Epidemiologe Ulrichs: „Werden neue Variante nicht mehr aufhalten“

Wie gut hält die Impfung gegen die neue Omikron-Variante?

Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
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28. November 2021 - 22:42 Uhr

Gesundheitsbehörden angespannt

Viren bilden Varianten - das haben sie so an sich. Doch wir alle wissen mittlerweile: Es können Varianten entstehen, die weitaus gefährlicher als die bisher bekannten sind. Wissenschaftler und Gesundheitsbehörden reagieren deswegen in der Regel angespannt bei ungewöhnlichen Ereignissen im weltweiten Corona-Infektionsgeschehen. So jetzt auch bei der in Südafrika aufgetretenen Omikron-Variante. Was müssen wir jetzt wissen, um sie besser einschätzen zu können? Und wie gut ist der bestehende Impfschutz?

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Geschehen muss gut beobachtet werden

Wildtyp, Alpha, Beta und Delta – das sind die Coronavirus-Varianten, die die meisten von uns kennen. Eine Variante kommt und geht dann wieder – je nachdem, ob eine überlebensfähigere auftritt. "Wir hatten auch schon andere Varianten, die genau beobachtet wurden", sagt Epidemiologe Professor Timo Ulrichs uns. "Vor einigen Monaten zum Beispiel in Peru, die hat dort auch lokal für eine starke Verbreiterung gesorgt."

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Aber dann habe sie sich eben doch nicht weltweit ausgebreitet. Für den Wissenschaftler ist deswegen klar: Es ist noch ziemlich viel möglich – und das Geschehen muss gut beobachtet werden. Nur eines sei sicher: "Aufhalten oder von Europa fernhalten werden wir diese Variante wohl nicht mehr."

Ausbreitung, Erkrankung und Impfschutz

Es gibt verschiedene Aspekte, die Experten sich angucken müssen, um die neue Variante einschätzen zu können. "Dass Omikron sich leichter ausbreitet, das zeigt sich jetzt schon in Südafrika", sagt er. Allerdings müsse das vor dem Hintergrund insgesamt geringer Infektionen gesehen werden – denn dort ist gerade Frühling und Sommer. "Und da ist das Infektionsgeschehen eher gering."

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Die nächste Frage sei: Wie viele Infektionen werden in eine Covid-19-Erkrankung münden und wie verläuft die Erkrankung? "Auch hier haben wir erste Hinweise aus Südafrika, dass diese Erkrankung möglicherweise nicht so schlimm verläuft", so der Experte. Allerdings seien eher junge Menschen betroffen. "Wir wissen also nicht, wie sich das bei älteren Menschen auswirken wird."

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Omikron-Spike-Oberfläche sieht "ziemlich anders aus"

Eine weitere Frage ist die nach der Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe. Viele Antikörper, die durch die Impfung erzeugt werden, richten sich gegen das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus. Bei der neuen Omikron-Variante sind etwa 30 Mutationen aufgetreten. "Und dann sieht diese Spike-Oberfläche eben ziemlich anders aus als noch bei der Delta-Variante oder dem Wildtypus", erklärt Ulrich. "Dann kann es sein, dass einige Antikörper dort nicht mehr binden."

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Impfstoffe lassen Antikörper mehr als Spike-Proteine erkennen

Die gute Nachricht: Die Impfstoffe haben das Immunsystem aber generell aktiviert, sodass nicht nur Antikörper gegen das Protein gebildet werden – sondern auch gegen viele andere Strukturen auf der Virus-Oberfläche. "Wir können deswegen davon ausgehen, dass auf jeden Fall noch eine Immunabwehr da ist, die sicherlich auch noch ausreichen wird, mindestens schwere Krankheitsverläufe zu verhindern." Trotzdem sei das Gebot der Stunde: Impfen, Impfen und nochmal Impfen. Und wenn nötig mit schnellen Maßnahmen reagieren. (ija)

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