Immer mehr Filialen müssen schließen

Corona beschleunigt Ladensterben: Diese Geschäfte verschwinden aus unseren Innenstädten

11. Januar 2021 - 15:59 Uhr

Immer mehr Unternehmen betroffen

Oftmals wird die Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger für längst existierende Probleme gesehen. Und genau so ist es auch beim Innenstadt-Sterben in deutschen Fußgängerzonen. Schon vor der Krise beklagten viele Kommunen das Verschwinden von immer mehr Geschäften. Corona hat diesen Prozess beschleunigt: Runners Point schloss im Sommer alle Filialen in Deutschland, Galeria Karstadt Kaufhof macht mindestens ein Drittel aller Filialen dicht und auch die Restaurant-Kette Vapiano ist Corona zum Opfer gefallen.  Hier sehen Sie eine Liste mit Geschäften, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten:

Diese Unternehmen schließen Corona-bedingt Filialen oder haben sie schon geschlossen

Adler Modemärkte

Die Adler Modemärkte AG hat im Januar 2021 wegen Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Grund dafür sei der Corona-Lockdown, teilte das Unternehmen mit. Adler betreibt nach eigenen Angaben derzeit 171 Märkte, davon 142 in Deutschland, sowie einen Onlineshop. Weitere Märkte gibt es in Österreich, Luxemburg sowie in der Schweiz. Zum 30. September 2020 hat sie rund 3350 Mitarbeiter beschäftigt. Ziel sei es, das Unternehmen über einen Insolvenzplan zu sanieren.

Galeria Karstadt Kaufhof

Kaufhof - das war lange Zeit das Flaggschiff des deutschen Einzelhandels. In den letzten Jahren mussten die Beschäftigten viel erleiden, jetzt droht sogar das komplette Aus. 2015 hat der Handelsriese Metro seine Tochter Kaufhof an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Die folgenden Jahre waren offenbar ein einziges Missverständnis, 2018 folgt die Fusion mit dem einstigen Konkurrenten Karstadt. Der damit einhergehende Stellenabbau bei Galeria Karstadt Kaufhof, wie sich das Unternehmen kurzzeitig nannte, sollte eigentlich Anfang März 2020 abgeschlossen sein. Nur zwei Monate später waren plötzlich alle 30.000 Arbeitsplätze in Gefahr. In den Filialen, die noch nicht geschlossen sind, läuft derzeit ein großer Abverkauf.

Tally Weijl

Auch das Schweizer Unternehmen Tally Weijl muss sparen - und schließt wegen Corona viele Geschäfte. Laut dem Branchendienst 'Textilwirtschaft' benötigt das Unternehmen Millionenkredite, um die Corona-Krise zu überstehen. Die Sparpläne sehen die Schließung von hunderten Filialen vor, ein Drittel der Mitarbeiter soll gehen.

Saturn und Media Markt

Im August wurde bekannt, dass der Mutterkonzern von Media-Markt und Saturn, Ceconomy, insgesamt 3500 Stellen streichen muss. Damit verbunden sind wohl auch Filialschließungen. Zwar habe man die Einbußen der Pandemie nach eigener Auskunft gut durch den Online-Handel kompensieren können, doch trotzdem müssen am Ende des Tages wohl einige Märkte dicht machen, hieß es im August in einer Pressemitteilung. Man müsse wegen rückläufiger Kundenfrequenz die Filialen prüfen und defizitäre Stores schließen- in Europa und in Deutschland.

Vapiano

Das Konzept der Restaurant-Kette war lange Zeit einzigartig: Essen aussuchen und dabei zuschauen, wie das Pizza und Pasta zubereitet werden. Doch schon vor Corona war Vapiano angeschlagen. Im Frühjahr reichte das Unternehmen dann Insolvenz ein. Die meisten Lokale stehen seither leer.

C&A

Bereits einige Wochen vor dem Corona-Lockdown hat die Modekette C&A mitgeteilt, 13 ihrer rund 450 Filialen in Deutschland schließen. Betroffen sind Niederlassungen in mehreren Bundesländern. Hier finden Sie eine Übersicht, welche C&A-Filialen geschlossen werden sollen. Immerhin: Die betroffenen Mitarbeiter sollen auf andere Filialen verteilt werden.

Runners Point

Die Laufschuhkette Runners Point schließt alle Filialen. Der Handelskonzern Foot Locker, zu dem Runners Point gehört, wird die Marke komplett vom Markt nehmen. "Alle Filialen werden geschlossen", sagte ein Sprecher der US-Firma. Dies gelte auch für die Filialen in Österreich und der Schweiz. Knapp 900 Beschäftigte könnten von der Schließung betroffen sein.

H&M, Esprit & Co.: Auch diese Unternehmen sind von Filialschließungen betroffen

Filialschließung wegen Corona bei Esprit
Wegen Corona haben viele Esprit-Filialen in den Innenstädten dicht gemacht.
© imago images/Future Image, Christoph Hardt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Esprit

Bei der deutschen Modekette ging im Frühjahr alles ganz schnell: Schon Ende März ging der deutsche Konzern in die Schutzschirm-Insolvenz. Die Folge auch hier: Mitarbeiter entlassen, Filialen eingestampft.

Depot

Bekannt für die reiche Auswahl an Deko-Artikeln, gab Corona Depot den Todesstoß. Anfang Oktober wurde bekannt, dass bis 2021 insgesamt 60 Filialen geschlossen werden: 25 sogar noch bis Ende des Jahres.

H&M

Filialen der schwedischen Modekette finden sich wohl in fast jeder Stadt mit einer Fußgängerzone. Im letzten Jahr betrieb Hennes und Mauritz insgesamt 466 Modehäuser in Deutschland. Vor wenigen Wochen kündigte H&M nun an, insgesamt 250 Filialen zu schließen. Viele davon dürften auch in Deutschland sein.

Habitat

Bis 2009 gehörte die Möbelkette zu Ikea, hier gab es die etwas wertigeren Möbel mit mehr Stil. Die Filialen konnte man meist in erstklassiger Innenstadtlage aufsuchen. Im Dezember 2018 meldete die deutsche Habitat-Vertretung Insolvenz an. Alle 6 Filialen in Deutschland wurden geschlossen. In Großbritannien und Frankreich können Habitat-Fans noch shoppen gehen.

Filialsterben in deutschen Innenstädten hoch

Corona ist zwar ein Beschleuniger des Filialsterbens in deutschen Innenstädten, aber nicht alleinverantwortlich: Die deutsche Telekom kündigte zum Beispiel Anfang des Jahres an, jeden fünften Shop zu schließen. Es sei nicht mehr wirtschaftlich die Filialen zu betreiben, weil die Menschen viele Services selber im Internet erledigen können, hieß es damals. Mit Corona hatte das nichts zu tuen. Auch Banken wie die Sparkasse oder die deutsche Bank dünnen ihr Filialnetz seit einigen Jahren aus und ersetzen kleinere Geschäftsstellen beispielsweise durch SB-Filialen.