Die Zahl der Krankenhausaufenthalte in Südafrika steigt weiter an

Harvard-Epidemiologe: „Omikron mild? Das ist Unsinn!“

29. November 2021 - 16:29 Uhr

Berichte über einen „milden Verlauf“ eine Fehlinformation?

Während viele Experten mittlerweile betonen, dass die neue Omikron-Variante aus Südafrika nun erst einmal genau erforscht werden müsse, sieht der weltweit renommierte Harvard-Epidemiologie Eric Feigl-Ding die Lage weniger entspannt. Auf Twitter teilt er aktuell einen Artikel, in dem der US-amerikanische Sender PBS von einem veränderten Patienten-Profil in Südafrika berichtet. Gleichzeitig betonte er, bei den Berichten über einen "milden Verlauf" handele es sich um Fehlinformationen. Die hohe Infektiosität könne das eigentliche Problem darstellen.

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Präsidentin der Ärztekammer berichtete über milde Symptome

Insgesamt etwa zwei Dutzend ihrer Patienten seien in ihrer Praxis positiv auf Covid-19 mit Symptomen der neuen Variante getestet worden, berichtete vor zwei Tagen Dr. Angelique Coetzee, Präsidentin der Südafrikanischen Ärztekammer. "Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte", betonte sie dazu gegenüber dem Londoner Telegraph. Es handelte sich meist um gesunde Männer, die sich "sehr müde" fühlten. Etwa die Hälfte von ihnen war nicht geimpft.

Junge Menschen mit schweren Erkrankungen

Harvard-Epidemiologie Eric Feigl-Ding widerspricht diesen Schilderungen und zitiert auf Twitter dramatische Berichte aus den Krankenhäusern des Landes: "Wir beobachten eine deutliche Veränderung des demografischen Profils der Covid-19-Patienten", sagte Rudo Mathivha, Leiter der Intensivstation des Baragwanath-Krankenhauses in Soweto, bei einer Online-Pressekonferenz, heißt es dort.

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"Junge Menschen zwischen 20 und Ende 30 kommen mit einer mittelschweren bis schweren Erkrankung zu uns, von denen einige intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Etwa 65 % sind nicht geimpft und die meisten anderen sind nur halb geimpft", sagte Mathivha dort. "Ich mache mir Sorgen, dass die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen mit den steigenden Zahlen überfordert sein werden".

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Stärke der Infektiosität kann das Hauptproblem sein

Feigl-Ding merkt bei Twitter weiter an, ihm sei bewusst, dass es widersprüchliche Aussagen über den Verlauf der Omikron-Infektionen und Covid-Erkrankungen gebe. Er schreibt: "Viele Fehlinformationen werden jetzt verbreitet, dass Omikron 'mild' ist. Das ist Unsinn – basierend auf einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat. Fallen Sie nicht darauf herein – noch weiß niemand so viel." Die Zahl der Krankenhausaufenthalte in den am stärksten betroffenen B.1.1.529-Provinzen in Südafrika steige weiter an.

Für den Epidemiologen liegt die Crux in der Ansteckungsfähigkeit der neuen Variante. Er warnt deshalb: "Wir wissen auch, dass eine stärker infektiöse Krankheit, die weniger Infizierte ernsthaft schädigt, aber mehr Menschen infiziert, letztlich mehr Menschen zu Schaden kommen lässt (eine größere absolute Zahl von Schwerstkranken) als eine hochgradige Krankheit, die weniger ansteckend ist." (ija)