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Michael Roth zur Ukraine: „Wir müssen bei den Beitrittsverhandlungen auf die Tube drücken“

SPD-Außenexperte Michael Roth spricht sich für ein Zeichen der Ermutigung an die Ukraine aus

„Wir müssen bei den Beitrittsverhandlungen auf die Tube drücken“

Michael Roth
Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
deutsche presse agentur

von Christian Wilp

Er begrüßt die Reise der Außenministerin nach Kiew, spricht sich für beschleunigte Beitrittsverhandlungen der Ukraine in die EU aus und sieht noch Klärungsbedarf bei der Bundesverteidigungsministerin: SPD-Außenexperte Michael Roth war zu Gast im RTL-Frühstart.

"Eine Perspektive kann hilfreich sein"

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Michael Roth, hat sich für beschleunigte Beitrittsverhandlungen der Ukraine in die Europäische Union ausgesprochen. „Es hilft der Ukraine nicht, wenn wir jetzt über Jahrzehnte reden, das ist ein Land im Krieg, das braucht Ermutigung“, so Roth, der von 2013 bis 2021 Staatsminister im Auswärtigen Amt war. „Und wir müssen auch bei den Beitrittsverhandlungen auf die Tube drücken.“

Für die Europäische Union stelle sich die Frage, wie sie zukünftig noch stärker zu Frieden und Stabilität beitragen könne. „Und da kann eine Perspektive hilfreich sein. Dass das ein langer und beschwerlicher Weg ist, das wissen die ukrainischen Freundinnen und Freunde sicherlich auch selbst.“

"Können uns jetzt wieder um die wichtigen Dinge kümmern"

Die Reise der Bundesaußenministerin Annalena Baerbock nach Kiew begrüßt Roth ausdrücklich. „Ein klares Signal, dass wir die Ukraine nicht allein lassen“, so Roth. Baerbock habe ich schwierigster Zeit die richtigen Worte gefunden. „Und das tut vor allem auch der Ukraine gut.“ Baerbocks Festlegung, die Abhängigkeit von russischen Energiequellen „für immer“ auf null zu reduzieren, wird vom Ausschuss-Vorsitzenden verteidigt. „Wir setzen jetzt auf andere Energiequellen. Und wir wollen ja umsteigen in wenigen Jahren“, so Roth. „Und deswegen kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass Spekulationen, dass wir alsbald wieder am russischen Gas hängen, hilfreich wären“, so der SPD-Politiker weiter. „Zumal wir jetzt ein klares Signal setzen müssen. Wir emanzipieren uns von der russischen Energieabhängigkeit.“

Roth sagt, er sei froh, dass die Irritationen in den deutsch-ukrainischen Beziehungen ausgeräumt werden konnten. „Jetzt können wir uns endlich wieder um die wirklich wichtigen Dinge kümmern.“ Er sei sich sicher, dass auch der Bundeskanzler „zu gegebener Zeit“ in die Ukraine reisen werde. Zwischen Berlin und Kiew hatte es zwischenzeitlich Verstimmungen gegeben, nachdem der Bundespräsident wegen seiner früheren Russland-Politik von der Regierung der Ukraine ausgeladen worden war. Nach Gesprächen auf höchster Ebene gelten die Beziehungen inzwischen als normalisiert.

Annalena Baerbock im Gespräch mit Selenskyj Deutsche Solidarität

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