Koma, Leberriss und Lungenverletzung

„Jede Nacht läuft dieser Film vor mir ab“: Opfer (63) leidet nach Armbrust-Attacke in Bremerhaven

19.05.2022, Bremen, Bremerhaven: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr sind vor einer Schule im Einsatz. An einem Gymnasium in Bremerhaven ist am Donnerstag geschossen worden. Eine Frau sei mit der Waffe verletzt worden, sagte eine Polizeisprecheri
Die Frau schwebte nach der Attacke in Lebensgefahr.
ssd nic, dpa, Sina Schuldt

von Christo Tatje und Carmen Gocht

Das 63 Jahre Opfer arbeitete als Schulsekretärin im Büro eines Gymnasiums in Bremerhaven, als offenbar ein 21-jähriger Ex-Schüler zwei Pfeile aus einer Armbrust auf sie schießt. Die Frau schwebte nach der Attacke in Lebensgefahr, überlebte aber und sagte am Donnerstag als Zeugin am Landgericht Bremen aus.

Erster Stahlpfeil in die Brust

Es ist eine sehr emotionale Zeugenaussage. Immer wieder bricht die ehemalige Schulsekretärin in Tränen aus. Sie ist seit der Tat in psychologischer Behandlung, kann nicht mehr arbeiten. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, der ihr Leben veränderte: „Ich saß am Schreibtisch und auf einmal stand er am Tresen. Dann sagte er ,Kennen Sie mich noch? Sie waren ja auch immer frech zu mir!’. Dann sagte ich: ,Ich?’ Dann bin ich auf ihn zugelaufen und schon hatte ich etwas schweres in der Brust“. Die Frau wurde von einem Stahlpfeil getroffen. An Konflikte mit dem Ex-Schüler könne sie sich nicht erinnern.

An Gymnasium sind Schüsse gefallen - eine Frau verletzt Amoklauf in Bremerhaven?
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Amoklauf in Bremerhaven?
An Gymnasium sind Schüsse gefallen - eine Frau verletzt

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Der Angeklagte beim Prozessauftakt in Bremen.
ssd;jat, dpa, Sina Schuldt

Das Opfer will fliehen und rennt in Richtung Schulleiterbüro. Ein zweiter Pfeil trifft sie in den unteren Rücken und tritt am Bauch wieder heraus. Die 63-Jährige erleidet eine Lungenverletzung, einen Leberriss und muss für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden. Sie überlebt und geht danach in eine vierwöchige Reha. Sie leidet aber immer noch an den Folgen der Attacke. „Jeden Tag und jede Nacht läuft dieser Film vor mir ab. Ich hoffe, dass das bald endlich vorbei ist. Ich habe Tage, an denen ich nicht aufstehen kann.“ Deshalb sei sie noch immer in Therapie. Eine Narbe vom Brustkorb bis zum Bauchnabel wird sie aber wohl ein Leben lang an die Armbrust-Attacke erinnern.

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