Staatsanwältin zieht Vergleich zu "Das Schweigen der Lämmer"

"Golden State Killer" (74) gesteht 13 Morde - "reale lebendige Version von Hannibal Lecter"

01. Juli 2020 - 10:21 Uhr

Kalifornien: Joseph James DeAngelo bekennt sich schuldig

13 Morde, 13 Vergewaltigungen, über 160 Verbrechen, von Vergewaltigung bis Raub und Einbruch, die schon verjährt sind. All das hat der 74-jährige Joseph James DeAngelo im Gerichtsprozess am Montag (Ortszeit) gestanden: "Schuldig" sagt Joseph James DeAngelo immer wieder mit schwacher, krächzender Stimme, zuvor wurde er in einen orangefarbenen Overall gehüllt im Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht. Als Mörder und Vergewaltiger terrorisierte der "Golden State Killer" jahrelang den US-Bundesstaat Kalifornien. Hier sind die bestialischen Morde der "lebendigen Version von Hannibal Lecter" aufgelistet. 

Staatsanwältin: "Reale lebendige Version von Hannibal Lecter"

Das ist die "reale lebendige Version von Hannibal Lecter", sagt die Bezirks-Staatsanwältin Anne Marie Schubert am Ende vor der Presse, "ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder". Schubert spielt auf den Kannibalen und Massenmörder Dr. Hannibal Lecter aus dem Hollywood-Thriller "Das Schweigen der Lämmer" (1991) mit Anthony Hopkins an.

Mit seiner Kaltblütigkeit und Grausamkeit versetzte der "Golden State Killer" den Westküstenstaat über zehn Jahre in Angst und Schrecken. Dem ersten Mord 1975 folgten Dutzende Vergewaltigungen in Nordkalifornien, dann bis 1986 eine brutale Mordserie im Süden des Staates. Oft trug er eine Skimaske und schreckte seine Opfer mit einer grellen Taschenlampe auf.

Bei seinen nächtlichen Streifzügen durch ruhige Vororte hatte er Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel dabei. Häufig fesselte er die Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und brachte nach langen Quälereien beide um. Meist verweilte er an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen.

Angehörigen der Ermordeten bleibt langer Prozess erspart

Gay and Bob Hardwick who were attacked in their Stockton home in 1978 by Golden State Killer, Joseph James DeAngelo, stand as the charges are read against DeAngelo during a hearing in Sacramento Superior Court in Sacramento, Calif. Monday June 29, 20
Gay und Bob Hardwick beim Prozess - sie wurden 1978 vom "Golden State Killer" attackiert.
© AP, Rich Pedroncelli, RCP

Im April 2018, mehr als drei Jahrzehnte nach dem letzten Mord, wurde DeAngelo in einem Vorort von Sacramento festgenommen. Der geschiedene Ex-Polizist hatte unauffällig bei einer seiner drei Töchter gelebt. DNA-Spuren hatten ihn überführt.

Durch das Geständnis kommt der Täter nun um die Todesstrafe herum. Im August soll er zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Den überlebenden Opfern und den Angehörigen der Ermordeten bleibt damit ein langwieriger Prozess mit schmerzlichen Zeugenaussagen erspart. Doch am Montag hörten die Anwesenden schockierende Details von den Tatorten. Die Staatsanwälte aus sechs Bezirken schilderten die grausamen Tatumstände, teils mit Tränen in den Augen. Per Videoschalte konnte auch die Öffentlichkeit die Anhörung mitverfolgen.

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Das jüngste Opfer war 13 Jahre alt. Ein junges Paar hatte erst Monate zuvor geheiratet. Unter den Toten war auch eine gebürtige Frankfurterin, die 1981 im südkalifornischen Irvine in ihrem Bett erschlagen aufgefunden wurde. Das letzte dem Serienmörder zugeschriebene Opfer war eine 18-Jährige, die 1986 vergewaltigt und ermordet wurde.

Die über Jahre ungeklärte Crime-Serie hatte auch die amerikanische Krimiautorin Michelle McNamara beschäftigt. Im Februar 2018 erschien in den USA ihr Buch "I'll Be Gone in the Dark" (deutscher Titel "Ich ging in die Dunkelheit"). Zwei Monate später wurde der damals 72 Jahre alte DeAngelo als mutmaßlicher Serienmörder festgenommen. Der US-Sender HBO gab eine sechsteilige Doku-Serie in Auftrag, die am Sonntag Premiere feierte.