Nach Rassismus-Vorwurf gegen Berliner Polizisten

Polizei-Aussteiger packt aus: "Polizisten können sich in Deutschland viel erlauben"

Rassismus-Video der Polizei Berlin sorgt für Aufsehen Polizei in der Kritik
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Polizei in der Kritik
Rassismus-Video der Polizei Berlin sorgt für Aufsehen

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Es sind erschreckende Aufnahmen eines Polizeieinsatzes in Berlin, die seit Anfang der Woche in den sozialen Medien kursieren. Ex-Polizist Sebastian Friedrich schockieren die Szenen allerdings kaum. Er sagt: Gewalt und Machtmissbrauch sind bei der Polizei keine Ausnahmen, Konsequenzen hätten die Beamten fast nie zu fürchten. Die Berliner Polizei hat wegen des Videos Ermittlungen gegen den Beamten eingeleitet. Kommt der Polizist in diesem Fall also nicht ohne Strafe davon?

Aussteiger über Polizeigewalt: "Bis hin zu Schlägen, Tritten und Kopfnüssen"

„Ich habe in mehreren Situationen erlebt, wie Polizisten ihre Macht missbraucht haben und Situationen provoziert haben, meistens gegen Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Friedrich im Gespräch mit RTL. „Das ging von Beleidigungen über Popel abschmieren bis hin zu Schlägen, Tritten und Kopfnüssen.“ Immer wieder hätte er solche Szenen im Dienst bei der Berliner Polizei sehen müssen, sagt er.

„Und im Nachhinein wurde behauptet, dass wir als Einsatzkräfte zuerst angegriffen wurden. Es wurden Anzeigen geschrieben, die eigentlich so nicht da waren.“ Für Friedrich war das nicht hinnehmbar. Er verließ die Polizei.

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Sebastian Friedrich arbeitete früher bei der Polizei Berlin.
Sebastian Friedrich arbeitete früher bei der Polizei Berlin.
RTL

Die Video-Aufnahmen, die seit Beginn der Woche in den sozialen Medien kursieren, untermauern Friedrichs Vorwürfe. Dass der Polizist darauf auch rassistisch auffällig wird, ist für ihn keine große Überraschung. „Betroffen sind halt einfach meistens Menschen mit Migrationshintergrund, da kann man seine Augen nicht vor verschließen“, sagt Friedrich. „Da gibt es auf jeden Fall ein Rechtsextremismusproblem.“

Natürlich sei längst nicht jeder Polizist ein Rassist oder Schläger, so der Ex-Beamte. Tatsächlich betonen Experten sogar, dass die Berliner Polizei in dieser Hinsicht eigentlich fortschrittlicher ist als viele andere Bundesländer. Aber genau deswegen müssten Ausfälle wie in den Video-Aufnahmen Konsequenzen haben, fordert Friedrich.

„Polizisten können sich sehr viel erlauben“, ist er überzeugt. Wegen Fehlverhaltens entlassen zu werden, sei als Polizist fast unmöglich. „Mit Absprachen vor Gericht kommt man leider fast immer durch.“

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Im Fall des aktuellen Videos scheint es nun allerdings anders zu kommen – auch weil die betroffene Familie das Verhalten des Polizisten filmte und somit selbst für Beweismaterial sorgte. „Das ist völlig klar, dass das ein absolut diskriminierendes, ausländerfeindliches Gedankengut zeigt, das nicht zur Berliner Polizei passt“, sagt auch Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin.

Gegen den Beamten aus dem Video wurde Strafanzeige erstattet. Nun laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung, er wurde in den Innendienst versetzt. Welche Konsequenzen sein Verhalten genau für ihn haben wird, bleibt vorerst abzuwarten. (jda)