Infantino hält er für „große Katastrophe“

Hoeneß redet Klartext: "Die WM wird dem Fußball schaden"

Uli Hoeneß: "Diese WM wird dem Fußball schaden" Kritik an WM 2022 in Katar
09:08 min
Kritik an WM 2022 in Katar
Uli Hoeneß: "Diese WM wird dem Fußball schaden"

30 weitere Videos

Die WM in Katar ist die umstrittenste Weltmeisterschaft der Geschichte. Eine, die Spuren hinterlässt. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist sich sicher: Der Fußball wird unter der Weltmeisterschaf im Emirat leiden. In der Armbinden-Debatte macht der 70-Jährige der DFB-Führung Vorwürfe. Gleichzeitig attackiert er Fifa-Boss Gianni Infantino scharf.

Uli Hoeneß über WM in Katar: "Der Schaden ist schon erkennbar"

„Die WM, wie sie sich derzeit darstellt, wird auf jeden Fall kein Erfolg sein, das ist jetzt schon klar, und sie wird dem Fußball insgesamt auf jeden Fall schaden“, sagte der langjährige Bayern-Patron im Interview bei „RTL Direkt“ und „RTL Nachtjournal spezial“. „Wenn sie die Einschaltquoten anschauen, wenn Sie die Begeisterung der Leute für diese WM sehen, ist der Schaden schon erkennbar.“

Lese-Tipp: DFB-Auftakt im Schnellcheck: Erst Starthilfe, dann brutaler Doppelschlag

Video: Deutschland vergeigt erneut WM-Auftakt gegen Japan

Deutschland patzt schwer, Spanien feiert Schützenfest WM-Auftakt
02:22 min
WM-Auftakt
Deutschland patzt schwer, Spanien feiert Schützenfest

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Hoeneß hält WM-Boykott für den falsche Weg

Einen Boykott oder vorzeitige Abreise der deutschen Mannschaft hält er allerdings für den falschen Weg. „Jahrelang hatte man Zeit genug, die Dinge anzusprechen und die entsprechende Macht auszuüben. Ich glaube, die europäischen Verbände haben überhaupt noch nicht erkannt, welche Macht sie wirklich haben.“

Lese-Tipp: Dicker Dämpfer! Deutschland verliert den WM-Auftakt gegen Japan

In der Debatte um die „One-Love“-Binde wirft Hoeneß der DFB-Führungsriege Mutlosigkeit vor. „Sie hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt mit der Ankündigung konsequent zu sein, das Thema konsequent durchzuziehen. Und das haben sie am Ende nicht gemacht.“

Lese-Tipp: Kommentar zur Mund-zu-Geste – Dieses Schweigen bricht die Macht der Fifa nicht

Man hätte wissen müssen, dass die Fifa laut ihrer Statuten die Binde bestimmen könne. „Sie haben nicht den Mut gehabt, der Fifa die Stirn zu zeigen. Das wäre dringend notwendig gewesen, denn für mich ist Gianni Infantino eine große Katastrophe für den Weltfußball, und da wäre eine wunderbare Chance gewesen, ihm zu zeigen: Bis hierher und nicht weiter“, meint Hoeneß.

Stattdessen zeigte die deutsche Mannschaft eine andere Geste. Sie hielt sich nach dem Teamfoto geschlossen die Hände vor den Mund. Anschließend ging die Flick-Elf erst in Führung, dominierte, nur um am Ende in Einzelteile zu zerfallen.

Hoeneß war von dem schwachen Auftritt in der Endphase eher weniger überrascht, da sich das bittere Ende immer mehr angedeutet hatte. „In den letzten 20 Minuten hat man gemerkt, dass die Japaner immer mehr ins Spiel kamen. Nach dem 1:1 hing es in der Luft, dass sie noch das 2:1 schießen“, so Hoeneß.

Auswechslungen als Fehler? Hoeneß widerspricht

Die mangelnde Chancenverwertung sei der Hauptgrund für den deutschen K.o. gewesen, analysierte Hoeneß. „Wenn man so viele klare Chance herausspielt, muss man einfach versuchen, das zweite, dritte Tor machen, dann würden wir nicht so belämmert dasitzen.“

Warum aber ist das Spiel überhaupt gekippt? „Es ist oft so: Wenn man das Tor nicht macht, wird‘s schwierig. Man kann es nicht verstehen, aber es ist halt passiert.“ Die Auswechslungen von Ilkay Gündogan und Thomas Müller seien für ihn kein Fehler des Bundestrainers gewesen. „Er hat ja Leon Goretzka reingebracht. Einer der hervorragend kicken kann. Daran hat es meiner Meinung nach nicht gelegen. Wenn man wie wir den Druck nicht mehr ausführt, ist es schwierig, das Spiel zu gewinnen“, erklärt der Bayern-Ehrenpräsident.

Dennoch sei der Auftritt deutlich ansprechender gewesen als das Desaster vor vier Jahren in Russland. „Das war eine ganz andere Leistung heute als in Russland“, sagte Hoeneß. Um aber das nächste Ausscheiden in der Vorrunde zu verhindern, muss das DFB-Team jetzt liefern. „So wie ich es sehe, braucht man jetzt zwei Siege gegen Spanien und Costa Rica.“ (msc)

Den Talk von Nikolaus Blome und Florian König mit Uli Hoeneß sehen Sie heute Abend ab 22.15 Uhr bei „RTL Direkt“ und um 0:25 Uhr im „RTL Nachtjournal spezial“.