Neue Studie zeigt:

Migranten von Corona-Pandemie am stärksten betroffen

Eine neue Studie der OECD zeigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Migranten.
Eine neue Studie der OECD zeigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Migranten.
© deutsche presse agentur

28. Oktober 2021 - 18:29 Uhr

OECD untersucht Entwicklung der Migration nach Europa

Corona hat die Zuwanderung von Nicht-EU-Ausländern nach Deutschland fast zum Erliegen gebracht – und die, die es schon nach Deutschland geschafft hatten, waren wirtschaftlich die ersten Opfer der Corona-Wirtschaftskrise. Das geht aus einer neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. Migranten ziehen in Stadtteile mit einem hohen Migrantenanteil, was ihnen kurzzeitig hilft – aber langfristig die Integration in Deutschland erschwert. Vor allem Kinder von Migranten haben dadurch langfristig schlechtere Chancen.

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Zuwanderung sinkt 2020 um fast 30 Prozent

Die OECD ist ein Zusammenschluss von 38 entwickelten Industrieländern – dazu gehören die meisten europäischen Länder, aber beispielsweise auch die USA, Japan oder Australien. Der jährlich erscheinende "Migrationsausblick" zeigt in diesem Jahr vor allem die Auswirkungen des ersten Jahrs der Coronapandemie 2020.

Grenzschließungen und eingeschränkte Reisemöglichkeiten: Durch Corona ist die allgemeine Zuwanderung in die OECD-Länder um fast 30 Prozent zurückgegangen, der niedrigste Stand seit 2003. Auch in Deutschland ist die Zahl der Asyl-Erstantragssteller um 28 Prozent gesunken – auf 103.000. Die meisten Antragsteller kamen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Der größte Anstieg gegenüber 2019 betraf Staatsangehörige aus Afghanistan und der größte Rückgang Staatsangehörige aus Nigeria.

Arbeitslosigkeit höher als bei Einheimischen

Aber auch die bereits hier lebenden Zuwanderer waren stärker als Einheimische von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Die durch Corona ausgelöste Wirtschaftskrise hat zehn Jahre kontinuierlicher Fortschritte bei den Arbeitsmarktergebnissen von Zuwanderern beendet.

Im OECD-Durchschnitt waren 2020 mehr als zwei Drittel der Zuwanderer erwerbstätig, ein Minus von etwa zwei Prozent im Vergleich zu 2019. Das bedeutet: Einer von 10 Migranten war arbeitslos, aber nur einer von 15 Einheimischen.

Generell waren Menschen mit niedrigem und mittlerem Bildungsniveau am stärksten betroffen – unabhängig ob Migrant oder Nichtmigrant. In den meisten OECD-Ländern hat sich jedoch die Situation der Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt für alle Bildungsniveaus stärker verschlechtert als die ihrer einheimischen Altersgenossen.

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Schlechtere Chancen für Kinder von Migranten

Die OECD-Studie hat sich außerdem mit den Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte beschäftigt.

Sie zeigt, dass in Deutschland viele Kinder von Migranten zunehmend die gleichen Schulen besuchen. Schüler an Einrichtungen mit vielen Klassenkameraden mit Migrationshintergrund seien demnach im Vergleich zu Schülern anderer Einrichtungen teils deutlich im Rückstand - und zwar auch, wenn Faktoren wie Geschlecht, Bildung der Mutter oder die zu Hause gesprochene Sprache herausgerechnet würden.

Neuzuwanderer ziehe es laut OECD in Deutschland wie in anderen Staaten vor allem in die Städte und dann in bestimmte Stadtteile, wo es schon vermehrt Landsleute ihres Herkunftslandes gebe. Dort könnten sie sich auch ohne deutsche Sprachkenntnisse leichter zurechtfinden und bekämen vielleicht Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder Arbeit. "Zuwanderung in diese Stadtteile mit hoher Konzentration bringt den Neuzuwandern kurzfristig Vorteile, aber langfristig eben Nacheile", warnte Thomas Liebig, Ökonom der OECD. Das habe Auswirkungen auf Sprachkenntnisse oder Aufstiegsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt - neben dem Effekt für Schülerinnen und Schüler. (dpa/khe)

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