Wenn die freie Natur lockt

Wildcampen in Deutschland und Europa: Was ist wo erlaubt?

Frei stehen in wunderschöner Natur - das ist für viele Camper ein Traum.
© Andrey Armyagov

01. Juni 2021 - 13:53 Uhr

Ist Wildcampen und frei stehen legal?

All-Inclusive-Urlaub war gestern - Camping und Caravaning sind in. Ob mit Zelt, Wohnmobil oder dem selbst zusammengebauten Camping-Bus – der Trend geht klar zum selbstbestimmten Urlaub. Campingplätze bieten Zelt- und Stellplätze, sanitäre Anlagen und Freizeitangebote. Doch was tun, wenn kein Camping- oder offizieller Stellplatz in der Nähe ist? Oder man lieber im Grünen übernachten möchte. Wo und wie Wildcampen und frei stehen in Deutschland und im Rest von Europa erlaubt sind, erfahren Sie hier.

Wildcampen in Deutschland: In jedem Bundesland gelten andere Regeln

Abseits von Touristen und jeglichem Lärm: Übernachten im Wald.
© Andrey Armyagov (Andrey Armyagov (Photographer) - [None]

In Deutschland ist Wildcampen tatsächlich meist untersagt. Die Regeln unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland und sind ziemlich unübersichtlich. Man darf zwar die freie Natur betreten und dort verweilen. Einfach den Camper abstellen oder ein Zelt aufbauen und übernachten ist jedoch nicht gestattet und insbesondere in Naturschutzgebieten und Nationalparks sogar ausdrücklich verboten.

Je nach Bundesland und nach Schwere und Anzahl der Vergehen sieht der Bußgeldkatalog eine Strafe in Höhe von 5 bis 5.000 Euro pro Person vor. Im besten Fall wird der Förster Sie nur zum Weiterziehen ermahnen. Denn Wildcampen ist keine Straftat, sondern "nur" eine Ordnungswidrigkeit.

Erste Regel: Informieren Sie sich eingehend über die örtlichen Regelungen, bevor Sie Ihr Zelt oder Ihren Camper in der freien Natur aufstellen. Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, Jagdregionen und landwirtschaftliche Nutzflächen sind nicht nur zum Schutz der dort lebenden Tiere zu vermeiden, sondern auch für die eigene Sicherheit.

Alternativen zum Wildcampen in Deutschland: Biwakieren, Trekking-Camps oder beim Besitzer nachfragen

Unter freiem Himmel in der Wildnis übernachten - für viele Menschen ein Ausstieg aus dem stressigen Alltagsleben.
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Doch es gibt auch in Deutschland einige Alternativen zum gewöhnlichen Campingplatz. Zunächst kann man sich immer an den jeweiligen Grundbesitzer oder das zuständige Forstamt wenden und fragen, ob man im gewünschten Bereich sein Zelt aufschlagen oder seinen Camper abstellen darf.

In einigen Bundesländern in Deutschland gibt es sogenannte Trekking-Camps, in denen man für einen günstigen Preis (etwa 5-10 Euro pro Nacht pro Person) im Zelt übernachten kann. Dort findet man aber selten mehr als einen festen Untergrund zum Schlafen und eine spartanische Komposttoilette. Mit einem Wohnmobil hat man in den Trekking-Camps allerdings keine Chance.

Wer mit einem Campingbus oder einem Wohnmobil unterwegs ist und am Straßenrand oder in der Natur übernachten möchte, sollte es vermeiden, Tisch, Stühle oder den Grill draußen aufzustellen und natürlich nicht dort campen, wo es ausdrücklich verboten ist. Für eine Nacht darf man den Campingbus "zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" vielerorts hinstellen, solange es nicht wie "wohnen" aussieht und die Standzeit nicht länger als 10 Stunden andauert.

Wildcampen in Frankreich, Italien und Co.

Mit dem Wohnmobil direkt am Meer campen ist in Europa leider nicht überall möglich.
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Von ein paar Ausnahmen abgesehen, sieht es in Europa mit dem Wildcampen eher schlecht aus. In beliebten Urlaubsregionen in Frankreich, Spanien, Griechenland, Portugal, Italien oder in den Balkanländern ist es weitestgehend verboten, den Camper oder sein Zelt in der Wildnis aufzustellen. Außer Sie holen sich - ähnlich wie in Deutschland - vorher die Genehmigung des Grundbesitzers oder der jeweiligen Behörde. Und außerhalb der touristischen Gebiete gibt es oft kostenfreie Stellplätze für Wohnmobile und Camper.

Österreich und Schweiz : Was ist hier erlaubt?

Übernachten unter freiem Himmel - in manchen Ländern ist das erlaubt.
© Dieter Meyrl - www.photostat.de (Dieter Meyrl - www.photostat.de (Photographer) - [None], Dieter Meyrl - www.photostat.de

In Österreich und der Schweiz sind die Regelungen, ähnlich wie in Deutschland, unübersichtlich und kleinteilig auf die jeweiligen Bundesländer und Kantone verteilt. Biwakieren ist jedoch in gewissen Gebirgsregionen möglich. Zudem dürfen Sie in manchen Regionen am Straßenrand oder auf Parkplätzen übernachten.

Campen und frei stehen in den Niederlanden und Belgien

Urlaub im Camper: Das eigene Zuhause immer dabei.
© iStockphoto

In den Niederlanden ist Campen nur auf den ausgewiesenen Campingplätzen gestattet. Im Nachbarland Belgien sind die Auflagen nicht so streng: In den Touristenorten dürfen Sie nicht wild campen. Doch abseits der Küste sieht es schon wieder ganz anders aus. Solange kein Verbotsschild das Wildcampen und frei stehen explizit verbietet, darf man an folgenden Stellen ohne Probleme für eine Nacht sowohl mit Camper als auch Zelt schlafen:

  • Auf Parkplätzen
  • Auf Straßen, solange der Straßenverkehr nicht gestört wird
  • Auf Privatgrundstücken darf sogar für mehrere Nächte gecampt werden. Es ist allerdings ratsam, um Erlaubnis zu fragen.

Skandinavien, Schottland und Osteuropa : Hier ist Wildcampen erlaubt

Wildcampen ist im schwedischen Nationalpark Sarek in Lappland legal.
© picture alliance, picture alliance / Zoonar | GUNAR STREU

Doch es gibt auch einige Länder, in denen Wildcampen tatsächlich legal ist. In Schottland ist das Campieren in der freien Natur offiziell erlaubt und durch den "Scottish outdoor access code" geregelt. Die skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Finnland gelten als Paradies für Wildcamper – denn wegen des Jedermannrechts ist es kein Problem, hier sein Zelt in der Wildnis aufzustellen oder in seinem Camper zu übernachten. Es gibt jedoch klare Verhaltensregel: Keinen Müll hinterlassen, nichts zerstören und den Platz so hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat.

Auch in den baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen ist das Wildcampen erlaubt. Es gibt weitere europäische Länder, in denen das Wildcampen gesetzlich nicht verboten ist. Dazu gehören Albanien, der Kosovo, Rumänien, Georgien, Armenien, die Ukraine, Weißrussland und Moldawien. Allerdings birgt die abgeschiedene Natur andere Gefahren, wie wilde Tiere oder ungeschützte Abhänge. Hinweisschilder sollten daher in jedem Fall ernst genommen werden.

Grundsätzliche Regeln zum Wildcampen

Wo auch immer es Sie in Europa hin verschlägt, sollten Sie folgende grundsätzliche Regeln beachten. Dann können Sie und andere Outdoor-Fans auch in Zukunft Nächte in der Wildnis und der freien Natur genießen:

  • Keinen Müll oder Notdurft hinterlassen
  • Nicht zu laut sein
  • Nicht in großen Gruppen reisen
  • Auf den Brandschutz achten
  • So kurz wie möglich an einem Ort bleiben
  • Anweisungen von Landbesitzern und Förstern unbedingt Folge leisten und freundlich sein
  • Tiere und Pflanzen in Ruhe lassen

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei Ihrem Camping-Abenteuer!