Tätern drohen bis zu zehn Jahre Haft

Sexueller Missbrauch von Kindern: Schon der Versuch ist strafbar

Kinder haben noch keine Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung entwickelt und stehen deshalb unter einem besonderen Schutz (Symbolbild).
Kinder haben noch keine Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung entwickelt und stehen deshalb unter einem besonderen Schutz (Symbolbild).
© imago/blickwinkel, imago stock&people

15. März 2021 - 13:52 Uhr

Kinder stehen unter besonderem Schutz

Die Rechtslage ist eindeutig: Wer sexuelle Handlungen an oder mit Kindern vornimmt, macht sich strafbar. Als Kinder gelten Personen unter 14 Jahren. Sie stehen laut Bundesregierung unter einem besonderen Schutz, da sie noch keine Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung entwickelt haben. Das Gesetz unterscheidet zudem zwischen sexuellem und schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern: In allen Fällen müssen Täter mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Auch, wer wegen Kinderpornografie oder Cybergroomings verurteilt wird, kommt nicht mit einer Geldbuße davon.

Gerade das Internet birgt für Minderjährige viele Gefahren. Wie groß diese sind und was wir tun können, um unsere Kinder zu schützen, sehen Sie im großen RTL Spezial "Angriff auf unsere Kinder und was WIR dagegen machen können" am 8. März um 20:15 Uhr.

Sexueller Missbrauch von Kindern

Ein sexueller Missbrauch von Kindern ist demnach "jede sexuelle Handlung, die an, von oder vor einem Kind vorgenommen wird", rechtlich verankert in Paragraph 176 des Strafgesetzbuches. Bereits der Versuch, einen Sexualkontakt mit einem Kind herzustellen, ist strafbar. Auch wenn Beschuldigte erklären, die Kinder hätten eingewilligt: Eine solche Einwilligung wäre rechtlich immer unwirksam.

Das Gesetz stellt auch sexuelle Handlungen ohne unmittelbaren Körper- oder Hautkontakt unter Strafe. Etwa, wenn jemand vor einem Kind an sich oder anderen derartige Handlungen vornimmt. "Vor einem Kind" bezieht sich dabei nicht auf die räumliche Nähe, sondern schließt auch sexuelle Handlungen ein, die Kinder zu Beispiel über einen Videostream ansehen. Es gilt ebenfalls als sexueller Missbrauch, wenn Kinder genötigt werden, an einem Täter oder an Dritten sexuelle Handlungen vorzunehmen oder wenn Täter auf Kinder durch Pornografie einwirken.

Wer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wird, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Was bei Kindern Anzeichen für sexuellen Missbrauch sein können und was Sie bei einem Verdacht tun können, erklären wir hier.

Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern

Der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern liegt laut Paragraph 176a des Strafgesetzbuches insbesondere in folgenden Fällen vor:

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  • Beischlaf oder Handlungen, die mit dem Eindringen in den Körper des Kindes verbunden sind.
  • Gemeinschaftlicher sexueller Missbrauch, d.h. wenn mindestens zwei Personen als Täter zusammenwirken. Dabei geht das Gesetz von einer besonderen Schutzlosigkeit des Opfers aus.
  • Sexueller Missbrauch mit der Gefahr schwerer Gesundheitsschädigung – dies schließt auch ein, wenn dem Kind durch die Tat eine erhebliche Schädigung der körperlichen und seelischen Entwicklung droht.

Auch hier gilt eine Höchststrafe von zehn Jahren, allerdings liegt die Mindeststrafe in der Regel höher als bei sexuellem Missbrauch.

Video: Darum bleibt sexueller Missbrauch oft unentdeckt

Kinderpornografie

Die Darstellung von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen unter 14 Jahren gilt laut Paragraph 184 des Strafgesetzbuches als Kinderpornografie. Verboten sind zum Beispiel Bilder und Videos von sexuellen Handlungen, die vor oder an Kindern vorgenommen werden. Und auch solche, die von Kindern durchgeführt werden.

Egal, ob das Material auf Papier oder in digitaler Form vorliegt: Sowohl die Herstellung als auch der Besitz, der Erwerb und die Verbreitung solcher Aufnahmen sind strafbar. Dazu zählen auch "Posing-Fotos", also Aufnahmen, auf denen Kinder ihren unbekleideten Körper "in aufreizender Weise zur Schau stellen".

Täter müssen mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren rechnen.

Cybergrooming

Cybergrooming
Das Cybergrooming kann Mädchen und Jungen gleichermaßen treffen (Symbolbild).
© deutsche presse agentur

Seit einer Gesetzesänderung im März 2020 ist bereits der Versuch des sogenannten Cybergroomings strafbar. Von Cybergrooming spricht man, wenn Erwachsene gezielt Kinder im Internet ansprechen, um sie dann sexuell zu missbrauchen. Oft geben sich Täter in sozialen Netzwerken oder auf Chat-Plattformen als Kinder aus, um Kontakt mit Kindern aufzunehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen.

Es war schon zuvor eine Straftat, ein Kind über das Internet anzusprechen, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen. Durch das neue Gesetz macht sich aber auch derjenige strafbar, der nur glaubt, mit einem Kind zu kommunizieren – tatsächlich aber mit den Eltern oder verdeckten Ermittlern Kontakt hat.

Für Cybergrooming droht Tätern laut Paragraph 176 des Strafgesetzbuches eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren.

Wie Sie Kinder vor sexuellen Angriffen im Netz schützen können, erklären wir hier.