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Schwanger mit Zwillingen, doch nur ein Baby überlebt: "Sie war so groß wie meine Hand"

Nur eine Tochter kam lebend zur Welt

"Sie war so groß wie meine Hand" - Zwillingsmutter über den schmerzhaften Verlust ihres Babys

Stefanie Knochs Tochter Lotta.
Erst vor wenigen Tagen wurde die kleine Lotta geboren. Was für Mutter Stefanie Knoch großes Glück bedeutet, geht gleichzeitig auch mit einem der schlimmsten Momente einher. Denn eigentlich sollte neben Lotta noch Zwillingsschwesterchen Ella liegen.
privat/Stefanie Knoch

von Vera Dünnwald

Erst vor wenigen Tagen, am 4. April, ist Stefanie Knoch zum vierten Mal Mutter geworden, als Töchterchen Lotta das Licht der Welt erblickt hat. Eigentlich sollte in dieser Zeit nichts und niemand das Familienglück trüben – wenn da nicht die Tatsache wäre, dass Lotta eigentlich noch eine Schwester gehabt hätte. Denn: Eigentlich war Stefanie mit Zwillingen schwanger. Doch ihre andere Tochter, der die Eltern den Namen Ella gaben, hat es leider nicht geschafft.

Es ist ein ähnliches Schicksal, das auch Fußballstar Cristiano Ronaldo und seine Freundin Georgina Rodriguez aktuell durchmachen müssen. Wie übersteht man eine solche Zeit? Im RTL-Interview erzählt uns Stefanie Knoch ihre Geschichte.

Ein "komisches Bauchgefühl" signalisiert Stefanie: Irgendetwas stimmt nicht

Stefanie Knoch mit ihrer Familie, bevor sie mit den Zwillingen schwanger ist.
Stefanie Knoch mit ihrer Familie, bevor sie mit den Zwillingen schwanger ist.
privat/Stefanie Knoch

Die Freude ist riesig, als Stefanie Knoch (36) aus Coburg in Bayern letztes Jahr erfährt, dass sie noch einmal Mutter wird. Ihre beiden großen Kids (14 und zwölf) sollen sich wie ihr anderthalbjähriger Sohn über ein Geschwisterchen freuen dürfen. Und nicht nur das: Das Glück schlägt gleich doppelt zu, denn Stefanie erwartet Zwillinge. Nach einer Fehlgeburt, die die 36-Jährige zuvor erlitten hat, können die Knochs es kaum fassen. Zu dem Zeitpunkt kann niemand ahnen, was noch alles auf die Familie zukommen würde.

„In den ersten Wochen war alles gut“, erzählt Stefanie im RTL-Interview. Sie erwartet eineiige Zwillinge. „Der Arzt sagte uns sofort, dass eine erhöhte Gefahr für das FFT-Syndrom besteht.“ Damit ist das Fetofetale Transfusionssyndrom gemeint: Abnormale Gefäßverbindungen auf den Mutterkuchen ermöglichen dabei eine gefährliche Blutverschiebung von einem Fötus zum anderen, wie es auf der Webseite des „Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie“ (DZFT) heißt. Auch Stefanie Knoch erklärt: „Es gibt dann quasi einen Geber und einen Nehmer. Der Geber gibt zu viel, und der Nehmer nimmt alles weg, wodurch es gut sein kann, dass der Geber am Ende verstirbt, weil er unterversorgt ist.“ Die bis dato dreifache Mutter lebt in ständiger Angst, dass dieses Syndrom die Gesundheit ihrer Zwillinge beeinträchtigen könnte.

Plötzlich wird ihre an sich unkomplizierte Schwangerschaft problematisch: „In der 18. Schwangerschaftswoche hatte ich auf einmal höllische Schmerzen und habe es mit der Angst zu tun bekommen. Ich hatte ein komisches Bauchgefühl und bin zum Arzt gegangen. Und der hat dann recht schnell nur noch einen Herzschlag auf dem Monitor beim Ultraschall gesehen.“ In dem Moment bricht für Stefanie eine Welt zusammen.

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Eines der Zwillingsmädchen stirbt: "Es waren nur noch ein paar Gramm von ihr übrig"

„Ich konnte es gar nicht begreifen. Schließlich stellt man sich die ganze Zeit auf Zwillinge ein, kauft Sachen – bis einem plötzlich ein Kind ‘weggenommen’ wird.“ Weil es sich um eineiige Zwillinge handelt, muss der tote Fötus weiterhin in Stefanies Bauch bleiben. „Ich hatte nur eine Plazenta mit einer Fruchtblase und zwei Fruchthöhlen. Der Arzt sagte mir, dass eine Ausschabung deswegen nicht infrage kommen würde.“

Letztendlich trägt sie ihr totes Kind, ein Mädchen namens Ella, bis zum Ende ihrer Schwangerschaft in sich. Am 4. April setzen dann die Wehen ein; es kommt zu einer Geburt per Kaiserschnitt: „Das wollte ich so. Ich hatte einfach zu viel Angst, dass noch mehr passiert.“ Die 36-jährige medizinische Dokumentationsassistentin befindet sich auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle: Einerseits hält sie endlich ihre Tochter Lotta im Arm, die gesund und munter das Licht der Welt erblickt – andererseits weiß sie, dass sie sich jetzt endgültig von ihrer anderen Tochter, von Ella, verabschieden muss. „Das war schlimm, vor allem weil sie sich zurückgebildet hat. Es waren nur noch ein paar Gramm von ihr übrig, sie war so groß wie meine Hand. Man konnte nicht mehr viel erkennen und auch keine Fotos mehr machen“, sagt Stefanie. Für die Familie sei das ein furchtbarer Moment gewesen und alle seien sehr traurig gewesen. „Eigentlich wollten wir noch Erinnerungen schaffen, damit uns Ella im Gedächtnis bleibt“, sagt die 36-Jährige.

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Die 36-Jährige ist stolz darauf, beide Kinder unter ihrem Herzen getragen zu haben

Die Mediziner finden heraus: Es ist nicht das FFT-Syndrom, woran Ella letztendlich sterben musste – sondern ihre Nabelschnur ist falsch gewachsen. „Man nennt das Nabelschnuranomalie. Die Nabelschnur, die das Kind eigentlich versorgen soll, ist nicht an der Plazenta gewachsen, sondern an der Ei-Haut. Dadurch konnte sich Ella gar nicht weiterentwickeln, und sie war unterentwickelt. Dagegen hätte man aber auch nichts machen können“, sagt Stefanie.

Dass es für Stefanie Knoch eine äußerst schwierige Zeit ist, liegt auf der Hand. Wie fühlt es sich an, wenn man sein totes Kind weiter unter dem Herzen tragen muss – damit das andere Kind überleben kann? „Das war ein sehr komisches Gefühl. Ehrlich gesagt habe ich auch überlegt, ob ich abtreiben soll, denn ich wollte einfach kein totes Kind in mir tragen. Es war unfassbar und ein großer Schockmoment für uns alle.“

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Was ihr am Ende hilft, ist sich zu informieren: „Ich habe viel darüber gelesen und irgendwann realisiert: ‘Moment mal, ich darf meine andere Tochter noch weiter in mir wachsen lassen und dafür sorgen, dass sie gesund ist.’ Irgendwann kam ich zu der Realisation, dass ich darauf total stolz sein kann. Und das war ich auch.“ Dieser Gedanke gibt ihr Kraft, wie sie uns erzählt.

Stefanie Knoch ist sich sicher: Ella wird in Lotta weiterleben

Im kommenden September wird Ella auf einem Sternenkinder-Friedhof beerdigt: „Das ist eine Art ‘Regenbogen-Wald’, wo Eltern Bäume pflanzen, Gemälde und Kerzen, Steine und Baumscheiben – alles mögliche – aufstellen können.“ Mit ihrer Geschichte möchte sie dafür sorgen, dass mit ähnlichen Schicksalen offener umgegangen wird: „In unserem Bekanntenkreis war das ein großes Tabuthema, was ich ganz schlimm fand. Es war schwer, mit Menschen zu sprechen und dieser Trost, den man in solchen Augenblicken am meisten braucht, bleibt dann oft auf der Strecke.“ Heute ist sich Stefanie Knoch sicher: Ella wird in Lotta weiterleben. Denn Lotta ist „stark für zwei.“

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