Diese Tipps können helfen

Nach Missbrauchsverdacht in Kita: Wie Eltern Warnsignale erkennen können

Wie Sie Anzeichen von Kindesmissbrauch richtig erkennen können.
Wie Sie Anzeichen von Kindesmissbrauch richtig erkennen können.
© kieferpix, NATHANAEL KIEFER

09. September 2021 - 10:51 Uhr

Sexueller Missbrauch von Kindern ist schwer zu erkennen

Kein Kind sollte es jemals erleben müssen – und doch passiert es viel zu häufig: Kindesmissbrauch. So auch vor kurzem in einer Kindertagesstätte in Berlin-Spandau, einem Ort, wo Kinder glücklich und unbeschwert lernen, spielen und aufwachsen sollen. Eine 32-jährige männliche Kita-Aushilfe soll dort mehrere Kinder missbraucht haben. Die Ermittlungen laufen, wie die Polizei auf RTL-Anfrage bestätigt. Aber wie kann man bei einem Kind eindeutig feststellen, dass es sexuelle Gewalt erfahren hat? Es gibt einige Alarmsignale, an denen Sie sich orientieren können – denn es entstehen körperliche und seelische Wunden, auf die man achten sollte.

Körperliche und psychische Signale des Kindesmissbrauchs

Wenn Kinder plötzlich sehr verschlossen sind oder niemanden mehr an sich ranlassen, sich vorsätzlich verletzen oder Missbrauchssituationen sowie Geschlechtsteile malen, sollten Sie hellhörig werden. Aber auch Bauchschmerzen, Blasenentzündungen oder Verletzungen im Genitalbereich können Anzeichen sein – ebenso wie ein plötzlicher Waschzwang oder -boykott oder das Vermeiden von Blick- und Körperkontakt. Eine Checkliste der Anzeichen hat das "Projekt Kinderaugen" veröffentlicht.

Kriminalpsychologin Lydia Benecke ermutigt, sich nicht vor professioneller Unterstützung zu scheuen: "Nicht alle Kinder zeigen dieselben Auffälligkeiten, und genau deshalb kann es im Einzelfall äußert schwierig sein. Wenn Kinder psychische Auffälligkeiten zeigen, ist es immer gut, wenn sie zu einer Diagnostik bei einem Kinder- und Jugendtherapeuten gehen."

Wie handeln, wenn man vom Missbrauch eines Kindes erfährt?

Auf einem Kinderbett liegt eine Stoffpuppe.
Vertrauen und glauben Sie dem Opfer und vermeiden Sie unnötige Fragen.
© dpa, Uwe Zucchi

In erster Linie sollten Sie dem Kind signalisieren, dass Sie ihm glauben. Ein unsensibles Wort, und die Opfer verschließen sich, weil sie vermuten, niemand wird ihnen glauben. Auch wenn es für Erwachsene unvorstellbar ist, dass der Nachbar, der Erzieher oder der eigene Partner einem Kind etwas antun könnte. "Besonders im engeren Bekannten- oder Freundeskreis ist die soziale Kontrolle natürlich sehr gering, weil keiner so etwas erwartet und deswegen sind die Zugriffsmöglichkeiten sehr hoch für die Täter – und das macht die ganze Sache schwierig", sagt Psychologin Sibylle Birth. Besonders kleinere Kinder können die Gefahr daher schlecht einschätzen, alleine schon weil ihr Urteilsvermögen, dass gerade etwas Schlimmes passiert, noch nicht ausreicht, so die Psychologin weiter.

Es ist wichtig, dass Sie immer zuerst dem Kind glauben! Trösten Sie es und loben Sie es, dass es über das Erlebte spricht. Verharmlosen oder spielen Sie das, was dem Kind passiert ist, nicht herunter. Opfer empfinden Schuldgefühle – nehmen Sie dem Kind diese und machen Sie ihm klar, dass nur der Täter schuldig ist. Nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch.

Und dann? Wer einen Verdacht hat, sollte sich an Fachberatungsstellen in seiner Umgebung wenden. Erste Adresse kann der Deutsche Kinderschutzbund oder auch pro familia sein. Ist der Verdacht konkret, gehen Sie unmittelbar zur Polizei und informieren Sie das örtliche Jugendamt.

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Das sollten Sie NICHT tun

Auf eigene Faust Nachforschungen anstellen ist ein absolutes No-Go. Das ist Sache speziell geschulten Personals. Was das Kind Ihnen anvertraut hat, geben Sie nur an Polizei, Jugendamt und Beratungsstellen weiter. Dem Opfer gegenüber müssen Sie signalisieren, dass der aufgebrachte Mut genau richtig war. Bohren Sie beim Kind nicht nach, fragen Sie nicht nach Details, denn schließlich ist das Opfer traumatisiert und sollte nicht weiter verunsichert werden.

Wichtige Fragen in Missbrauchsfällen

Was unternimmt die Polizei?

Die Polizei wird nur tätig, wenn eine Anzeige eingeht. Sie sollten den Missbrauch daher unbedingt anzeigen. Anzeigen können anonym oder unter Pseudonym gestellt werden. Da viele Menschen Angst davor haben, eine Anzeige fälschlicherweise gemacht zu haben, schrecken viele zurück. Viel schlimmer ist allerdings, bei einem Verdacht zu schweigen.

Kann man auch einen länger zurückliegenden Missbrauch melden?

Ja, das kann man. Die Verjährung ruht bis zur Volljährigkeit des 18. Lebensjahres des Opfers. Das bedeutet, das Opfer kann bis zur seinem 28. Lebensjahr gegen den Täter vorgehen.

Was mache ich, wenn ich unsicher bin, ob ein Kindesmissbrauch vorliegt?

Beobachten Sie das Kind genau: Wie verhält es sich? Notieren Sie das Erzählte, Ihre eigenen Beobachtungen, Datum und Zeit der Vorfälle, Zeugen und Aussagen. Denn das kann alles für eine spätere Strafanzeige wichtig sein. Schalten Sie gegebenfalls auch einen Arzt ein – besuchen Sie aber in jedem Fall eine Beratungsstelle.

Beratungsstellen in Deutschland:

- Wildwasser: Richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind.

- Weißer Ring: Setzt sich vor allem für die Betreuung der Opfer ein - egal welcher Art von Kriminalität - ein.

- Deutscher Kinderschutzbund: Setzt sich für den Schutz von Kindern vor Gewalt, gegen Kinderarmut und für die Umsetzung von Kinderrechten in Deutschland ein.

- pro familia​: Anlaufstelle gegen sexuellen Missbrauch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.