Muss ich mich jetzt alle drei Monate impfen lassen?

RTL-Medizinexperte zerreißt Corona-Plan für den Herbst: "Aus medizinischer Sicht wenig sinnvoll"

Ein Rettungsassistent von der Johanniter-Unfall-Hilfe bereitet im früheren Regenwald-Panorama am Erlebnis-Zoo Hannover eine Corona-Impfung vor. Brauchen gesunde Erwachsene einen zweiten Corona-Booster? (z
Muss ich mich jetzt alle drei Monate impfen lassen?
jst sab vco, dpa, Julian Stratenschulte

von Vera Dünnwald

Impfauffrischung und Maske? Um besser auf den nächsten „Corona-Winter“ vorbereitet zu sein, hat die Bundesregierung am Mittwoch, 3. August, das Maßnahmen-Paket vorgestellt. Stichwort Impfung: 2G oder 3G spielen zwar keine Rolle mehr, aber Ausnahmen soll es offenbar nur noch für Getestete oder frisch Geimpfte geben. Heißt auch: Der Piks darf nicht länger als drei Monate zurückliegen.

Aber wie soll das funktionieren? Wie wird das kontrolliert? Für Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht ergibt einiges aus dem Paket aus medizinischer Sinn keinen Sinn.

Eine Kontrolle ist gar nicht zu leisten

Im RTL-Interview erklärt Dr. Christoph Specht alles rund um das Thema Coronavirus.
Dr. Christoph Specht zu den aktuellen Corona-Maßnahmen.
RTL

Vom 1. Oktober 2022 bis zum 7. April 2023 sollen nach den Plänen des Bundesgesundheits- und Bundesjustizministeriums wieder mehr Corona-Schutzmaßnahmen gelten. Medizin-Experte Dr. Christoph Specht erklärt bei RTL, was er an diesem Paket kritisch sieht: „Im Detail wird es ziemlich schwierig: Wie soll das alles kontrolliert werden? Im Pflegeheim trägt dann zum Beispiel der eine die Maske und der andere nicht. Wenn dann viele Menschen vor Ort sind, ist eine Kontrolle gar nicht zu leisten.“

Vor allem, dass frisch Geimpfte – also bei denen die letzte Impfung nicht länger als drei Monate zurückliegt – vermutlich von einer Testpflicht ausgenommen werden, „ist aus medizinischer Sicht ein großes Problem“, so Specht. Denn mittlerweile, nach über zweieinhalb Jahren Pandemie, wissen wir: Auch Geimpfte sind ansteckend: „Man weiß, dass kurz nach der Impfung die Antikörperzahl hochgeht und die Gefahr, sich selbst zu infizieren, etwas reduziert ist. Aber eben auch nur für eine kurze Zeit. Übertragen kann man das Virus noch immer.“ Ein frisch Geimpfter, der dann zwar ohne Maske herumlaufen darf, könne trotz allem infiziert UND auch infektiös sein.

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Trotz (frischer) Impfung: Vor Ansteckung nicht geschützt

Sich also alle drei Monate impfen zu lassen, sei völliger Blödsinn, sagt Dr. Specht. Er erklärt: „Wir wissen, dass der Booster nach drei Monaten nachlässt, aber vor Ansteckungen bin ich trotzdem nicht geschützt. Die Rate der Infektion nach einer weiteren Impfung ist zwar reduziert – aber nie vollständig auf null. Sich zu infizieren, ist nicht unmöglich.“ Deswegen, so sagt er, würde er sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht noch einmal impfen lassen.

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Trotzdem gilt, so der Präventionsarzt: „Eine Booster-Impfung, also ein drittes Mal geimpft worden zu sein, ist gut. Auch ein viertes Mal ist für Risikogruppen super. In bestimmten Einrichtungen, wie zum Beispiel im Krankenhaus, Maske zu tragen, ist ebenfalls sinnvoll. In anderen Bereichen, wie beispielsweise in einem Restaurant, wiederum ist es sinnlos. Das wird man nicht kontrollieren können, denn gerade dort haben die Leute nicht permanent die Maske auf.“

Für Dr. Specht wäre eine andere Strategie sinnvoller: „Es geht nicht darum, dass wir von Oktober bis April – also über einen bestimmten Zeitraum – stur eine Maske tragen in bestimmten Einrichtungen und andere, wie zum Beispiel frisch Geimpfte oder Getestete davon auszunehmen.“ Man solle die Situation nach Lage beurteilen – und die Maßnahmen dann auf JEDEN beziehen, ohne Ausnahme.

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