RTL Spezial: "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können"

Das große RTL-Experiment: Ermittlungen schon vor der Ausstrahlung

08. März 2021 - 23:03 Uhr

"Minderjährige" Lockvögel sind in Wirklichkeit erwachsen

In "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können" wagte RTL ein beklemmendes Experiment: Drei erwachsene, aber jung aussehende Schauspieler gaben sich im Internet als Zwölfjährige aus. Sie testeten, wie schnell Kinder im Internet zur Zielscheibe übergriffiger, sexueller Anfragen werden. Was sie dabei erlebten, war schwer zu ertragen – zeigte aber, wie wichtig es ist, Minderjährige über die Gefahren im Netz aufzuklären und zu schützen.

Hunderte übergriffige Chat-Anfragen in kurzer Zeit

In einem Fernsehstudio werden Kinderzimmer als Kulisse eingerichtet. Die jungen Erwachsenen Hanna, Paul und Lea (alle 20) positionieren sich darin mit Computern und Smartphones und schlüpfen in die Rollen von Kindern – alle vermeintlich zwölf Jahre alt. Schon Wochen vor dem Experiment wurden Social-Media-Accounts für sie angelegt. Den Schauspielern steht ein erfahrenes TV-Team um Investigativreporterin Pia Osterhaus zur Seite, das sie berät und jederzeit eingreifen kann. 18 Kameras zeichnen drei Tage lang alle Ergebnisse des Experiments auf – und die machen sprachlos:

Innerhalb von nur drei Tagen bekommen Hanna, Paul und Lea weit über 500 übergriffige und sexualisierte Chat-Anfragen. Die drei sind massiven Manipulationsversuchen erwachsener Männer ausgeliefert und werden mit der unmittelbaren Gefahr des sexuellen Missbrauchs konfrontiert.

Erste Ermittlungsverfahren laufen schon

Aufgrund der Recherchen für das RTL Spezial wurden bereits gegen 20 Männer, die im Zuge des Experiments identifiziert wurden, Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die drei Schauspieler erhielten in nur drei Tagen mehr als 500 übergriffige Nachrichten mit expliziten Bildern und Anfragen, auf andere Chatportale zu wechseln oder auch Vorschlägen zu privaten Treffen.

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Männer erzeugen Druck auf die vermeintlich Minderjährigen

In vielen Fällen werden die Lockvögel binnen weniger Minuten von ihrem Gegenüber auf andere Kommunikationsplattformen und in Videochats gelockt. Sie sehen sich dem Druck ausgesetzt, den die Männer auf die vermeintlich Minderjährigen erzeugen – etwa, wenn sie Nacktfotos von sich machen und verschicken sollen.

Moderator Steffen Hallaschka: Bewusstsein für Gefahren im Internet schaffen

"Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie groß die Gefahren für Kinder im Internet sind", erklärte Steffen Hallaschka, der das Experiment moderierte. "Es war absolut erschreckend, wie zahlreich die Übergriffe im Chat waren und wie zielstrebig die Täter dabei vorgegangen sind. Viele der Männer haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ihre sexuellen Übergriffe im Netz häufig auch eine Fortsetzung im realen Leben finden", sagte er. "Ich bin voller Hoffnung, dass dieser ungewöhnliche Fernsehabend bei RTL wirklich etwas zum Besseren verändern wird."

Was die wichtigsten Schritte sind, um Ihre Kinder vor Cybergrooming – sexuellen Angriffen im Internet – zu schützen, können Sie hier nachlesen.

Das waren die Gäste der Live-Sendung

Steffen Hallaschka begrüßte in der Live-Sendung unter anderem Lydia Benecke, Kriminalpsychologin mit Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Gewalt- und Sexualstraftaten, Julia von Weiler, Diplom-Psychologin und Leiterin "Innocence in Danger e.V.", Emmaly Baecker, Kriminalhauptkommissarin LKA Berlin, Vertreter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW), sowie den Vater eines Opfers im Studio.

Zudem standen Vertreter der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) den Zuschauerinnen und Zuschauern unter der Telefonnummer 0800 2008008 für Rückfragen zur Verfügung.

Hilfsangebot im Kontext digitaler Medien

Mit ihrem Angebot "Zebra" beraten Experten der Landesmedienanstalt NRW bei allen Fragen, die sich im digitalen Alltag ergeben und geben konkrete Hilfestellungen.