Junge aus Sinsheim vermutlich aus Eifersucht getötet

Prozessauftakt in Heidelberg: 14-Jähriger wegen Mordes an Sinan († 13) vor Gericht

Verhandlungssaal  im Landgericht Heidelberg (Symbolfoto)
Verhandlungssaal im Landgericht Heidelberg (Symbolfoto)
© picture alliance / dpa, Uwe Anspach, ua kno kat

20. Oktober 2021 - 13:42 Uhr

Anklage: "Täter folgte einem frühzeitig ausgearbeiteten Tatplan"

Der grausame Tod des 13-jährigen Sinan aus Sinsheim rief im Februar große Anteilnahme und Entsetzen hervor. Jetzt steht sein mutmaßlicher Mörder, ein 14 Jahre alter Junge, in Heidelberg vor Gericht. Bei einer Verteilung drohen dem Täter bis zu zehn Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er sein "Opfer bewusst in Sicherheit gewogen hat, so dass dieses bei dem Angriff völlig wehrlos war. Deswegen steht der Vorwurf des sogenannten "Heimtücke-Mordes" im Raum", sagte ein Sprecher.

Angriff traf wehrlosen Sinan unvermittelt

Der 13-jährige Sinan Toptik starb an schweren Stichverletzungen.
Der 13-jährige Sinan Toptik starb am Mittwoch an seinen Verletzungen. Dieses Bild zeigen wir in Absprache mit der Familie des Jungen.
© Privat

Zum Schutz des jugendlichen Angeklagten ist die Öffentlichkeit das gesamte Verfahren über im Landgericht Heidelberg ausgeschlossen.

Der 14-Jährige soll Sinan am 24. Februar in einem Waldstück in Sinsheim (Baden-Württemberg) aufgelauert haben, als er dort mit einem Mädchen spazieren ging. Laut Anklage sprach er Sinan an, stürzte sich von hinten auf ihn, brachte ihn zu Boden und stach ihm mit einem Messer dreimal in den Rücken.

Er habe Sinan auch an Brust und Hals verletzt, wobei die Hauptschlagader getroffen worden sein soll. Der 13-Jährige starb kurz darauf. Der Täter "folgte einem frühzeitig ausgearbeiteten Tatplan", so Thomas Bischoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg.

Polizei nahm ihn mit Messer in der Hand neben Sinans Leiche fest

25.02.2021, Baden-Württemberg, Sinsheim: Ein Waldstück, in dem sich der mutmaßliche Tatort befindet. Nachdem ein 13-jähriger Junge tot in der Nähe von Sinsheim-Eschelbach gefunden worden war, laufen bei der Polizei am Donnerstag weiter die Ermittlung
In diesem Waldstück befindet sich der Tatort.
© dpa, Sebastian Gollnow, scg fgj

Die Polizei hatte den 14-Jährigen mit einem Küchenmesser in der Hand neben der Leiche des Jungen und dem Mädchen im Sinsheimer Stadtteil Eschelbach festgenommen. Er beteuerte damals seine Unschuld und machte keine weiteren Angaben zum Geschehen.

Hinter der Tat steckten nach damaligen Erkenntnissen Eifersuchtsstreitigkeiten um das zwölfjährige Mädchen.

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Urteil könnte Anfang Dezember fallen

Thomas Bischoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg
Thomas Bischoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg

"Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 14-Jährige bereits strafrechtlich verantwortlich war. Das bedeutet, dass er nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht seiner Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln." (Thomas Bischoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg)

Der Fall hatte weit über Sinsheim hinaus Aufsehen hervorgerufen und eine Debatte über den Umgang mit Tätern im Alter um die Strafmündigkeit ab 14 Jahren entfacht - zumal der Tatverdächtige bei der Polizei bekannt war: Im November 2020 hatte er an einer Realschule im Landkreis Karlsruhe einen Mitschüler mit einem Messer schwer verletzt.

Video: Trauerzug für den ermordeten Sinan - Onkel ringt um Fassung

In dem Verfahren vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Heidelberg sind zehn Fortsetzungstermine angesetzt, 34 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Ein Urteil könnte Anfang Dezember fallen. (uvo / dpa)