Wir haben es eigentlich noch ganz gut!

In diesen (Urlaubs-)Ländern gibt es die strengsten Corona-Regeln

Corona-Regeln in den unterschiedlichen Länder: Wo ist es besonders streng?
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20. Oktober 2020 - 13:23 Uhr

Welche strengen Corona-Regeln gelten woanders?

In Deutschland steigen seit einiger Zeit die Corona-Zahlen wieder stark an. Fast jeden Tag gibt es neue Höchstwerte an Neuinfektionen. Da ist es kaum ein Wunder, dass – zumindest lokal – auch wieder strengere Maßnahmen eingeführt werden. Wer sich aber über die Maskenpflicht in Einkaufsstraßen, die Sperrstunde und die wieder kleinere Anzahl an Kontakten ärgert, mit denen man sich treffen darf, sollte mal einen Blick in unsere europäischen Nachbarländer werfen. Dort steigen die Infektionszahlen ebenfalls an, teils sogar sehr stark, worauf die Regierungen mit noch strengeren Corona-Maßnahmen reagieren, als wir sie aus Deutschland kennen.

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Sind unsere Regeln besonders streng, zu locker oder gerade richtig?

Auch wenn wir im Frühjahr einen Lockdown hatten, bei dem Geschäfte, Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen weitestgehend geschlossen waren, sind wir in Deutschland bisher ohne Ausgangssperren durch die Corona-Pandemie bekommen. In den gelockerten Sommermonaten ist – abgesehen von Abstandsgebot und Maskenpflicht, sogar wieder ein wenig (Fast-)Normalität eingekehrt. Sogar Reisen war in viele beliebte Urlaubsländer wieder möglich. Inzwischen werden wieder immer mehr andere Länder zu Risikogebieten erklärt.

Die Regeln in Deutschland werden nun wieder strenger, die Hoffnung ist jedoch, dass wir ohne zweiten Lockdown durch den Herbst und Winter kommen. Zwar gelten außer den AHA-Regeln kaum Maßnahmen für die gesamte Bundesrepublik, doch für deutsche Corona-Hotspots haben sich Merkel und die Minister der Ländern nun auf einheitliche Regeln geeinigt. Diese betreffen vor allem eine ausgeweitete Maskenpflicht im Freien, Beschränkungen von privaten Feiern, Sperrstunden in der Gastronomie und das umstrittene Beherbergungsverbot, das inzwischen jedoch in vielen Bundesländern wieder gekippt wurde. Doch so streng uns diese Maßnahmen vorkommen mögen, in anderen Ländern gibt es teils noch sehr viel größere Einschränkungen des Lebens.

Belgien erlaubt nur 3 enge Kontakte pro Monat

Mit den strengen Regeln liegt Belgien ziemlich weit vorne. Seit dem 9. Oktober dürfen in unserem Nachbarland außerhalb der Familie nur drei Kontakte pro Monat getroffen werden. Selbst im Freien dürfen im privaten Bereich nur vier Personen zusammen kommen. In Cafés und Bars dürfen maximal vier Personen an einem Tisch zusammensitzen. Schwierig wird dies allerdings in Brüssel – dort sind nämlich seit dem 8. Oktober alle Cafés, Bistros, Bars und Festsäle für einen Monat geschlossen. Im öffentlichen Raum besteht in Belgien ein Alkoholverbot. Teilweise gibt es auch lokale Ausgangssperren.

Menschen mit einer Alltagsmaske sieht man zudem eigentlich überall in Belgien. Dort besteht die Maskenpflicht nämlich auch im Freien, z. B. beim Spazierengehen, auf dem Fahrrad oder dem Elektroroller. Im Auto dürfen nur Menschen aus dem selben Hausstand zusammensitzen.

Spanien verbietet Rauchen im Freien

Rauchen nur mir ausreichend Abstand und mit Maske erlaubt!
Rauchen nur mir ausreichend Abstand und mit Maske erlaubt!
© iStockphoto, Dusan Ilic

Auch in Spanien gibt es eine Maskenpflicht im Freien. Aber nicht nur das: Auch das Rauchen ist dort an der frischen Luft verboten – es sei denn, es kann ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden. Zudem müssen auch in diesem Fall Raucher eine Maske tragen, die sie zum Ziehen an der Zigarette lüften dürfen. Zudem besteht im Freien ein Partyverbot, das den Konsum von Alkohol einschließt.

Lokal gibt es außerdem Ausgangssperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit – z. B. in der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Diese darf man nur betreten oder verlassen, wenn man einen triftigen Grund (Arbeit, Bildung, unabdingliche Behördengänge) nachweisen kann.

In Katalonien sind alle Bars und Restaurants geschlossen, Parks und Grünanlagen werden ab 20 Uhr für Besucher gesperrt.

Keine Softdrugs in der Tasche in den Niederlanden

Unsere niederländischen Nachbarn haben besonders hart mit stark steigenden Corona-Zahlen zu kämpfen. Die Intensivstationen sind voll, die Kapazitäten des Gesundheitsystems weitgehend ausgeschöpft. Darauf regiert die Regierung mit einem neuen Teil-Lockdown: Restaurants, Bars und Cafés komplett geschlossen, das soziale Leben soll so gut es geht lahmgelegt werden. Deshalb sind Besuche zu Hause, im Garten oder auf dem Balkon auf drei Gäste pro Tag beschränkt. Im öffentlichen Raum darf eine Gruppe aus maximal 4 Personen aus verschiedenen Haushalten bestehen.

Um das Feiern einzuschränken und für mehr Vernunft zu sorgen, werden zwischen 20 und 7 Uhr weder Alkohol noch Softdrugs verkauft oder geliefert. Wer Alkohol oder Drogen in dieser Zeit konsumiert oder mit sich führt, muss mit Strafen rechnen.

Auch in Großbritannien gibt es den „Flickenteppich“

In Deutschland kann jedes Bundesland ein Stück weit seine eigenen Corona-Regeln beschließen. Aufgrund der unterschiedlichen Maßnahmen wird daher oft von einem Flickenteppich geredet. Auch im Vereinigten Königreich gibt es unterschiedliche Corona-Beschränkungen in England, Wales, Nordirland und Schottland.

In England werden die Einschränkungen in einem dreistufigen Modell je nach Infektionsgeschehen beschlossen. Bei Stufe 3, also in Regionen, die besonders hart getroffen sind, ist keinerlei privater Kontakt mehr zulässig. Pubs müssen schließen, Geschäfte, Schulen und Hochschule sollen jedoch offen bleiben. Dies gilt derzeit in Liverpool, Lancashire und Merseyside. In ganz England schließen Restaurants und Pubs um 22 Uhr.

Auch in Schottland gelten strenge Regeln. So sind z. B. keine Treffen von Personen außerhalb des eigenen Hausstands in privaten, geschlossenen Räumen erlaubt. Im Freien und in geschlossenen, öffentlichen Räumen dürfen sechs Personen aus maximal zwei Hausständen zusammenkommen. Kinder unter 12 werden jedoch nicht mitgezählt. In stark getroffenen Regionen haben Restaurants und Bars geschlossen, im Rest des Landes dürfen sie zwischen 6 und 18 Uhr öffnen, aber keinen Alkohol ausschenken.

In Nordirland ist es verboten, sich in den eigenen vier Wänden mit anderen Haushalten, Familien oder Freunden zu treffen. Im Garten dürfen bis zu sechs Personen aus zwei Haushalten zusammenkommen. Übernachtungen woanders sind auch im privaten Haushalt verboten. Restaurants und Pubs dürfen nur Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf anbieten.

Frankreich, Polen, Portugal, Türkei: Hier gibt es ebenfalls strenge Regeln

Handschuhe gegen das Coronavirus
In Polen müssen in öffentlichen Gebäuden neben den Masken auch Handschuhe getragen werden.
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In Frankreich gilt in bestimmten Regionen, darunter dem Großraum Paris, eine Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr. Private Feiern oder Versammlungen sind landesweit untersagt.

In Polen dürfen Geschäfte, Banken und Tankstellen nur mit Handschuhen betreten werden.

In Portugal ist die Verwendung der App StayAwayCovid (entspricht unserer Corona-Warn-App) in vielen Berufszweigen verpflichtend. Regierungschef Antonio Costa will sie in den kommenden Tagen für alle zum Pflichtprogramm machen.

In der Türkei sind private Feiern teilweise zeitlich auf zwei bis drei Stunden begrenzt.

Studie über die strengsten Corona-Regeln in den verschiedenen Ländern

Dies sind vor allem Betrachtungen einzelner Regeln in einzelnen Ländern. Umfassender hat sich ein Team der Blavatnik School of Government an der Universität Oxford damit beschäftigt, in welchen Ländern besonders strenge Regeln zur Bekämpfung des Coronavirus eingeführt wurden. Die Forscher haben die politischen Maßnahmen von 180 Ländern während der Corona-Pandemie gesammelt und miteinander verglichen. Dazu entwickelten sie 17 Indikatoren und schufen den "Oxford COVID-19 Government Response Tracker".

Die Maßnahmen wurden in vier Bereiche aufgeteilt:

  1. die Antworten der Regierung
  2. Unterstützung für die Wirtschaft
  3. Eindämmungsmaßnahmen und Gesundheit
  4. Stringenz (die Härte der Länder-Strategien zur Corona-Bekämpfung)

Die strengsten Regeln gab es der Studie zufolge im Kosovo. Dort wurde der Index der Corona-Härte mit 69,44 von 100 bemessen. Auch Deutschland liegt mit einem Wert von 59,72 recht weit vorne. Höhere Werte als bei uns gab es in Großbritannien, Spanien und Portugal. In Italien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden war der Index niedriger als bei uns.

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