Warum spontane Entscheidungen einem Tier sogar schaden könnenStreuner im Urlaub entdeckt – solltet ihr ihn wirklich mitnehmen?

Wenn Tierliebe auf schwierige Entscheidungen trifft.
Im Juni habe ich Urlaub auf der griechischen Insel Santorini gemacht. Zwischen den weißen Häusern und den berühmten Sonnenuntergängen ist mir aufgefallen, dass dort viele herrenlose Katzen herumliefen, gelegentlich auch Hunde. Irgendwann kommt fast automatisch der Gedanke auf: Sollte man eines dieser Tiere mit nach Deutschland nehmen?
Nicht jede Rettung ist automatisch eine Hilfe
Auf dem Rückflug begegne ich am Gate einem Mann mit dem T-Shirt des Vereins „Auf Achse für die Fellnasen auf Santorini e.V.“ Das T-Shirt weckt mein Interesse, zurück zu Hause suche ich im Internet nach dem Verein. Und beschließe, mit meiner Frage dort anzuklopfen. Ich laufe damit offene Türen ein. Die Antwort – so viel kann ich vorwegnehmen – ist allerdings weder ein klares Ja noch ein Nein.
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Doch nicht nur den Verein habe ich um eine Einschätzung gebeten, sondern auch Dr. med. vet. Tanja Pollmüller, vielen als Doc Polly bekannt. Sie ist oft zu Gast bei Punkt 12 und erklärt uns die Welt der Haustiere. Doc Polly macht schnell klar, dass man zwischen der Rettung eines einzelnen Tieres und einer nachhaltigen Verbesserung der Situation vor Ort unterscheiden müsse.
Nicht jedes Tier profitiere von einem Leben in Deutschland. Vor allem Hunde, die in den ersten Lebenswochen kaum Kontakt zu Menschen hatten, könnten in einer Wohnung dauerhaft unter Stress leiden. Außerdem löse die Mitnahme einzelner Tiere das eigentliche Problem nicht.
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Langfristig seien deshalb Kastrationsprogramme, Impfungen, medizinische Versorgung und bessere Haltungsbedingungen der wirksamere Weg, um Straßenhunden und Straßenkatzen dauerhaft zu helfen. Das bedeute aber nicht, dass eine Adoption grundsätzlich falsch sei. Sie kann sinnvoll sein, wenn die Tiere schwer verletzt sind, akut von Tötung bedroht werden oder im Herkunftsland keine realistische Vermittlungschance haben. Ein seriöser Weg führt aber immer über die Zusammenarbeit mit registrierten Tierschutzorganisationen vor Ort bzw. in Deutschland.
Ein Tierheim, das mehr ist als nur ein Zufluchtsort
Mike Peun kennt diese Entscheidungen aus der Praxis. Er ist erster Vorsitzender des Vereins „Auf Achse für die Fellnasen auf Santorini e.V.“ – und der Mann, der mir am Flughafen aufgefallen ist. Gemeinsam mit zwei Partnerorganisationen betreibt der Verein auf Santorini ein Tierheim, das sich ausschließlich aus Spenden finanziert. Besucher können das Tierheim nicht nur besichtigen. Wer möchte, kann dort sogar einige Tage als Freiwilliger wohnen, die Tiere kennenlernen und den Alltag im Tierheim miterleben.

Spontane Urlaubsentscheidungen können problematisch sein
Grundsätzlich freut sich Mike Peun über jede verantwortungsvolle Adoption. Was er kritisch sieht, sind spontane Entscheidungen mitten im Urlaub. Er erzählt von einer Familie aus Nordrhein-Westfalen, die sich im Urlaub unsterblich in eine Katze verliebte. Gemeinsam mit dem Verein wurden bereits tierärztliche Untersuchungen, Impfungen und die nötigen Papiere vorbereitet. Da die Ausreise etwa vier bis sechs Wochen dauert, sollte die Katze später mit einer Flugpatenschaft nach Deutschland kommen.
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Kurz vor der Abreise des Tieres sagte die Familie jedoch ab. Der Alltag zu Hause, eine Schwangerschaft und ein weiteres Kind hätten die Entscheidung verändert. Für Mike Peun zeigt diese Geschichte, wie schnell sich Gefühle aus dem Urlaub schon kurz danach verändern können. Dem Tier seien dadurch jedoch Untersuchungen, Transporte und eine Unterbringung zugemutet worden, obwohl am Ende gar keine Vermittlung stattfand.

Wer wirklich Tieren helfen möchte, sollte sich Zeit nehmen
Ganz anders sei es, wenn Interessenten bewusst Kontakt zu einem Tierheim aufnehmen. Wer dort mehrere Tage verbringt, mit einem Hund spazieren geht oder sich intensiv mit einem Tier beschäftigt und den Wunsch auch Wochen später noch hat, treffe meist eine deutlich nachhaltigere Entscheidung.
Dann begleiten die Tierschutzorganisationen den gesamten Prozess – von der tierärztlichen Versorgung bis zur legalen Ausreise nach Deutschland. Wer ein Tier aus dem Ausland adoptieren möchte, braucht aber auch Geduld. Eine spontane Mitnahme am Ende des Urlaubs ist in den meisten Fällen gar nicht legal möglich.
Das Tier muss mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein, eine gültige Tollwutimpfung erhalten und je nach Herkunftsland weitere Einreisebestimmungen erfüllen. Außerdem werden ein Heimtierausweis beziehungsweise die entsprechenden Gesundheitsdokumente benötigt. Auch auf sogenannte Reisekrankheiten sollte das Tier tierärztlich untersucht werden.
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Streuner aus dem Urlaub mitnehmen? Das ist das Fazit
Manchmal kann eine Adoption genau das Richtige sein. Aber eben nicht immer. Wer einem Tier wirklich helfen möchte, sollte keine Entscheidung aus einer Urlaubsstimmung heraus treffen, sondern sich ehrlich fragen, ob dieser Wunsch auch dann noch besteht, wenn der Koffer längst wieder ausgepackt ist. Und manchmal ist die größte Hilfe vielleicht gar nicht, ein Tier mitzunehmen – sondern genau die Menschen zu unterstützen, die sich jeden Tag vor Ort um sie kümmern.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Auf Achse für die Fellnasen auf Santorini e.V., Handbuch „Straßentieren effektiv helfen”, Doc Polly
































