Suche nach dem neuen Bundesverteidigungsminister oder einer Ministerin läuft

Das ist mehr als eine Personalie - es geht um Deutschlands Sicherheit! 

ARCHIV - 16.09.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), und Christine Lambrecht (SPD), Verteidigungsministerin, vor Beginn der Bundeswehr-Tagung 2022 in Berlin. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Christine Lambrecht hat einen schlechten Job gemacht, findet unser Autor. Aber auf sie wurden auch alle Probleme projiziert, die schon lange bei der Bundeswehr bestehen.
koa geo jai geo, dpa, Carsten Koall

von Christian Berger

Das Kapitel Christine Lambrecht ist abgeschlossen. Gut so! Die nun Ex-Ministerin hatte erkennbar wenig Lust an ihrem Amt gezeigt, haarsträubende Fehler begangen und in diesen kriegerischen Zeiten ein klägliches Bild an dem plötzlich so wichtigen Ministerium gezeigt.

Viele Menschen in Deutschland dürften erleichtert sein. Aber hier geht es um viel mehr als um eine Personalie.

Lambrecht machte einen schlechten Job - ist aber nicht für alles verantwortlich

ARCHIV - Peter Struck (SPD), ehemaliger Bundesverteidigungsminister, aufgenommen am 19.04.2011 in Berlin. Foto: Tim Brakemeier dpa  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Wenn man auf den Fluren nach dem letzten guten Bundesverteidigungsminister fragt, dann sagen über die Parteigrenzen hinweg viele Peter Struck. Er liebte sein Amt und das brachte ihm Achtung der Soldaten.
dpa, Tim Brakemeier

Christine Lambrecht hat einen schlechten Job gemacht. Aber auf sie wurden auch alle Probleme projiziert, die schon lange bei der Bundeswehr bestehen. Wenn man auf den Fluren nach einem guten Bundesverteidigungsminister fragt, dann sagen über die Parteigrenzen hinweg viele Peter Struck. Zur Erinnerung: Struck war drei Jahre von 2002 bis 2005 Verteidigungsminister, prägte den Spruch, dass Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt würde - und liebte sein Amt. Damit verdiente er sich schon einmal zumindest die Achtung der Soldaten.

Aber erinnern Sie sich noch an Franz-Josef Jung? Er war der erste Verteidigungsminister der 16-jährigen Ära Merkel, in der die Bundeswehr mit einer Konsequenz kaputt gespart und kaputt reformiert wurde, dass heute Verteidigungsexperten schon von einer dysfunktionalen Armee mit einem bürokratischen Wasserkopf sprechen.

1992 dienten rund 470.000 Soldaten in der Bundeswehr. Es gab 193 Generäle. 2020 brauchte eine Truppe von 180.000 Soldaten 174 Generäle und 28 Admirale! Warum? Besonders berüchtigt ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr – so heißt das wirklich! – in Koblenz. Das BAAINBW (!) hat rund 8.500 Mitarbeiter (!) und macht trotz der Masse an Personal offensichtlich nicht so einen guten Job, wenn nur ein kleiner Teil der Panzer, Hubschrauber, Schiffe, etc. einsatzfähig sind. In Friedenszeiten fiel das nicht so auf, weil die Oberen für die NATO-Übungen das notwendige Equipment und Personal so gerade noch zusammenkratzen können.

Mit dem Kriegsausbruch aber schauten die Verantwortlichen in die Arsenale und stellten fest: Allein die Munition reicht nur für zwei Tage Krieg. Wenn Politiker sagen, dass heute auch unsere Freiheit in der Ukraine verteidigt wird, dann haben sie auf eine Art und Weise Recht, die einem große Sorge bereiten muss.

Der oder die Neue muss die Zeitenwende in Taten umsetzen

Der oder die Neue an der Spitze des Verteidigungsministeriums muss also nicht nur in der Außenwirkung geschickter auftreten als Christine Lambrecht. Er muss die von Kanzler Scholz ausgerufene Zeitenwende mit Taten in der Truppe umsetzen.

Das ist eine Herkulesaufgabe. Sie erfordert eine Persönlichkeit, die mit Fachkenntnissen und Liebe zum Amt große Organisationen führen und reformieren können muss. Ganz unabhängig von Geschlecht, politischer Verortung, regionaler Herkunft.

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