Wer weiß, wie sie funktioniert, kann im Ernstfall Leben retten

Erste Hilfe: So geht Reanimation richtig

04. Dezember 2019 - 17:19 Uhr

Reanimation: Das sollte jeder über die Wiederbelebung wissen

Es ist der Albtraum für jeden: Plötzlich bricht ein Mensch zusammen, wird blass und zeigt keine Vitalzeichen mehr. Dann muss sofort gehandelt werden, jede Minute zählt. Das Problem: Viele trauen sich selbst einfache Hilfsmaßnahmen nicht zu. Das ist fatal, denn aktuelle Zahlen des "Nationalen Aktionsbündnis Wiederbelebung" belegen: Wenn sofort mit der Herzdruckmassage begonnen würde, könnten jedes Jahr 10.000 Leben in Deutschland, in Europa sogar über 100.000 Leben zusätzlich gerettet werden. Neuen Erkenntnissen zufolge ist nicht mal unbedingt eine Beatmung notwendig. Wichtig ist die Herzdruckmassage - und, dass überhaupt etwas getan wird! Wie Sie richtig reanimieren, lesen Sie hier. Die Kurzanleitung sehen Sie im Video.

Was ist eine Reanimation?

Als Reanimation bezeichnet man wiederbelebende Maßnahmen, die im Notfall an einem Betroffenen ausgeführt werden. Sie wird von Laien sowie von medizinischem Fachpersonal vorgenommen. Hintergrund ist immer, dass der drohende Tod des Betroffenen mittels Reanimation abgewendet werden soll. Man bezeichnet sie auch als Herz-Lungen-Wiederbelebung. Angewendet wird sie bei einem Kreislauf- und Atmungsstillstand. Dabei können eine Herzdruckmassage eingesetzt, eine Atemspende verabreicht und weitere Maßnahmen ergriffen werden, die der Kreislaufunterstützung dienen.

Eine zügige Reanimation erhöht die Überlebenschance des Betroffenen erheblich. Erlangt der Betroffene während der Maßnahme sein Bewusstsein wieder, ist die Wiederbelebung beendet. Dennoch sollte der Patient dann weiterhin betreut werden.

Wann ist eine Reanimation erforderlich?

Immer dann, wenn ein Betroffener unter einem lebensbedrohlichen Zustand leidet oder bereits einen Kreislaufstillstand hat, muss eine Reanimation durchgeführt werden. Das ist offensichtlich, wenn...

  • der Mensch nicht mehr ansprechbar ist
  • auf Zwicken oder Kneifen nicht reagiert
  • kein Puls mehr tastbar ist
  • die Atmung ausgesetzt hat oder
  • das Herz nicht mehr schlägt.

Die Wiederbelebung sollte unmittelbar nach Eintreten dieser Symptome erfolgen. Durch sie wird der Blutfluss äußerlich angeregt, damit die lebenswichtigen Organe wie das Hirn und das Herz weiterhin mit Blut versorgt werden. Ferner bringt die Reanimation neuen Sauerstoff in den Körper, der Schäden von den Organen abwenden kann.

Prüfen - Rufen - Drücken: So wird die Reanimation durchgeführt

  1. Prüfen Sie als Erstes, ob sie die kollabierte Person ansprechen können. Neigen Sie den Kopf nach hinten, heben Sie das Kinn und kontrollieren Sie die Atmung. Fremdkörper im Rachen sollten Sie nach Möglichkeit entfernen. Atmet die Person nicht oder nicht normal, ist eine Herzdruckmassage erforderlich. Bei dieser wird der Brustkorb rhythmisch komprimiert, um das Schlagen des Herzens zu imitieren und den Blutfluss am Laufen zu halten.
  2. Rufen Sie die 112 an und folgen Sie den Anweisungen. Wenn eine zweite Person anwesend ist, bitten Sie diese, die 112 anzurufen und wenn möglich einen Defibrillator zu holen.
  3. Drücken:
  • Legen Sie beide Hände auf die Mitte des Brustkorbs.
  • Drücken Sie 100-200 Mal pro Minute 5 bis max. 6 cm tief zum Rhythmus des Liedes "Stayin' Alive".
  • Falls Sie geschult sind, geben sie immer zwei Atemspenden nach 30 Kompressionen. Sind Sie nicht geschult, drücken Sie kontinuierlich weiter auf die Brust.
  • Drücken Sie fest und schnell. Keine Sorge: Sie können keinen schlimmen Schaden anrichten.
  • Ist ein Defibrillator verfügbar, schalten Sie diesen sofort ein und folgen Sie den Anweisungen.
  • Machen Sie weiter, bis die Rettungskräfte eintreffen und diese Sie auffordern aufzuhören.
  • Gut gemacht! Etwas zu tun ist immer besser, als nichts zu tun!

Welche Risiken gibt es bei einer Reanimation?

Viele Menschen haben Angst davor, eine Wiederbelebung durchzuführen - schließlich ist sie anstrengend, verantwortungsvoll und kann sogar Komplikationen hervorrufen. So kann es zu Rippenbrüchen beim Patienten kommen oder es kann die Lunge verletzt werden. Ebenso können Organe wie das Zwerchfell, die Leber oder die Milz leicht einreißen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Betroffene während der Reanimation seinen eigenen Mageninhalt einatmet. Zudem kann sich der Helfer selbst durch den direkten Körperkontakt mit einer Krankheit anstecken. Trotzdem überwiegen die positiven Aspekte einer Reanimation.

Wenn Sie sich mit Ihren Kenntnissen unsicher fühlen, besuchen Sie einen Reanimations- bzw. Erste-Hilfe-Kurs. So sind Sie vorbereitet, wenn es einmal zu einem Notfall kommt.