Keine Antworten von angeklagtem Sebastian B.

Unfallfahrer vor Gericht - Eltern von totem Floris wollen wissen: "Hat er geschrien, hat er geweint?"

28. Oktober 2021 - 11:04 Uhr

Bei dem Unfall in Hofheim starben drei junge Menschen

Es ist ein schwerer Gang für Konstanze und Mario von Pallandt. Fünfzehn Monate ist es her, seit sie ihren geliebten Sohn Floris (18) verloren, durch den Autounfall eines Fahranfängers. Sebastian B., ein Freund ihres Sohnes. Heute sehen sie ihn wieder, vor dem Amtsgericht Frankfurt. Dürfen ihm Fragen stellen, doch Antworten bekommen sie nicht. Die Eltern sind verzweifelt, aber auch empört über das Schweigen des 19-Jährigen, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist. Bei dem Unfall im hessischen Hofheim starben im Juli 2020 drei junge Menschen.

Eltern von Unfallopfer: "Wir sitzen mit den Eltern von Rami zusammen und weinen"

Konstanze und Mario von Pallandt erleben den Alptraum aller Eltern: Ihr Sonn Floris (†18) stirbt bei einem Autounfall. Jetzt wollen sie Antworten von Unfallfahrer Sebastian B..
Konstanze und Mario von Pallandt erleben den Alptraum aller Eltern: Ihr Sonn Floris (†18) stirbt bei einem Autounfall. Jetzt wollen sie Antworten von Unfallfahrer Sebastian B..
© RTL

Der Tag vor Gericht sei "für alle sehr emotional" gewesen, erzählt Mario von Pallandt unserem Reporter Rafael Fleischmann. Man dürfe eines nicht vergessen, merkt er an: "Diese Emotionen haben wir jeden Tag." Mutter Konstanze ergänzt: "Wir vermissen unser Kind." Der Vater erzählt von den traurigen Abenden, wenn er sich mit seiner Frau mit den Eltern eines anderen toten Jungen trifft: "Wir sitzen mit den Eltern von Rami zusammen und weinen. Und immer geht es um das große Thema 'warum', was ist passiert?"

Auf diese Frage hätten sie sich beim Prozess eine Antwort gewünscht, aber Todesfahrer Sebastian B. gab sie weder den Eltern noch der Richterin. Die habe versucht "ihn emotional aus sich rauszulocken, aber… Er weiß zwar, welche Musik gehört wurde im Auto, aber auf Frage, was passiert ist, kam immer nur, ich weiß nicht, ich weiß nicht", so der Vater. Er hätte gern gewusst, was in den letzten Sekunden in Floris' Leben passiert ist. "Hat er geschrien, hat er geweint? Diese Antwort wollten wir haben." Aber dazu habe B. geschwiegen.

Floris' Eltern sehen keine Einsicht oder Reue bei Unfallfahrer Sebastian B.

Unfall bei Hofheim
Bei dem Unfall bei Hofheim starben im Juli 2020 drei junge Menschen.
© RTL

"Unsere Befürchtungen sind genauso eingetreten", so der Vater des Unfallopfers. Für Mario von Pallandt eine "total unbefriedigende Situation". Er kritisiert das Verhalten von Sebastian B., aber auch das von dessen Anwalt. Der finde zwar immer "warme Worte", aber: "Er behauptet, er wüsste Bescheid, doch das spüren wir nicht, das fühlen wir nicht."

Der Anwalt hätte gesagt, man könne sich "in einem anderen Rahmen einmal zusammensetzen". Das sei für ihn keine Option, sagt von Pallandt unmissverständlich. "Solange ich keine Reaktion von ihm sehe, kein echtes Mitgefühl, keine Reue, kein 'es tut mir leid', kann ich mit nicht mit einem solchen Menschen zusammensetzen."

Floris' Mutter Konstanze ergänzt: "Es sind jetzt 15 Monate her und es kommt nichts von dem Fahrer." Das habe sie auch zur Richterin gesagt. Wenn jetzt noch etwas käme, würde das für sie und ihren Mann "abgedroschen und nicht echt" klingen. Sie vergleicht: "Unser Sohn kommt nicht heim. Der Fahrer wird von seiner Mutter noch in den Arm genommen an Weihnachten und seinem Geburtstag." Sie müssten hingegen seinen Geburtstag ohne ihren Sohn feiern, "mit seinen Freunden, die noch kommen." Leise fügt der Vater an: "Zum Schluss sitzen wir beide allein da."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Video: Fahranfänger (19) tötet drei Freunde bei SUV-Unfall

Mutter: "Heute konnte ich erzählen, was für ein Mensch verloren gegangen ist"

Er ist irritiert über Sebastian B.'s Schweigen zum Geschehen. "Bei allem, was nicht direkt mit dem Unfall zu tun hatte, kam eine Reaktion. Aber alles zum Unfall selbst, hat er komplett ausgeblendet." Er habe sich noch an das Lied im Auto erinnern können, aber nicht, wie er gefahren ist. "Das muss man sich mal vorstellen." Für von Pallandt eine verpasste Chance. Es hätte keinen besseren Moment gegeben, zu sagen, was passiert ist, findet er.

Konstanze von Pallandt sei es beim heutigen Gerichtstermin sehr wichtig gewesen, einmal über ihren Sohn sprechen zu können. "Es geht ja im Prozess nur um den Fahrer. Heute konnte ich konnte ich etwas von Flori erzählen, was für ein Mensch verloren gegangen ist. Ein sozialer Mensch mit einer tollen Geschichte. Das zeigen zu können, hat mir ein gutes Gefühl gegeben", sagt sie.

Auch sie ist enttäuscht darüber, dass der Unfallfahrer nichts zum Hergang des Geschehens sagte. "Da passt nichts zusammen". B. lasse "keine Einsicht" zu. Sie wünsche ihm, "dass er das eines Tages kann." Nachdenklich sagt sie: "Wie will ein Mensch damit leben? Aber er lebt. Unser Kind nicht."

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil soll im November fallen. (uvo)