29-Jähriger soll schon einmal ein Mädchen angegriffen haben

Pflegekind, Psychiatrie und Feuerteufel: Das wissen wir über Ayleens mutmaßlichen Mörder Jan Heiko P.

Jan Heiko P. soll Ayleen (14) getötet haben Was ist schiefgelaufen?
02:50 min
Was ist schiefgelaufen?
Jan Heiko P. soll Ayleen (14) getötet haben

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Ganze neun Tage lang galt Ayleen aus Gottenheim ( Baden-Württemberg) als vermisst. Am Freitagabend dann die traurige Gewissheit: die 14-Jährige lebt nicht mehr. 300 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt, findet die Polizei die Leiche der Schülerin am Teufelsee in der Wetterau (Hessen). Schnell präsentieren die Ermittler einen Verdächtigen. Es ist Jan Heiko P. (29). RTL begibt sich auf Spurensuche in seiner Heimatstadt Waldsolms (Hessen) und findet heraus: Jan Heiko P. soll schon einmal ein Mädchen angegriffen haben.

Auf Spurensuche in der Heimat des mutmaßlichen Mörders von Ayleen (✝14)

Jan Heiko P. (29) wurde festgenommen. Der Wachmann soll Ayleen (14) getötet haben
Wachmann Jan Heiko P. (29) soll die 14-jährige Ayleen getötet haben.
Privat

Jan Heiko P. soll schon einmal ein Mädchen angegriffen haben

Nicht einmal 3000 Einwohner zählt der größte Ortsteil Brandoberndorf der mittelhessischen Gemeinde Waldsolms im südlichen Lahn-Dill-Kreis, wo der Tatverdächtige im Mordfall von Ayleen aufgewachsen sein soll. Im Gespräch mit einigen Brandoberndorfern wird schnell klar, dass der Verdächtige im Fall Ayleen hier im Dorf kein Unbekannter ist. Schon am Parkplatz trifft RTL-Reporterin Alicia Beisel einen Mann, der Jan Heiko P. und dessen frühere Pflegefamilie kennen will. Der Reporterin erzählt er, dass der Tatverdächtige schon immer auffallend gewesen ist. Er soll aus schwierigen Familienverhältnissen kommen und sei als Pflegekind bei einer Familie im benachbarten Griedelbach (700 Einwohner) aufgewachsen.

Wenn er als Kind in einen Laden kam, habe man schon immer auf die Sachen aufpassen müssen, erinnert sich ein Brandoberndorfer im Gespräch mit RTL-Reporterin Alicia Beisel. Zudem soll er hier im Schwimmbad in Waldsolms-Brandoberndorf schon einmal auf ein Mädchen los gegangen sein.

Und der Verdächtige hat scheinbar noch mehr auf dem Kerbholz. Nach RTL-Informationen stand der 29-Jährige immer mal wieder mit Bränden in Verbindung. Jan Heiko P. sei bei Feuerwehr-Einsätzen aufgetaucht und habe die Feuerwehrkräfte zu Einsätzen befragt.

Mordverdächtiger Jan Heiko P. posiert mit Schlagersängerin Annemarie Eilfeld.
Jan Heiko P. posiert mit Schlagersängerin Annemarie Eilfeld. Der 29-Jährige war offenbar an deutschen Promis interessiert.
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Deutscher (29) war zehn Jahre in psychiatrischem Krankenhaus

Wie die Bild-Zeitung berichtet, soll Jan Heiko P. als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma arbeiten. Der 29-Jährige wohnt demnach in einem Ein-Zimmer-Apartment, das vom Jobcenter bezahlt werden soll.

Zehn Jahre lang, von 2007 bis 2017, war der 29-Jährige wegen eines versuchten Sexualdelikts außerdem in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das bestätigte der Leiter der Staatsanwaltschaft Freiburg, Dieter Inhofer, am Montag bei einer Pressekonferenz.

Bis vor kurzem war er in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter, wie der Präsident des hessischen Landeskriminalamts, Andreas Röhrig, am Montag in Freiburg erklärte.

Die Vorwürfe bestritt der Verdächtige zunächst und schweigt nun. Die ermittelnde Freiburger Staatsanwältin Franziska Scheuble sagte, es bestehe der dringende Tatverdacht eines Sexualdelikts. Nähere Angaben könne sie wegen der laufenden Ermittlungen dazu derzeit nicht machen.

Was die Polizei außerdem über den tatverdächtigen Mann aus Hessen preisgibt, erfahren Sie in unserem Video unten. Der Verdächtige sitzt seit Freitag in Untersuchungshaft und schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Ayleen aus Gottenheim (Baden-Württemberg) wurde nur 14 Jahre alt

Ayleens Mörder ein bereits vorbestrafter Sexualstraftäter? Polizei präsentiert Verdächtigen
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Gebiet um den Teufelsee ist schwer zugänglich

Wie die 14-Jährige ums Leben kam, ist nach Auskunft der Ermittler noch unklar. Dass der Leichnam mehrere Tage im Wasser lag, erschwere die Arbeit der Rechtsmediziner, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Freiburg, Dieter Inhofer weiter. Eine erste Obduktion habe keine genauen Erkenntnisse hierzu erbracht.

Das Gebiet in der Wetterau zwischen Echzell und Reichelsheim-Weckesheim, in dem Teufelsee und Pfaffensee liegen, steht seit 1991 unter Naturschutz, bis Ende der 80er wurde dort Braunkohle gefördert, heute leben hier viele Vögel, Libellen und Amphibien. Unwegsames Gelände, das Teufelsee-Ufer ist verwuchert und schwer zugänglich, hier hatte der Täter Ayleens Leiche abgelegt. 300 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt.

Durch eine Handyortung und technische Überwachung fanden die Ermittler die Leiche der 14-Jährigen. Man habe dadurch herausgefunden, dass sich der Verdächtige länger an dem See in Hessen aufgehalten hat, sagte der Präsident des hessischen Landeskriminalamts, Andreas Röhrig. Dann habe man mit Hubschraubern und Tauchern die Leiche gesucht. Sie sei auf dem Wasser getrieben, sagte Röhrig.

Wie gelangte Ayleen A. von Gottenheim nach Hessen? Eine von vielen Fragen, auf die die Ermittler womöglich bei einer Pressekonferenz am Montag um 14 Uhr in Freiburg Antworten geben.
Von Gottenheim nach Hessen sind es knappe 300 Kilometer. Gut möglich, dass der mutmaßliche Mörder von Ayleen das Mädchen im Auto mitgenommen hat.
RTL

Ayleens Kleidung in Wohnung des Verdächtigen entdeckt?

„Hier gibt es auch keinen Publikumsverkehr“, sagt RTL-Reporter Stephan Richter, der sich vor Ort einen Eindruck gemacht hat. „Das wiederum legt den Verdacht nahe, dass der oder die Täter sich hier ausgekannt haben.“

Das Mädchen kam im Auto des Tatverdächtigen nach Hessen. Ob die 14-Jährige freiwillig gefahren ist oder unter welchen Umständen sie in das Fahrzeug kam, ist noch unklar. Durch umfangreiche technische Maßnahmen sind die Polizisten auf den Tatverdächtigen gekommen, dessen Wohnung sie am Freitag durchsuchten. Dort hatten sie Gegenstände von Ayleen gefunden. Daraufhin startete die Suche nach dem Mann, der nicht in seiner Wohnung in Wetzlar war. Wie die Freiburger Polizei am Montag bestätigte, nahmen Ermittler den Tatverdächtigen in Frankfurt fest. Ihm werden Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht vorgeworfen.

Ayleen wurde tot Weeterau gefunden.
Ayleen wurde tot in der Wetterau aufgefunden.
RTL/ privat

Ayleen und ihr mutmaßlicher Mörder hatten sich im Internet kennengelernt

Ayleen soll laut Polizei in den sozialen Netzwerken und auch im Online Gaming aktiv gewesen sein. Auch hier werde man noch Spuren nachgehen, so Einsatzleiter Arno Englen bei der Pressekonferenz am Montag. Offenbar kannten sich der mutmaßliche Täter und die getötete Ayleen schon länger. „Ayleen und der Täter kannten sich über das Internet . Nach unserem jetzigen Stand bereits über mehrere Wochen“, so Arno Englen weiter. „Es sind die großen sozialen Netzwerke involviert und ein Spiel, , Fortnite', eines der größten Online-Games, die es weltweit aktuell gibt.“

Die 14-Jährige soll ein sehr schüchternes und zurückhaltendes Mädchen gewesen sein, das sich auch oft um seinen jüngeren Bruder kümmerte.

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Ayleen wollte nur kurz zu einem Freund - und verschwand spurlos

Wie RTL erfuhr, lebte Ayleens Familie seit 18 Jahren in Gottenheim. Am 21. Juli war das Mädchen von zu Hause aufgebrochen, offenbar wollte es nur schnell einem Freund einen Pullover bringen. Die 14-Jährige soll zwar an der Tür geklingelt haben, doch der Freund war nicht zu Hause. Sein älterer Bruder habe das Klingeln gehört, aber wohl nicht direkt reagiert. Als er öffnete, war Ayleen schon weg. Um 18 Uhr soll das Mädchen Medienberichten zufolge eine WhatsApp-Nachricht geschrieben haben. Seitdem fehlte von ihr jede Spur. Ihr Handy sei dem „Schwarzwälder Boten“ zufolge bis auf eine kurze Ausnahme nicht mehr erreichbar gewesen.

Am Samstag dann die traurige Gewissheit: Bei der Mädchenleiche, die am Abend zuvor am Teufelsee entdeckt worden ist, handelt es sich nach Ergebnis der gerichtsmedizinischen Untersuchung zweifelsfrei um die Schülerin. (kra/gsc/cwa/dpa)