So wichtig ist deine EntscheidungTausende Deutsche warten vergeblich auf lebensrettende Organe

280 Menschen aus Thüringen stehen auf der Warteliste für Spenderorgane. (Symbolbild)
Mehr als 8000 Menschen warten in Deutschland auf ein passendes Spenderorgan.
dpa

Niere, Leber oder Herz: Tausende Menschen in Deutschland brauchen ein lebensrettendes Spenderorgan. Viele warten jahrelang, oftmals vergeblich. Am 6. Juni wird wieder der jährliche Tag der Organspende begangen, um für die Bedeutung des Themas zu werben und aufzuklären. Die wichtigsten Antworten zu Organspende und Transplantation:

Welche Organe können gespendet werden?

Das sind Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem lassen sich Gewebe wie Hornhaut oder Knochen verpflanzen. Spendenwillige können aber auch Vorkehrungen treffen, um einzelne Organe auszuschließen. Einer Begründung bedarf dies nicht.

Wie viele Menschen warten auf ein Spenderorgan?

Bundesweit stehen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) und des Bundesgesundheitsministeriums mehr als 8000 Frauen und Männer auf der Warteliste für ein Organ. Ende vergangenen Jahres waren es exakt 8199. Bei jährlich Hunderten Patienten verschlechtert sich der Gesundheitszustand so dramatisch, dass eine Transplantation nicht mehr möglich ist oder sie während der Wartezeit sterben, weil nicht rechtzeitig ein für sie passendes Organ gefunden wurde.

Wie viele Organspender und Transplantationen gibt es?

Nach dem Tiefpunkt im Jahr 2017, als die Organspendezahlen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren sanken, hat sich die Situation stabilisiert. Im vergangenen Jahr stieg die Spendenzahl in Deutschland laut DSO auf den höchsten Stand seit 2012, 985 Menschen spendeten ein oder mehrere Organe. 3020 Spenderorgane wurden dadurch transplantiert - darunter 495 Nieren, 823 Lebern, 315 Herzen sowie drei Därme.

Insgesamt transplantiert wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 3256 Organe, also etwas mehr. Das liegt daran, dass Spenderorgane in Europa über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant vermittelt und verteilt werden. Je nach aktueller medizinischer Situation werden also in Deutschland gespendete Organe im Ausland transplantiert oder dort gespendete Organe hierzulande eingesetzt.

Wie ist der aktuelle Trend - und wo liegen die Probleme?

In den ersten vier Monaten dieses Jahres setzte sich der positive Trend bei den Organspenden in Deutschland der DSO zufolge zunächst weiter fort. Es gab zwischen Januar und Ende April 368 postmortale Organspender, während es im Vorjahreszeitraum 341 waren. Trotzdem ändere dies an den grundsätzlichen Defiziten nichts, betonte die Stiftung. „Dennoch herrscht weiterhin ein Mangel an Spenderorganen.“

Generell ist die Bereitschaft zur Organspende hierzulande zwar hoch, in einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus 2024 gaben 85 Prozent der Teilnehmer an, dem Thema grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. 62 Prozent gaben an, sich für eine Spende entschieden zu haben. Nur 45 Prozent hatten diese jedoch dokumentiert.

Dies ist ein Problem: Laut Experten scheitern Organspenden nach wie vor oft an einer fehlenden persönlichen Zustimmung. Wenn Angehörige dann nach einem Todesfall entscheiden müssen, ohne den Willen des Verstorbenen zu kennen, sinkt die Zustimmungsrate dadurch drastisch.

Wo kann die Spendenbereitschaft dokumentiert werden?

Abläufe bei Organspenden sind gesetzlich genau geregelt, um mögliche Missbräuche etwa aus finanziellen Motiven auszuschließen und die Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus zu schützen. Wer seine Organe spenden möchte, muss dies schon zu Lebzeiten dokumentieren - etwa durch einen Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung.

Seit März 2024 können potenzielle Spender ihre Bereitschaft außerdem in einem zentralen digitalen Register für Organspenden hinterlegen, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geführt wird. Einträge lassen sich jederzeit ändern oder löschen, zu finden ist das Organspende-Register hier. Die Abgabe einer Erklärung zu Organspenden ist außerdem über Krankenkassen-Apps möglich.

Gibt es einen Entscheidungszwang?

Nein, Entscheidungen für oder gegen Organspenden sind in Deutschland nach wie vor vollkommen freiwillig. Voraussetzung für eine Organ- oder Gewebespende ist neben der Feststellung des Hirntods, dass ein Verstorbener zu Lebzeiten der Organspende zustimmte.

Eine formelle Altersgrenze für Spenden gibt es nicht. Nur wenige Vorerkrankungen schließen eine Organspende grundsätzlich aus. Das sind unter anderem akute Krebserkrankungen oder HIV-Infektionen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte je nach Befund.

Vorstöße für eine Widerspruchslösung scheiterten bislang, obwohl sie zur Steigerung der Spenderzahlen seit Langem immer wieder diskutiert werden. Bei der Widerspruchslösung würden alle einwilligungsfähigen Erwachsenen als potenzielle Spender gelten - es sei denn, sie widersprechen zu Lebzeiten.

Solche Regelungen gibt es bereits in einer Reihe anderer europäischer Länder, etwa Österreich und Spanien.

Verwendete Quellen: Andrea Hentschel, AFP