Das rät Rechtsanwalt Volker Görzel

Home-Office wegen Corona: Kann ich die Kosten für Laptop, Druckerpapier und Strom zurückfordern?

Viele Menschen müssen in Corona-Zeiten ihre Arbeit in den eigenen vier Wänden organisieren? Doch übernimmt der Arbeitsgeber irgendwelche Kosten?
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01. April 2020 - 9:16 Uhr

Home-Office: Wer zahlt Stromkosten und Ausstattung?

Wegen der Corona-Krise schicken immer mehr Firmen ihre Mitarbeiter ins Home-Office.
Aber wer trägt eigentlich die Kosten für die technische Ausrüstung? Und wieviel kostet das Arbeiten zu Hause überhaupt? Wir haben mit Volker Görzel gesprochen. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln. Und er hat einen Tipp, wie Sie den Aufwand geltend machen können.

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Wie viel Strom verbraucht das Home-Office?

Wer in diesen Tagen auf Home-Office umgestellt hat, verbraucht nun mehr Strom zuhause. Die Energieexperten von Verivox haben nachgerechnet, welche Kosten dafür anfallen:

So viel kostet der Computer an Strom
Wird nur ein Laptop als Arbeitsgerät genutzt, sind die Stromkosten niedrig: Pro Arbeitstag liegen die Stromkosten bei lediglich 15 Cent. Bei einem herkömmlichen PC mit angeschlossenem Monitor ist der Stromverbrauch deutlich höher. Die Kosten liegen durchschnittlich bei rund 50 Cent pro Arbeitstag. Je nach Ausstattung und zusätzlich angeschlossenen Geräten können die Stromkosten noch höher sein.

Das kostet das Aufladen des Smartphones
Das Aufladen eines Smartphones belastet dagegen kaum den Geldbeutel. Wer sein Smartphone jeden Tag drei Stunden an der Steckdose hat, bezahlt gerade mal einen halben Cent pro Tag.

Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox schätzt die Mehrkosten an Strom während des Home-Office als überschaubar an: "Die zusätzlichen Stromkosten durch das Home-Office dürften in der Regel bei unter einem Euro pro Arbeitstag liegen", so seine Einschätzung. "Diese Kosten bekommen die Arbeitnehmer in den meisten Fällen nicht erstattet."

Durch kleine Änderungen im alltäglichen Verhalten können Sie Ihre Stromkosten aber insgesamt deutlich senken. Wir geben Ihnen fünf Tipps, mit denen Sie Ihren Stromverbrauch dauerhaft senken.

Kann ich die Kosten für Laptop, Strom oder WLAN zurückfordern?

Grundsätzlich sei der Arbeitgeber dafür zuständig, einen geeigneten funktionsgerechten Arbeitsplatz sowie die erforderlichen Arbeitsmittel für das Home-Office zur Verfügung zu stellen, erklärt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Das heißt konkret: Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer je nach Job die erforderliche Technik wie beispielsweise einem Laptop samt notwendiger Programme, das notwendige Büromaterial, wie Druckerpapier o.ä., die Büromöbel, zum Beispiel einen funktionstüchtigen Bürostuhl oder auch ein Firmenhandy zur Verfügung stellen. Doch gerade in der aktuellen Situation, in der viele Arbeitnehmer relativ kurzfristig ins Home-Office gewechselt sind, ist das in der Umsetzung ziemlich schwierig. 

"Stellt der Arbeitgeber keine Arbeitsmittel zur Verfügung, besteht grundsätzlich ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Erstattung der mit der Einrichtung des Arbeitsplatzes verbundenen Kosten", so Görzel. Das Problem sei allerdings, dass es in der Realität oftmals kaum möglich sei, die tatsächlich entstandenen Kosten zu ermitteln.

Tipp: Aufwandspauschale vereinbaren

Der Rechtanwalt hat da einen pragmatischen Tipp, den er selbst in der Praxis auch schon häufiger begleitet hat: Der Arbeitnehmer erhält vom Arbeitgeber dafür, dass er seine privaten Arbeitsmittel zur Verfügung stellt, pauschal eine monatliche Aufwandsentschädigung. "Ich empfehle meinen Mandanten eine monatliche Aufwandspauschale in Höhe von 50 Euro zu vereinbaren", so Volker Görzel. Das geht einerseits über eine individuelle Vereinbarung. Das heißt, Sie wenden sich an Ihren Arbeitsgeber mit der Bitte einer vertraglichen Zusatzvereinbarung, in der diese Pauschale schriftlich festgehalten wird. Andererseits, wenn Sie in einem größeren Unternehmen arbeiten, können Sie sich auch an Ihren Betriebsrat wenden, damit dieser mit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung aushandelt.

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Kann ich meinen privaten Arbeitsplatz von der Steuer absetzen?

Es ist möglich, die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers steuerlich abzusetzen. Maximal 1250 Euro können Sie jährlich steuerlich als Werbungskosten geltend machen, die Ausgaben eines häuslichen Arbeitszimmers fallen darunter. Übrigens: Diesen Höchstbetrag von 1250 Euro können Sie auch dann nutzen, wenn Sie Ihr Arbeitszimmer nicht ganzjährig nutzen.

Der einzige Haken: Sie müssen zu Hause einen abgeschlossenen Raum als Arbeitszimmer zur Verfügung haben. Das Aufstellen eines Laptops am Küchentisch reicht für den Werbungskostenabzug nicht aus.

Sie arbeiten im Home-Office und haben KInder? Das ist definitiv eine Herausforderung. Wie es RTL-Moderatorin Eva Imhof schafft, in dem täglichen Corona-Wahnsinn zwischen Arbeiten und Homeschooling nicht die Nerven zu verlieren, verrät Sie Ihnen in ihrer Kolumne.

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