14-Jährige Ayleen traf mutmaßlichen Mörder im Fortnite-Chat

„Das Internet ist für Kinder und Jugendliche kein Spielplatz"

Ayleens Mörder ein bereits vorbestrafter Sexualstraftäter? Polizei präsentiert Verdächtigen
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Polizei präsentiert Verdächtigen
Ayleens Mörder ein bereits vorbestrafter Sexualstraftäter?

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Wir alle lieben das Internet mit all seinen Facetten. Und selbst die Kleinsten sind im Netz mittlerweile aktiv: ob TikTok oder Online-Gaming – sobald ein Bildschirm aufflackert, werden die Kinder-Augen groß. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Internet ist für die Kids zwar wünschenswert, doch die Realität sieht meist anders aus. Ahnungslose Kinder und Jugendliche erleben im Netz all das Übel ohne Filter, von Beschimpfungen bis hin zur Aufforderung zur Prostitution ist hier leider alles dabei. Auch Ayleen aus Gottenheim (Baden-Württemberg) war im Netz aktiv. Die 14-Jährige spielte Fortnite – und traf dort im Chat vermutlich auf ihren mutmaßlichen Mörder Jan Heiko P.

Ayleen (†14) und ihr mutmaßlicher Mörder (29) lernten sich im Internet kennen

Die vermisste Ayleen aus Gottenheim ist tot. Offenbar ist das 14-jährige Mädchen in eine tödliche Falle gelockt worden - und zwar von einem verurteilen Sexualstraftäter, der bereits jahrelang von Behörden überwacht wurde. Laut ersten Ermittlungsergebnissen soll Ayleen den 29-jährigen mutmaßlichen Täter im Netz kennengelernt haben. Und genau hier liegt für Martin Bregenzer von der Initiative Klicksafe die große Gefahr.

„Wenn Erwachsene den Kontakt suchen, zu Kinder und Jugendlichen, dann haben sie im Internet den großen Vorteil, dass sie dabei nicht so gut beobachtet werden können, wie im richtigen Leben.“ Für Eltern hat er deswegen folgenden Tipp: „Generell ist es wichtig, dass man als Eltern oder als andere erwachsene Bezugsperson Kinder und Jugendlichen vermittelt, dass man ansprechbar ist. Wenn es Probleme gibt, wenn man unangenehme Erfahrungen macht im Internet, dass die Kinder und Jugendlichen immer zu einem kommen können und man helfen kann.“

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Darum hat Fortnite so ein großes Suchtpotential Spielsucht Fortnite
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Polizei: Ayleen (†14) und ihr mutmaßlicher Mörder chatteten bei Fortnite

Ayleen soll laut Polizei in den sozialen Netzwerken und auch im Online Gaming aktiv gewesen sein. Auch hier werde man noch Spuren nachgehen, so der leitende Kriminaldirektor der Polizei Freiburg, Arno Englen zu RTL. Offenbar kannten sich der mutmaßliche Täter und die getötete Ayleen schon länger. „Ayleen und der Täter kannten sich über das Internet. Nach unserem jetzigen Stand bereits über mehrere Wochen“, so Arno Englen weiter. Der 29-jährige mutmaßliche Täter hat offenbar mehrere Wochen mit Ayleen geschrieben, um ihr Vertrauen zu gewinnen. „Es sind die großen sozialen Netzwerke involviert und ein Spiel, Fortnite, eines der größten Online-Games, die es weltweit aktuell gibt.“

Bei Fortnite werden 100 Spieler auf einer Insel ausgesetzt und auf einer Landkarte verteilt. Das Ziel: Alle anderen zu töten, denn wer als Letzter übrig bleibt, hat gewonnen. Das Gute daran ist, dass auf der Bildschirmfläche kein Blut fließt – die getöteten Gegner verschwinden in einem blauen Lichtkegel. Wer am Ende übrig bleibt, gewinnt die Spielrunde – weltweit begeistern sich über 350 Millionen registrierte Nutzer an dem Spiel.

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Sexualstraftäter Jan Heiko P. soll Ayleen (14) getötet haben: Wie kann das sein?

Jan Heiko P. soll Ayleen (14) getötet haben Was ist schiefgelaufen?
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Eltern sind in der Kontroll-Pflicht - Verantwortung statt Vertrauen

Und doch ist es immer wieder erschreckend, wie bedenkenlos manche Eltern ihre Kinder vor Tablet, Handy oder Computer setzen, ohne sich der gravierenden Konsequenzen bewusst zu sein. „Das Internet ist für Kinder und Jugendliche kein Spielplatz. Es ist weder sicher noch ist es in Kinderhänden geeignet“, sagt Beate Krafft-Schöning von der Initiative NetKids im RTL-Interview.

Auf der anderen Seite sei es so, dass gerade pubertierende Kinder sich ausprobieren wollen. Den Eltern wird dann nicht mehr alles erzählt, Kinder überschätzen sich und glauben, alles im Griff zu haben. Doch dann könne es eben auch zu Kontakten kommen, die gefährlich sind.

Beate Krafft-Schöning von der Initiative NetKids
Beate Krafft-Schöning von der Initiative NetKids
RTL

Expertin empfiehlt: Eltern sollten Internet-Konsum ihrer Kinder kontrollieren

Über 22 Jahre beschäftigt sich die Autorin Beate Krafft-Schöning mit den Gefahren für Kinder und Teenager im Netz. Für sie ist eines völlig klar: „Eltern müssen mit ihren Kindern sprechen, wenn die Kinder anfangen, das Internet zu benutzen. Und Eltern haben auch die Pflicht, zu kontrollieren“, so die Expertin im RTL-Interview. Zu gefährlich seien die Möglichkeiten, ein Kind im Internet anzusprechen, daher sei Kontrolle unbedingt notwendig.

„Man sollte den Mut haben, auch über die Dinge zu sprechen, die im Internet nicht so schön sein können. Und den Weg für das Kind aufmachen, dann in diesen Fällen eben zu den Eltern zu kommen.“ Deswegen sollten das Internet und seine Gefahren auch in der Schule viel häufiger Thema sein. Auch eine Überwachung, beispielsweise über Apps, sei hier möglich, so Krafft-Schöning. „Ich schicke mein Kind ja auch nicht ohne Führerschein in den Straßenverkehr. Kinder und Jugendliche können Gefahren oft nicht einschätzen. Und insbesondere wenn sie in der Pubertät sind, wollen sie Erfahrungen machen, von denen die Eltern nichts wissen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess in der Entwicklung, aber dann eben sehr gefährlich, wenn es die falschen Kontakte betrifft.

Eltern sollten deshalb den Internetkonsum ihrer Kinder immer mal wieder überwachen. „Mal fragen: Was machst du da? Bei Spielen auch mal fragen: Mit wem hast du da Kontakt? Damit die Kinder immer auch wissen: Ich bin als Mutter und Vater Teil des Teams“, so die Netz-Expertin. Eltern, die ihren Kindern Vertrauen aussprächen, würden damit die Verantwortung auf ihre Kinder schieben. „Es hat etwas mit Verantwortung zu tun, wenn mein Kind nicht die falschen Menschen im Internet trifft“, so Krafft-Schöning.

Lese-Tipp: Wie können wir unsere Kinder vor Missbrauch im Netz schützen?

Wie können Eltern Ihre Kinder schützen?

Die Journalistin kennt aus eigenen Recherchen die Vorgehensweise vieler Pädophiler in Online-Chats und weiß daher, wie gefährlich das für Kinder sein kann. „Für ein Kind ist es schwer, zu erkennen, dass das jetzt kein wirklicher Freund ist“, so Krafft-Schöning. „Kinder sind Kinder, Verantwortung mag ich nicht auf Kinder übertragen.“ Es sei wichtig, dass Eltern, die Schulen und andere öffentliche Einrichtungen immer wieder auf diese lauernde Gefahr im Netz aufmerksam machen.

Lese-Tipp: Kampf gegen Cyberkriminalität: Das brauchen wir zum Schutz unserer Kinder

Die genauen Online-Kontakte von Ayleen und ihre Korrespondenz mit dem Verdächtigen muss jetzt von den Ermittlern durchleuchtet werden. Völlig offen ist noch, was Ayleens Eltern und ihre Familie von ihren Online-Bekanntschaften wussten. (kra)