Ist der Lehrermangel Schuld?

Vier-Tage-Woche an Schulen? Das könnte bald in Sachsen-Anhalt kommen

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Schule
ude lop pil bwe, dpa, Uli Deck

Die 4-Tage-Woche – immer wieder in Betrieben diskutiert – aber in der Schule? Lernen und Schulbank drücken nur noch an vier statt an fünf Tagen? Diese Idee soll in Sachsen-Anhalt ab dem neuen Schuljahr, also nach den Sommerferien, schon möglich gemacht werden. Das berichtet der „Spiegel“. Die Frage ist allerdings, was passiert dann am fünften Tag?

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Ist der Lehrermangel der Grund für die verkürzte Schulwoche?

Online lernen oder ein Praktikum machen am fünften Tag – so könnte das Modell in der Praxis in Sachsen-Anhalt aussehen. Ähnliche Strukturen gibt es beispielsweise schon in Bismark, im Norden Sachsen-Anhalts. Laut Informationen, die dem „Spiegel“ vorliegen, findet dort an der Schule alle zwei Wochen ein Digitaltag für Siebtklässler statt, an dem sie ihre Aufgaben online bekommen. Ab dem neuen Schuljahr soll es den Schulen demnach frei stehen, die Möglichkeit dieses Vier-Tage-Woche-Modells zu nutzen. Aber warum nur vier statt fünf Tage in der Schule lernen? Liegt das am Lehrermangel?

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Idee der Vier-Tage-Woche in der Schule soll mehr Freiräume zur Unterrichtsplanung schaffen

Eva Feußner (CDU)
Eva Feußner (CDU), Bildungsministerin in Sachsen-Anhalt. Foto: Christian Modla/ZB/dpa/Archivbild
deutsche presse agentur

Die Pläne für eine verkürzte Schulwoche bestätigte Bildungsministerin Eva Feußner gegenüber dem „Spiegel“. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin machte sie aber deutlich, das Modellprojekt verstehe sich explizit nicht als Instrument gegen den Mangel an Pädagogen. Vielmehr soll die Idee einer Vier-Tage-Woche „Freiräume in der konzeptionellen Unterrichtsplanung und Unterrichtsdurchführung“ schaffen, hieß es aus dem Bericht, der dem „Spiegel“ vorliegt.

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Lehrermangel in Deutschland verschärft sich immer mehr

Kritik an dem Vorstoß gibt es vom Lehrerbezirkspersonalrat und auch Teile der Opposition im Magdeburger Landtag sehen die Pläne skeptisch. Auch Thomas Lippmann von den Linken macht gegenüber dem „Spiegel“ deutlich: „Die Landesregierung versucht, zusätzliche Unterrichtsstunden zu gewinnen – und so den Mangel an Lehrern zu strecken“. Auch Torsten Richter von der GEW, der als Lehrerbezirkspersonalrat in Sachsen-Anhalt, über die schulischen Strukturen in dem Bundesland Bescheid weiß, sagt dem Nachrichtenportal: „Das Land hat bei der Lehrerversorgung alles ausgereizt“. Bisher ließe man heimlich, still und leise den Unterricht ausfallen. Nun mache man es amtlich, so Richter. Denn klar ist: Der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt hat sich über die letzten Jahre verschärft, ähnlich wie es bundesweit auch der Fall ist.

Laut Informationen des „Spiegels“ fehlen bis zum Ende des Jahrzehnts rund 80.000 Pädagogen und das deutschlandweit. Einige Bundesländer ergreifen deshalb bereits drastischere Maßnahmen. In Berlin beispielsweise werden nun wieder Lehrer verbeamtet, um den Beruf attraktiver zu machen (lwe).

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