Es geht um dreistellige Milliardenbeträge!

Rente soll in Aktien investiert werden - Verzockt der Staat bald UNSERE Renten?

 Seniorenpaar auf Geldmünzen, Symbolfoto Rente *** Senior couple on money coins Symbolfoto pension
Im Alter wollen die Menschen etwas von ihrer Rente haben, aber bleibt überhaupt etwas davon übrig?
www.imago-images.de, imago images/Christian Ohde, Christian Ohde, via www.imago-images.de

Immer mehr Menschen gehen jetzt in Rente oder sind es schon. Ihnen gegenüber stehen aber auch immer weniger Menschen, die aktuell noch im Berufsleben sind und Rentenbeiträge zahlen. Das setzt die Rentenkassen unter Druck. Womöglich bleibt am Ende das Arbeitsleben gar nicht mehr viel Geld übrig für die Millionen Arbeitnehmer, die aktuell im Berufsleben stehen. Was also tun? Das Rentenalter weiter hochsetzen, Arbeiten bis an die 70 – oder doch die Rentenbeiträge für Arbeitnehmer erhöhen?

Die Bundesregierung hat jetzt eine neue Rentenreform vorgestellt. Und weder das Renteneintrittsalter noch die Höhe der Rentenbeiträge spielen dabei eine Rolle. Mit der neuen Reform betritt die Bundesregierung allerdings absolutes Neuland. Denn künftig soll ein Teil der Rentenbeträge durch Aktienfonds finanziert werden. Aktien, klingt für viele nach Risiko. Ist das also wirklich sicher oder verzockt der Staat unsere hart erarbeitete Rente und wir stehen am Ende mit gar nichts da?

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"Generationenkapital" soll Rentenniveau dauerhaft sichern

Klar ist, in Sachen Rentenfinanzierung muss sich in Deutschland etwas tun. Die Bundesregierung setzt deshalb für eine langfristige Absicherung der Rente künftig auch auf den Kapitalmarkt. Aus öffentlichen Mitteln soll Stück für Stück ein Kapitalstock aufgebaut werden, aus dessen Erträgen in etwa 15 Jahren die Rentenbeiträge und das Rentenniveau stabilisiert werden sollen.

„Um langfristig Vorsorge zu treffen, schaffen wir ein Generationenkapital in Form einer Aktienrücklage für die gesetzliche Rentenversicherung“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor der mit Spannung erwarteten Vorlage seines zweiten Rentenpakets. Er werde sein Rentenpaket in den nächsten Wochen auf den Weg bringen und damit das Rentenniveau dauerhaft sichern – so jedenfalls der Plan des Arbeitsministers.

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So soll das neue Rentensystem funktionieren

Bisher wird die Rente nur durch Beiträge und Steuern finanziert. Allein im vergangenen Jahr musste der Bund Zuschüsse von 100 Milliarden Euro zahlen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) warnte am Freitag, dass das bisherige Konzept auf Dauer nicht tragbar sei, weder für den Staat noch für Beitragszahler.

Im Koalitionsvertrag kündigten SPD, Grüne und FDP dann einen Kapitalstock von zunächst 10 Milliarden Euro an. Das Geld soll aus Darlehen kommen und in den kommenden Jahren über Zinsen und weitere Einzahlungen auf einen dreistelligen Milliardenbetrag anwachsen.

Heil erläuterte, künftig werde sich die gesetzliche Rente „aus drei Quellen“ finanzieren:

  • Rentenbeiträge der Erwerbstätigen
  • Steuerzuschüsse des Bundes
  • Erträge aus dem „Generationenkapital“ aus den Aktien

Allerdings soll das Generationenkapital erst Ende der 2030er Jahre genug abwerfen, um die Renten wirklich stabilisieren zu können.

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Ist das Geld denn wirklich sicher? Wer trägt das Risiko?

Heil betonte: „Wichtig ist, dass das Geld gut, sicher und langfristig angelegt wird.“ Das soll über eine politisch unabhängige Stiftung geschehen, den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung. Worin genau investiert wird, soll transparent veröffentlicht werden.

Das Risiko trage dabei der Bund, sagte Lindner. Sollten die Aktienkurse sinken und die Anlagen mal weniger Rendite abwerfen, werde das aus dem Bundeshaushalt kompensiert. Es gehe dabei nicht um eine maximale Rendite, was viel Risiko bedeute, sondern um stabile, breit gestreute und zugleich profitable Anlagen. Dabei würden auch soziale und nachhaltige Kriterien angelegt. Lindner betonte zudem, der neu zu schaffende Fonds solle die bestehende gesetzliche Rente nur ergänzen, nicht aber ersetzen. Sorgen machen, dass wir am Ende mit weniger da stehen als vorher, müssen wir uns also nicht.

Experten kritisieren "risikoreiche Experimente" der Bundesregierung

VdK-Präsidentin Verena Bentele
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes, kritisiert die Pläne der Bundesregierung.
deutsche presse agentur

Kritik kam von Sozialverbänden, den Linken und Gewerkschaften. „Anstatt nachhaltige Konzepte für eine zukunftsträchtige Finanzierung der Alterssicherung zu entwickeln, ist das Ministerium zu risikoreichen Experimenten bereit“, sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Die Vorsitzende des Sozialverband Deutschland, Michaela Engelmeier, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Der SoVD ist davon überzeugt, dass auf dem Aktienmarkt keine guten Rentenpolitik zu machen ist.“

Der Linke-Rentenexperte Matthias W. Birkwald sagte, Heil sollte sich nicht der Illusion der FDP hingeben, die Rentenfinanzen könnten „über kreditfinanzierte, staatliche Zockerei mit vielen Milliarden Euro“ in Ordnung gebracht werden. „Die Zeit niedriger Zinsen ist erstmal vorbei.“ Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall begrüßte die „geplante Haltelinie beim Rentenniveau“, forderte aber zugleich: „Eine ‘Aktienrente’ darf nicht zum Risiko für die erarbeiteten Ansprüche der Versicherten werden.“ (khe/mit dpa)

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