15. Mai 2019 - 16:19 Uhr

Enzephalitis - die Gehirnentzündung hat verschiedene Ursachen

Die Enzephalitis ist eine Entzündung des Gehirns, die meistens durch Infektionen hervorgerufen wird. Bei einer Mitbeteiligung der Hirnhäute liegt eine Meningoenzephalitis vor, wohingegen man bei einer Rückenmarksbeteiligung von einer Enzephalomyelitis spricht. Je nach betroffenem Hirngewebe wird zwischen Panenzephalitis, Polioenzephalitis und Leukenzephalitis unterschieden. Bei der Panenzephalitis ist das gesamte Gewebe des Gehirns entzündet. Bei der Polioenzephalitis sind nur Nervenzellen der "Grauen Substanz" betroffen, bei der Leukenzephalitis dagegen Nervenfasern der "Weißen Substanz" beeinträchtigt.

Ursache

Die meisten Gehirnentzündungen werden durch Viren hervorgerufen. So entsteht die Enzephalitis häufig im Rahmen von Tollwut, Masern, Mumps oder Röteln. Auch das gefürchtete FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird, kann eine Entzündung im Gehirn hervorrufen. Ebenso können verschiedene Viren der Herpes-Familie eine Enzephalitis verursachen.

Doch auch Bakterien wie die Erreger der Listeriose, der Syphilis oder der Borreliose kommen als Verursacher der Entzündung in Betracht. Ebenso können Parasiten wie Protozoen oder Würmer und Pilze das Gehirn befallen und so eine Entzündung verursachen. Zu den nicht infektiösen Ursachen gehören Autoimmunkrankheiten und Krebserkrankungen sowie paraneoplastische Syndrome.

Generell unterliegen ältere Menschen und Säuglinge einem höheren Risiko an einer Enzephalitis zu erkranken.

Symptome

Eine Enzephalitis beginnt plötzlich mit hohem Fieber. Die Betroffenen sind äußerst lichtempfindlich und in ihrem Bewusstsein gestört. Charakteristisch für eine Entzündung des Gehirns ist der sogenannte Opisthothonus. Es handelt sich dabei um einen starken Krampf der Hals- und Rückenmuskulatur. Da ausschließlich die Streckmuskulatur betroffen ist, entsteht eine Art "Brückenhaltung" des Körpers. Kopf und Beine liegen auf, während der Rücken nach oben überstreckt ist.

Ferner entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung vegetative Symptome wie ein verlangsamter Herzschlag. Je nach Lokalisation der Entzündung können Sehstörungen, Lähmungen oder andere neurologische Störungen auftreten. Im Rahmen der Enzephalitis können zudem epileptische Anfälle entstehen. Auch ein erhöhter Hirndruck inklusive der Hirndruckzeichen wie Erbrechen kann sich im Verlauf entwickeln. Bei einer zusätzlichen Reizung der Hirnhäute verspüren die Patienten extreme Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Nackensteife.

Komplikationen und Prognosen unterscheiden sich je nach Erreger. Während leichte Hirnentzündungen, die beispielsweise im Rahmen einer Grippe auftreten, kaum bemerkt werden, liegt die Letalität bei bakteriellen Entzündungen bei 50 Prozent. In schweren Fällen können auch geistige Behinderungen und Verhaltensstörungen zurückbleiben.

Diagnose

Die Symptome einer Enzephalitis sind eher unspezifisch und müssen deshalb differentialdiagnostisch zu anderen neurologischen Ausnahmezuständen abgeklärt werden. Mögliche Differentialdiagnosen sind Tumore, Hirnabszesse, Hirnblutungen, Syphilis und Tuberkulose.

Zur Diagnosestellung kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Eine Möglichkeit ist, den Erregernachweis durch eine Lumbalpunktion zu erbringen. Dabei wird aus dem Duralsack im Bereich der Lendenwirbelsäule Liquor entnommen und auf Erreger untersucht. Weitere Hinweise auf eine Gehirnentzündung liefern die Enzephalografie und die Kernspintomografie.

Behandlung

Jede Enzephalitis erfordert eine stationäre Beobachtung und Behandlung im Krankenhaus. Entzündungen, die durch Bakterien verursacht wurden, werden mit Antibiotika behandelt. Die Therapie von viralen Hirnentzündungen gestaltet sich schwieriger. Bei einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren kommt Aciclovir zum Einsatz.

Vorbeugung

Einige Formen der Enzephalitis lassen sich durch Impfungen verhindern. Dazu gehört zum Beispiel die FSME-Enzephalitis.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.