um selbst „Mitgefühl und Fürsorge von anderen“ zu bekommen. Im Raum steht die Frage, ob die Angeklagte am sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leiden könnte. Psychologin Janina Hagemann erklärt, dabei würden Fürsorgepersonen ihren Kindern bewusst etwas verabreichen, „damit sie krank sind, werden oder wirken“. Ob das bei Julia S. tatsächlich der Fall ist, soll ein psychiatrisches Gutachten klären.
Im Video: Fatale Folgen bei Münchhausen-Stellvertreter-Diagnose
Familie glaubt an Julia S.
Julia S. bestreitet vor Gericht, ihren Sohn vergiftet zu haben. Seit neun Monaten sitzt sie in Untersuchungshaft und sieht ihr Kind nur bei Besuchen. Ihre Anwältin sagt über den Lebensgefährten und die Schwiegermutter der Angeklagten: „Die sind erschüttert und sagen: Wir glauben ihr.“ Das Baby lebt derzeit bei seinem Vater und seiner Großmutter. Sollte das Gutachten eine psychische Erkrankung feststellen, könnte das für die Frage der Schuldfähigkeit eine Rolle spielen. Mitte Oktober soll der Prozess gegen Julia S. enden. Die ganze Geschichte seht ihr im Video.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen































