Bernd W. wegen mehrfachen Mordes schuldig gesprochen

Urteil: Lebenslang für Amokfahrer von Trier mit fünf Toten

16.08.2022, Rheinland-Pfalz, Trier: Der Angeklagte im sogenannten Amokfahrerprozess sitzt vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal. Der Mann war am 1. Dezember 2020 in einem Auto durch die Innenstadt gerast und hat dabei fünf Menschen getötet. Er wu
Der Angeklagte im sogenannten Amokfahrerprozess vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal.
ht fdt, dpa, Harald Tittel

Im Prozess um die tödliche Amokfahrt in Trier mit fünf Toten ist der Angeklagte wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Trier stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete die Unterbringung des Mannes in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Die Tat hatte Ende 2020 bundesweit Entsetzen ausgelöst. Unter den Toten war auch ein Baby.

Trier: Auto als Waffe eingesetzt, um „gezielt Jagd" zu machen

16.08.2022, Rheinland-Pfalz, Trier: In einem Transporter wird der Angeklagte im sogenannten Amokfahrerprozess in das Landgericht gebracht. Der Mann war am 1. Dezember 2020 in einem Auto durch die Innenstadt gerast und hat dabei fünf Menschen getötet.
Hier wird der Amokfahrer in einem Transporter in das Landgericht Trier gebracht.
fdt, dpa, Harald Tittel

Seit einem Jahr stand Bernd W. vor Gericht. Für die Richter steht fest, dass er am 1. Dezember 2020 zur Mittagszeit in seinem Geländewagen mit hohem Tempo durch die Fußgängerzone raste, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Bei der Tat starben fünf Menschen: Ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren. Außerdem gab es zahlreiche Verletzte und 300 traumatisierte Augenzeugen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen sowie schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Er habe sein Auto als Waffe eingesetzt, um „gezielt Jagd auf unschuldige Passanten“ zu machen, so Oberstaatsanwalt Eric Samel in seinem Plädoyer. Ziel sei „maximale Zerstörung“ gewesen. Die Opfer, gegen die er teils mit bis zu Tempo 75 gerast sei, hätten nicht „den Hauch einer Chance“ gehabt.

Die Anklage forderte eine lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Wegen einer psychischen Erkrankung des Mannes sprach sie sich zudem für die Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus aus.

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Angeklagter schweigt: Laut Gutachten vermindert schuldfähig

03.12.2020, Rheinland-Pfalz, Trier: Menschen stehen bei einer Schweigeminute zum Gedenken der Opfer nach der Amokfahrt von Trier mit Toten und Verletzten um genau die Uhrzeit, zu der ein 51-jähriger Mann am Dienstag durch die Fußgängerzone gerast ist
Schweigeminute zum Gedenken der Opfer nach der Amokfahrt von Trier am 3. Dezember 2021
fgj, dpa, Harald Tittel

Ein Großteil der Opferanwälte hatte ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Unterbringung in der Psychiatrie für Bernd W. gefordert. Auch die Verteidigung will den Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik unterbringen, forderte aber keine lebenslange Haft und keine besondere Schwere der Schuld.

Nach dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Mann an einer paranoiden Schizophrenie mit bizarren Wahnvorstellungen und ist vermindert schuldfähig. Laut Verteidigung kann er sich an den Tatzeitraum nicht erinnern. Der gelernte Elektroinstallateur hat den ganzen Prozess über - hinter mobilem Panzerglas sitzend - zu den Vorwürfen geschwiegen. Laut Anklage war er zur Tatzeit alleinstehend, arbeitslos, ohne festen Wohnsitz und durch seine persönlichen Lebensumstände frustriert.

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Die Hinterbliebenen und Betroffenen seien erleichtert, dass der Prozess nach einem Jahr Dauer endet, sagte Bernd Steinmetz für die Stiftung Katastrophen-Nachsorge vor der Urteilsverkündung. „Es war schon eine Belastung jetzt über die lange Zeit.“

Die schreckliche Tat werde immer Teil ihres Lebens bleiben, sagte Steinmetz weiter. Der Prozess sei „ein Meilenstein für die Verarbeitung“ gewesen - aber die Aufarbeitung verlaufe individuell sehr verschieden. „Es gibt wirklich einige Opfer und Betroffene, wo man weiter wahrnehmen muss, dass nach mehr als einem Jahr Prozess die eigene Lebensperspektive noch infrage gestellt

Ende August sei ein Treffen der Stiftung angesetzt, da es nach dem Urteil sicherlich Redebedarf geben werde, sagte Steinmetz. Die Treffen seien offen. „Wir gehen davon aus, dass nach dem Prozess eine neue Phase beginnt.“ (dpa/cwa/uvo)