Was steckt hinter der sogenannten Otosklerose?

Schwangere fast taub, weil Knochen im Ohr zusammenwuchsen

1. Juli 2019 - 15:12 Uhr

Nach zwei Schwangerschaften war Kate so gut wie taub

Der Moment, in dem Kate Llewellyn-Waters aus Bath in England zum ersten Mal feststellte, dass sie fast taub war, hätte dramatischer nicht sein können. Bei der Kaiserschnittgeburt ihres ersten Kindes geriet die frischgebackene Mutter in Panik – weil sie ihr Töchterchen nicht schreien hörte. Wie sich herausstellte, büßte Kate während der Schwangerschaft 60 Prozent ihrer Hörkraft ein. Bei einer weiteren Schwangerschaft verlor sie weitere zehn Prozent. Die Diagnose: Otosklerose. Wir verraten, was genau das ist und was es mit einer Schwangerschaft zu tun hat. Die ganze Geschichte von Kate sehen Sie im Video.

Was ist Otosklerose?

Schuld an Kates Fast-Taubheit ist die sogenannte Otosklerose. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die zur Verwachsung der Innenohrknochen führt. Beim Hören treffen Schallwellen zuerst aufs Trommelfell und werden dann im Mittelohr über die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel ins Innenohr geleitet. Dazu müssen diese Knöchelchen sich bewegen und schwingen können. Bei der Otosklerose ist meist der Steigbügel verwachsen und kann kein Hörsignal mehr an die Hörschnecke im Innenohr senden. Zudem geht die Otosklerose bei vielen Betroffenen mit Tinnitus einher. Sie nehmen meist tiefere Töne als permanentes Ohrgeräusch wahr.

Wie Otosklerose entsteht, ist nicht vollkommen geklärt. Da es zu Häufungen bei Verwandten kommt, sind genetische Ursachen möglich. Auch Masernviren oder hormonelle Veränderungen sind als Ursache für Otosklerose denkbar.

Die Krankheit tritt bei etwa jedem 250. auf. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer und Weiße häufiger als People of Color. Die Krankheit tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr in Erscheinung.

Abbildung des menschlichen Ohrs
Bei der Otosklerose verwächst meist der Steigbügel, der mit der Membran des Innenohrs verbunden ist.
© iStockphoto, Eigene Bearbeitung

Was hat Otosklerose mit Schwangerschaften zu tun?

Kate Llewellyn-Waters ist nicht die einzige Otosklerose-Patientin, deren Symptome in der Schwangerschaft erstmals deutlich in Erscheinung traten. Bei vielen Frauen mit der Störung zeigen sich die ersten Anzeichen während der Schwangerschaft. Bei einigen auch erst später während der Wechseljahre. Auch die Einnahme der Pille kann die Symptome verschlimmern. Daher wird auch vermutet, dass weibliche Geschlechtshormone bei der Otosklerose eine Rolle spielen könnten. 

Wie wird Otosklerose behandelt?

Medikamentös behandeln lässt sich die Otosklerose nicht. Wenn nur leichte Schwerhörigkeit auftritt, kann ein Hörgerät helfen. Eine Lösung, um den Hörverlust durch Otosklerose zu heilen, ist eine Operation. Es gibt zwei operative Herangehensweisen, um die Hörfunktion wieder herzustellen: die Stapedektomie und die Stapedotomie.

Bei der Stapedektomie wird der komplette Steigbügel, der wie der Steigbügel am Sattel aus einem langen Schenkel und einer kürzeren Platte besteht, entfernt und durch eine Prothese ersetzt. Heute ist jedoch die Stapedotomie üblicher, bei der nicht der gesamte Steigbügel, sondern nur der Schenkel entnommen wird. Die Steigbügelplatte bleibt bei dieser OP bestehen. Auch hier kommt eine Prothese zum Einsatz, um den entnommenen Teil zu ersetzen.

Beide Operationen erfolgen unter lokaler Betäubung und dauern meist nicht länger als eine halbe Stunde. Anschließend muss mindestens zwei Wochen ein spezieller Ohrverband getragen werden.