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Ukraine in Angst vor dem Krieg - Sogar in Schulen wird der Ernstfall geübt

„Die Kinder halten sich die Hände vor die Ohren, damit sie weniger Stress haben"

Ukraine: Schüler und Bürgerwehren bereiten sich auf Angriff Russlands vor

Angst vor Angriff Russlands Bürgerwehren in der Ukraine
02:16 min
Bürgerwehren in der Ukraine
Angst vor Angriff Russlands

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von RTL-Reporter Jürgen Weichert und Robert Clausen

Die Angst in der Ukraine vor einem russischen Angriff wächst weiter – daran haben auch die Friedensbemühungen und der Besuch von Außenministerin Annalena Baerbock in Moskau nichts geändert. Selbst in der Hauptstadt Kiew bereiten sich Bürgerwehren auf den Ernstfall vor. Unser Reporter Jürgen Weichert hat sie bei einem Training begleitet. Was er dabei erlebt hat, sehen Sie oben im Video.

Bürgerwehr-Ausbilder aus Donezk: "Schon seit acht Jahren im Krieg"

Bei winterlichen Temperaturen robben die Freiwilligen über den Boden, trainieren an Waffen und üben Manöver – mitten in Ukraines Hauptstadt Kiew. Wer noch kein eigenes Gewehr hat, trainiert solange mit einer Kalaschnikow-Attrappe aus Holz. In der Ukraine wächst die Sorge vor einem Angriff Russlands – schon über 100.000 Soldaten hat Putin an der Grenze mit schwerem Geschütz und Panzern zusammengezogen.

Ja, die Angst vor einem Angriff sei da, erklärt Mikhailo Shcherbina, der die Ausbildung der Bürgerwehr leitet. Eigentlich gebe es aber schon seit acht Jahren Krieg. Seine gesamte Familie kommt aus der Stadt Donezk in der Ostukraine. Hier waren die Kämpfe besonders heftig, der gesamte Flughafen wurde zerstört – mittlerweile ist die Stadt in den Händen der pro-russischen Separatisten.

Freiwillige trainieren in Kiew in einer Bürgerwehr
Freiwillige trainieren in Kiew in einer Bürgerwehr
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Immer mehr Freiwillige wollen kämpfen

Je konkreter die Bedrohung durch Russland wird, so erklärt Shcherbina, desto mehr Freiwillige melden sich bei ihm. Mittlerweile haben sie eine Telefon-Hotline eingerichtet, bei der sich die Bürger melden können. „Wir bekommen jeden Tag mehr als zehn Anrufe, konkrete Anrufe von Leuten, die bereit sind, sich zu melden und zu dienen.“

„Wir haben natürlich die reguläre ukrainische Armee, aber wir meinen hier: Das reicht nicht.“ So sieht man es auch rund 500 Kilometer weiter östlich im Grenzgebiet. Auch hier bereiten sich Freiwillige vor, bewaffnen sich und bauen Stellungen aus. Doch sie wissen: Im Zweifel hat Russland immer mehr Soldaten, immer mehr Waffen als sie. Eine diplomatische Lösung des Konflikts wäre ihnen deshalb allemal lieber.

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Auch die Kinder in den Schulen nahe der russischen Grenze haben Angst. Immer wieder müssen die Kleinen üben, wie sie sich verhalten, wenn Granaten einschlagen. Die Fenster in der Grundschule sind mit Folie beklebt, denn wenn Granaten und Raketen kommen, könnten splitternde Fensterscheiben zur tödlichen Gefahr für die Kinder werden, erklärt Schuldirektorin Olga Sosova.

„Die Kinder halten sich die Hände vor die Ohren, damit sie weniger Stress haben. Granateinschläge sind sehr laut. Wovor wir am meisten Angst haben ist, dass Raketen in der Nähe einschlagen könnten und dass die Scheiben kaputt gehen und durch das Klassenzimmer fliegen", erklärt die Direktorin im RTL-Interview.

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