Timo M. steht wegen zwei Morden vor Gericht

Sandra L. ließ sich von Fetischist die Füße massieren - von Leiche auf dem Dachboden ahnt sie nichts

05. August 2021 - 9:16 Uhr

Timo M. aus Rendsburg nahm über Facebook Kontakt zu Sandra L. auf

Sandra L. hatte kein komisches Gefühl, als sie zu Timo M. in die Wohnung kam. Der Mann aus Rendsburg hatte sie über Facebook angeschrieben. Er erklärte ihr, dass er Fuß-Fetischist sei und jemanden suche, dem er die Füße massieren könne. Er bot Sandra L. 800 Euro – viel Geld für die Mutter. Nachdem sie ein paar Monate lang mit dem Mann hin und her geschrieben hatte, machte Sandra L. sich schließlich auf den Weg zu ihm. Von der Leiche, die später auf Timo M.s Dachboden gefunden wurde, ahnte sie nichts. Wie das Treffen ablief, erzählt sie im Video.

Unmittelbar vor dem Treffen soll Timo M. eine Frau getötet haben

"Ich habe mich nicht unwohl gefühlt bei ihm", sagt Sandra L. über den Mann, der zwei Frauen auf dem Gewissen haben soll. Ihr ist aber auch klar, dass sie riesiges Glück hatte, lebend aus der Wohnung ihrer Internet-Bekanntschaft herausgekommen zu sein. Im RTL-Interview erzählt sie, dass der mutmaßliche Mörder sich sogar vor der Wohnung seines zweiten Opfers mit ihr getroffen haben soll.

Offenbar brachte Timo M. im August 2020 erst die 40 Jahre alte Prostituierte Leyhan V. um, dann nahm er Sandra L. mit zu sich in die Wohnung. Sie ist keine Prostituierte, ließ sich aber auf das Angebot von Timo M. ein, sich für 800 Euro die Füße massieren zu lassen. Er habe es sehr eilig gehabt, als er zu der Verabredung erschienen sei. "Er war total durchgeschwitzt, abgekämpft, hektisch", erinnert sich Sandra L. Dass er unmittelbar vorher eine Frau umgebracht haben könnte, kam ihr damals nicht in den Sinn.

Angeklagter Timo M.
Timo M. soll zwei Frauen in Rendsburg umgebracht haben.
© Polizeidirektion Kiel

Auf dem Dachboden in Rendsburg fand die Polizei eine weitere Leiche

Als die Leiche der Prostituierten wenig später gefunden wurde, kamen die Ermittlungen gegen ihren letzten Freier ins Rollen. Auf dem Dachboden des 41-Jährigen machten die Ermittler dann einen weiteren grausigen Fund: Dort lag die Leiche der 26 Jahre alten Sebat A. Die Frau aus Geesthacht wurde seit August 2018 vermisst. Sie war offenbar das erste Opfer des mutmaßlichen Doppelmörders.

Wenn Sandra L. heute daran denkt, läuft es ihr kalt den Rücken herunter. Der Mann, auf dessen Sofa sie saß und den sie ihre Füße massieren ließ, steht ab dem 4. August 2021 in Kiel vor Gericht. Ein Urteil soll am 10. September fallen. Bei einer Verurteilung droht Timo M. nicht nur lebenslange Haft, sondern auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld mit anschließender Sicherungsverwahrung. Sandra L. ist beim Prozess als Zeugin geladen. (dpa/jgr)