Ampel will künstliche Befruchtungen fördern

Mehr Hilfe für ungewollt Kinderlose: Diese Änderungen plant die Ampel-Koalition beim Kinderwunsch

Mehr als 100.000 junge Familien sind betroffen – sie können sich den Traum vom gemeinsamen Kind nicht auf natürlichem Weg erfüllen.
Mehr als 100.000 junge Familien sind betroffen – sie können sich den Traum vom gemeinsamen Kind nicht auf natürlichem Weg erfüllen.
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05. Dezember 2021 - 10:51 Uhr

Ampel will ungewollt Kinderlose unterstützen

Monat für Monat die bange Frage - hat es diesmal geklappt? Das Thema unerfüllter Kinderwunsch belastet viele Paare enorm und kann bei ärztlicher Behandlung auch teuer werden. Mit Spannung wird erwartet, wann die neue Bundesregierung ihre Pläne für "Reproduktive Selbstbestimmung" umsetzen wird. Denn hier will die Ampel einiges ändern, um allen unabhängig von Einkommen, sexueller Orientierung oder medizinischer Vorgeschichte den Kinderwunsch zu erfüllen.

25 Prozent Kostenübernahme

Mehr als 100.000 junge Familien sind davon betroffen – sie können sich den Traum vom gemeinsamen Kind nicht auf natürlichem Weg erfüllen. Wer es sich leisten kann, geht dann oft in eine Kinderwunsch-Klinik, um eine künstliche Befruchtung machen zu lassen. Die kostet aktuell aber noch bis zu 1.300 Euro Eigenanteil. Für viele Familien in Deutschland unerschwinglich.

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Das will die neue Ampel-Koalition ändern. "Wir wollen ungewollt Kinderlose besser unterstützen", heißt es im Koalitionsvertrag. Im Detail sollen 25 Prozent der Kosten, also etwas mehr als 300 Euro, künftig vom Staat übernommen werden. Zusammen mit verschiedenen Förderungen durch die Bundesländer könnte so eine künstliche Befruchtung sogar komplett übernommen werden.

Mediziner begrüßen Vorstoß

Mit dem Vorhaben rennen die Politiker bei Medizinern längst offene Türen ein. "Ich begrüße die geplanten Änderungen außerordentlich", sagte Heribert Kentenich, Reproduktionsmediziner und Mitglied im Expertenrat der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Für viele Paare in Deutschland komme eine Kinderwunschbehandlung bislang nicht infrage, weil sie es sich nicht leisten könnten.

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Heribert Kentenich, von der Kinderwunschpraxis Fertility Center Berlin, spricht am 12.08.2015 in Berlin bei einer Pressekonferenz der Gesundheitssenatsverwaltung zur finanziellen Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen in Berlin.
Heribert Kentenich, Mediziner und wissenschaftlicher Berater der Bundesregierung, begrüßt die Förderung.
© deutsche presse agentur, Rainer Jensen

Embryonenschutzgesetz ist nicht mehr zeitgemäß

Der Koalitionsvertrag sieht aber noch eine weitere tiefgreifende Veränderung vor. Künftig sollen nämlich Embryonenspenden im sogenannten Vorkernstadium und der "elektiven Single Embryo Transfer" legal sein. Der erlaubt die Auswahl des bestentwickelten Embryos aus einer Vielzahl befruchteter Eizellen.

Für Reproduktionsmediziner ein Meilenstein, denn so könnten vor allem viele Risikoschwangerschaften vermieden werden, so Kentenich. "Wir haben in Deutschland eine schlechtere Geburtenrate nach künstlichen Befruchtungen und zu viele Mehrlingsgeburten, weil das Embryonenschutzgesetz nicht mehr zeitgemäß ist." Während der Anteil von Mehrlingen nach künstlichen Befruchtungen in Schweden beispielsweise bei drei bis vier Prozent liege, liege er in Deutschland bei 17 bis 18 Prozent. "Das ist ein Problem, weil Mehrlinge oft zu früh zur Welt kommen und ein sehr viel höheres Risiko für die Mutter und die langfristige Gesundheit der Kinder bedeuten", so Kentenich.

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Gleichberechtigung bei Förderung

Das neue Gesetz soll aber nicht nur ungewollt kinderlose Paare unterstützen, sondern auch für mehr Gleichberechtigung und Diskriminierungsfreiheit sorgen. "Künstliche Befruchtung wird diskriminierungsfrei auch bei heterologer Insemination, unabhängig von medizinischer Indikation, Familienstand und sexueller Identität förderfähig sein", heißt es im Koalitionsvertrag.

Heißt im Klartext: Ob unverheiratete oder homosexuelle Paare, ob transsexuelle oder diverse Menschen, alle sollen bei der Förderung berücksichtigt werden. Auch die medizinische Vorgeschichte soll dabei keine Rolle spielen. Die Twittergemeinde feiert's. (sst)

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