Bloß nie wieder Schließung von Kita und Schule!

Kinderärztin: Lockdown schadet Kindern mehr als das Virus

Kinder brauchen Gleichaltrige für ihre gesunde psychische Entwicklung - schränkt sie nicht unnötig ein, fordert Kinderärztin Dr. Barbara Mühlfeld aus Bad Homburg.
Kinder brauchen Gleichaltrige für ihre gesunde psychische Entwicklung - schränkt sie nicht unnötig ein, fordert Kinderärztin Dr. Barbara Mühlfeld aus Bad Homburg.

25. August 2021 - 14:28 Uhr

Neuinfektionen vor allem bei Jüngeren - Drohen neue Einschränkungen?

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt bei den 5- bis 14-Jährigen aktuell besonders stark. Diese Tatsache und die vermehrten Fälle auch bei jungen Erwachsenen bringe die vierte Welle nun vor allem ins Rollen, heißt es im aktuellen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts. Wie schätzen Kinderärzte die Lage ein und wird die noch nicht empfohlene Impfung von Kindern bis 12 Jahren zum Problem?

Dr. Barbara Mühlfeld, Kinderärztin in Bad Homburg (Hessen) und Pressesprecherin des Landesverbands Hessen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor erneuten Einschränkungen bei Kindern.

Kinderärztin: Kinder sind keine "Opakiller" oder "Virenschleudern"

Das Wichtigste sei, dass es aus den Köpfen der Menschen raus ist, dass Kinder "Opakiller" oder "Virenschleudern" seien, sagt uns Dr. Barbara Mühlfeld im Interview. Die Kinder hätten mit den bisherigen Einschränkungen bereits einen hohen Preis in dieser Pandemie gezahlt. Die Teilhabe am Alltagsleben sei enorm wichtig für die Entwicklung von Kindern, man dürfe sie nicht erneut in ihrer Entfaltung einschränken. Ein Lockdown sei laut Mühlfeld nicht notwendig, lediglich Vorsichtsmaßnahmen wie feste Kita-Gruppen seien weiterhin ratsam.

Großer Unterschied zu 2020: Es gibt Impfstoffe!

Kinderärztin Dr. Barbara Mühlfeld impft in ihre Bad Homburger Praxis Kinder und auch deren Eltern.
Kinderärztin Dr. Barbara Mühlfeld impft in ihre Bad Homburger Praxis Kinder und auch deren Eltern.
© RTL

Der große Unterschied zur Lage nach den Sommerferien 2020 sei heute, dass es die Impfungen gibt. In Mühlfelds Kinderarztpraxis im hessischen Bad Homburg werden Kinder ab 12 und auch nach wie vor Eltern geimpft, viele hätten dieses Angebot bereits angenommen und verantwortungsbewusst gehandelt. "Wir sind froh um jeden, der sich impfen lassen will", sagt die Ärztin. Die Impfung der Erwachsenen und jungen Erwachsenen sei der Schlüssel. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs bei Kindern – bis 12 Jahre, evtl. sogar bis 16 Jahre – sei nach ihrer Einschätzung minimal: "Kinder haben selbst bei der Delta-Variante einen harmlosen Verlauf."

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Gefährdung der psychischen Entwicklung deutlich größer als die Gefahr des Virus

Mit diesem Wissen sei die Entscheidung einer Impfung von jüngeren Kindern deutlich schwieriger als bei Älteren. Bei Erwachsenen sieht es Dr. Mühlfeld eindeutig: Die mögliche Schwere der Covid-Infektion überwiegt die Gefahr von Langzeitschäden durch die Impfung. So ist für sie aber auch bei dem fehlenden Schutz durch eine Impfung bei Kindern klar: "Die Gefährdung der psychischen Entwicklung durch einen weiteren Lockdown ist deutlich größer als die Gefahr des Virus." Kinder bräuchten den Kontakt zu Gleichaltrigen.

Überall hustet es: Kinder holen momentan Infektionen aus dem Winter nach

Viele Kinder kommen derzeit vermehrt mit Husten und anderen Erkältungssymptomen in die Bad Homburger Praxis. Laut Dr. Barbara Mühlfeld holen die Kleinen das nach, was sie im Winter durch die Kontakteinschränkungen nicht gehabt haben. "Und das ist nicht Corona".

Auf das Virus testen muss die Kinderärztin immer seltener. Viele Eltern nutzen Selbsttests zu Hause oder die Angebote der Schnelltest-Zentren. Auch Kindergärten bieten bei Verdacht den Eltern die Tests an. (gmö)