Erster Totimpfstoff schon bald auf dem Markt?

Novavax kurz vor Zulassung: Was Sie zum Totimpfstoff wissen müssen

Das Novavax-Produkt wirkt anders als die bisher zugelassenen Impfstoffe.
Das Novavax-Produkt wirkt anders als die bisher zugelassenen Impfstoffe.
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10. Dezember 2021 - 10:05 Uhr

Entscheidung über Zulassung soll kurz bevorstehen

Der US-Hersteller Novavax hatte für seinen Corona-Impfstoff schon vor einigen Wochen eine Marktzulassung in der EU beantragt. Verläuft diese erfolgreich, würde es sich um den ersten zugelassenen Totimpfstoff im Kampf gegen das Coronavirus handeln. Das teilte die zuständige europäische Arzneimittelbehörde EMA kürzlich in Amsterdam mit. Ein Expertenteam sollte die Daten des Herstellers prüfen und Risiken gegen Nutzen abwägen. Eine Entscheidung soll jetzt schon kurz bevorstehen.

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Positive Ergebnisse aus Phase-3-Studie

Der neueste Erfolg, den das US-amerikanische Unternehmen jetzt verbuchen kann, sind positive Ergebnisse aus einer Phase-3-Studie. In dieser Studie wurde Probanden der neue Impfstoff gemeinsam mit einer Grippeschutzimpfung verabreicht. Der eigentliche Erfolg dabei: Beide Impfstoffe blieben im Körper wirksam und es kam nur selten zu lokalen oder systemischen Reaktionen. Veröffentlicht wurden die neuesten Erkenntnisse im Fachmagazin "The Lancet". Hier wird berichtet, dass es im Rahmen der Impfung bei den rund 15.000 Studienteilnehmern keine anaphylaktischen Schocks als Folge einer schweren allergischen Reaktion gegeben habe. Auch zu Todesfällen sei es nicht gekommen.

Vorläufige Prüfung von möglichen Risiken bereits abgeschlossen

Die Experten hatten bereits zuvor in einem Prüfverfahren Studien zur Wirkung bewertet. Auch sei eine vorläufige Prüfung von möglichen Risiken bereits abgeschlossen worden. Sollte die EMA eine bedingte Marktzulassung empfehlen, muss die EU-Kommission noch endgültig zustimmen. Das aber gilt als Formsache. Der Impfstoff NVX-CoV2373, der zweimal gespritzt werden muss, hat laut Studien eine Wirksamkeit von 90,4 Prozent, wie Novavax im Juni mitteilte. Das heißt, dass bei geimpften Probanden rund 90 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als bei nicht geimpften Studienteilnehmern.

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Novavax-Impfstoff enthält im Labor hergestellte Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2

Das Novavax-Produkt namens Nuvaxovid (NVX-CoV2373) ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff noch ein Vektor-Impfstoff. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen und zählt zu den sogenannten Totimpfstoffen.

Was ist ein Totimpfstoff?

"Bei einem Totimpfstoff nimmt man einen kompletten Krankheitserreger und tötet ihn ab, also er wird vorher erstmal im Labor angereichert und dann wird der abgetötete Erreger als Ganzes, als Impfstoff verabreicht", erklärt Prof. Dr. Timo Ulrichs im RTL-Interview. Das Positive: Die Strukturen des Erregers sind noch vorhanden, "aber es ist im Prinzip nur noch eine Hülle, der Erreger kann also keinen Schaden mehr anrichten." Außerdem können sich die Krankheitserreger – oder Bestandteile dieser Erreger – nicht mehr vermehren.

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Joshua Kimmich und Sahra Wagenknecht warten auf Totimpfstoff

Impfung ja oder nein? Bei dieser Frage gehen Meinungen stark auseinander – etwa so stark wie das Unverständnis vieler Menschen gegenüber Ungeimpften. So erregte Profi-Fußballer Joshua Kimmich kürzlich Aufsehen damit, dass er sich bisher gegen eine Impfung entschieden hat. Er soll auf den Totimpfstoff warten, genau wie Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Sie geriet in einer Talkshow mit Gesundheitsexperte Karl Lauterbach aneinander, als sie ihre Zweifel gegenüber der bisher zugelassenen Impfungen äußerte. (dpa/jos/vho)

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