Antisemitismus bei Protesten gegen Israel

Judenhass in Deutschland ist eine Schande - wir brauchen jetzt Taten

Gegen Israel gerichtete Demonstration in Berlin-Neukölln
Gegen Israel gerichtete Demonstration in Berlin-Neukölln
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17. Mai 2021 - 8:40 Uhr

Ein Kommentar von Nikolaus Blome

In mehr als einem halben Dutzend deutscher Städte wird gegen "die Juden" gehetzt. "Den Juden" wird der Tod gewünscht. Ihrem Staat, Israel, dass er endlich ausradiert werde. Dass die "Armee Mohammeds" todbringend über die Juden kommen möge. Das geschieht – heute und mitten in Deutschland. Es ist eine Schande. Es stockt einem der Atem. Doch was folgt, ist nur das Übliche. Das reicht nicht mehr. Begreift das denn keiner?

Antisemitische Hass-Gesänge, brennende Israel-Flaggen

Politiker aller Parteien drücken ihr Bedauern und Entsetzen aus und verurteilen die antisemitischen Ausschreitungen. Klar. Der Innenminister verspricht, die Täter "die ganze Härte des Rechtsstaates" spüren zu lassen. Auch klar. Der Bundespräsident lässt sich ebenfalls rasch vernehmen und sagt, jüdisches Leben in Deutschland sei in jedem Fall zu schützen. Selbstverständlich.

Worte haben Politik und Gesellschaft also genug, wenn es um Judenhass auf deutschen Straßen und Plätzen geht. Aber Taten haben sie nicht genug.

Die Polizei schafft es in Gelsenkirchen, eine Synagoge zu schützen. Aber sie schafft es nicht, aus einer überschaubaren Menge von Randalierern, die Straftäter demonstrativ herauszuziehen: antisemitische Hass-Gesänge, israelische Flaggen verbrennen, das sind Straftaten, darauf steht Gefängnis. In Mannheim war das anders, da gab es Festnahmen, nachdem eine Flagge brannte. Es geht also, am Samstag wurden denn auch mehrere Demonstrationen beendet, als sie eskalierten. Warum nicht gleich so?

Video: RTL-Team auf Anti-Israel-Demo mit Böllern beworfen

Und wo, bitte schön, sind jetzt die rasche Untersuchung der muslimisch-migrantischen Jugend-Milieus, die sich bei den Demos vom Wochenende zeigten? Wo kommt deren Judenhass her, wer befeuert ihn, wie lässt er sich abstellen? Das zu fragen, ist nicht ausländer- oder fremdenfeindlich. Es ist ja auch nicht "deutschen-feindlich", Neonazis das Handwerk zu legen.

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Nikolaus Blome
Nikolaus Blome ist Politik-Chef bei RTL
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Wer damit nicht klarkommt, der kann nicht lange bleiben

Was sollten schließlich jene zu erwarten haben, die als Kriegsflüchtling oder Asylsuchende seit 2015/16 nach Deutschland kamen, wenn sich an antisemitischen Ausschreitungen beteiligen? Sie haben Anspruch auf ein faires Asylverfahren, aber Deutschland hat auch einen Anspruch, einen historischen: Juden-Hass ein für alle Mal zu verbannen aus diesem Land. Wer in Deutschland Schutz sucht, aber damit nicht klarkommt, der kann hier nicht lange bleiben.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland haben über das Wochenende viele gute Worte gehört. Besser als nichts. Aber wenn sie ihnen noch einmal Glauben schenken sollen, müssen Taten folgen.