41-Jähriger aus Hürth festgenommen

2 Frauen mit Thallium getötet – Experte: "Tückisches" Gift, das schleichenden Tod verursacht

02. Dezember 2021 - 18:57 Uhr

Wirkung von Thallium setzt deutlich verzögert ein

Ein 41-jähriger Mann aus Hürth (Nordrhein-Westfalen) soll drei Frauen mit Thallium vergiftet haben. Zwei seiner Opfer starben, eine weitere Frau und ihr ungeborenes Kind schweben laut Polizei in Lebensgefahr. Der 41-Jährige wurde festgenommen. "Das Tückische an Thallium ist, dass die Wirkung erst deutlich verzögert einsetzt", sagt Rechtsmediziner Marcel Verhoff im RTL-Interview.

Der Körper hält Thallium für Kalium

Marcel Verhoff
Thallium verursache einen schleichenden Tod, sagt Rechtsmediziner Marcel Verhoff.
© RTL

Über ein mögliches Motiv des Mannes ist noch nichts bekannt. Aber er dürfte genau gewusst haben, wie das Gift wirkt. "Thallium ist ein Schwermetall. Wenn es vom Körper aufgenommen wird, wird es fälschlicherweise für Kalium gehalten", erläutert Verhoff. "Es wird dann wie Kalium in die Zellen eingebaut, kann aber nicht die Funktion von Kalium übernehmen. Und das führt zu schwerwiegenden Störungen.

Ab etwa einem Gramm sei das Metall für Menschen tödlich. Anzeichen für eine Vergiftung gebe es zunächst nicht. "In den ersten ein bis zwei Tagen merkt man normalerweise gar nichts. Dann geht es los mit Übelkeit – aber ohne Erbrechen. Das ist umso fataler, weil es dann nicht mehr ausgeschieden wird. Die Symptome kommen erst nach und nach und können extrem unterschiedlich sein", erläutert der Experte.

Thallium-Vergiftung: Menschen sterben meist nach rund einem Monat

Man kommt oft gar nicht darauf, dass es sich um eine Thallium-Vergiftung handeln kann." Vergiftete Menschen klagten über Magen-Darm-Trakt-Beschwerden, schwere Krämpfe, Muskelschmerzen und Durstgefühl; auch Auswirkungen auf die Psyche seien möglich. "Typischerweise kommt es nach etwa zwei Wochen zu Haarausfall und zu Bändern im Bereich des Fingernagels", erklärt Marcel Verhoff.

Dann sei es aber meist schon zu spät. Menschen, die eine höhere Dosis aufgenommen hätten, könnten nach rund zwei Wochen sterben. "In den meisten Fällen tritt der Tod aber etwa innerhalb eines Monats ein – als Multiorganversagen, weil es ja an allen Organen gleichzeitig die negativen Auswirkungen hat. Ein schleichender Tod."

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Experte: Gift kann leicht ins Essen gemischt werden

Das Gift ist dem Experten zufolge frei erhältlich und kann zum Beispiel im Chemikalienversand bestellt werden. "Thallium wird für verschiedene Legierungen in der Glasverarbeitung verwendet, es wurde auch sehr lange als Rattengift eingesetzt." Es jemandem ins Essen zu mischen, sei nicht besonders schwierig, erklärt der Rechtsmediziner. "Thallium ist normalerweise geruchsneutral, es gibt es zum Beispiel in Pulverform." In der Rechtsmedizin könne es über eine toxikologische Untersuchung der Organe nachgewiesen werden.

Hürth: Schwangere Frau schwebt in Lebensgefahr

Dem Tatverdächtigen wird vorgeworfen, seine 35-jährige damalige Ehefrau und die 92-jährige Großmutter seiner jetzigen Partnerin mit Thallium getötet zu haben. Zudem soll er versucht haben, seine 36-jährige Lebensgefährtin zu vergiften, um einen Schwangerschaftsabbruch zu erzielen, erklärte die Polizei. Sie befindet sich derzeit auf einer Intensivstation und schwebt in Lebensgefahr. Ob ihr Fötus überlebt, ist ungewiss. Der 41-Jährige bestreitet die Taten. (bst)

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