Gravierende Beeinträchtigung

Gesundheitslexikon: Behinderung

16. April 2019 - 14:42 Uhr

Was versteht man unter dem Begriff "Behinderung"?

Das Sozialgesetzbuch definiert Behinderung dergestalt, dass eine solche gegeben ist, wenn entweder die seelische Gesundheit, die körperlichen Funktionen oder die geistigen Fähigkeiten eines Menschen derart vom für das Lebensalter typischen Zustand abweichen, dass die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben massiv beeinträchtigt ist. Dies gilt nur dann, wenn der Zustand länger als sechs Monate andauert und gravierende Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Weltweit gibt es zum Teil hitzige Kontroversen darüber, was unter einer Behinderung zu verstehen ist. Wann kann von einer Behinderung gesprochen werden und wann handelt es sich lediglich um eine Normvariante oder möglicherweise sogar um ein soziales Stigma?

Welche Formen der Behinderung gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten an Beeinträchtigungen. Diese können laut Sozialgesetzbuch unter anderem folgende Formen annehmen:

- körperlich (zum Beispiel eine Gehbehinderung)

- Sinnesbehinderungen (Blindheit, Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit, Taubblindheit etc.)

- psychisch (chronische psychische Krankheiten wie Schizophrenie oder Bipolarität)

- sprachlich (Störungen beim Spracherwerb, Stottern, Stammeln usw.)

- geistig (massive Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten, die ein selbstständiges Leben unmöglich machen)

- Lernbehinderung (gravierendes Schulleistungsversagen oder Minderbegabung, wobei die Kriterien für eine geistige Behinderung nicht erfüllt sind)

Wie entsteht eine Behinderung?

Behinderungen können auf zwei verschiedene Arten entstehen: Entweder sie werden im Laufe des Lebens erworben oder sind angeboren. Erworbene Beeinträchtigungen sind möglich durch äußere Gewalteinwirkung (zum Beispiel einen Unfall), Schädigungen während des Geburtsvorgangs, durch Krankheiten oder durch natürliche Alterungsprozesse. Ist eine Behinderung angeboren, ist sie entweder erblich bedingt (wie zum Beispiel das Down-Syndrom bzw. Trisomie 21) oder während der Schwangerschaft entstanden. Im letzteren Falle ist Alkohol- oder Drogenkonsum der werdenden Mutter eine häufig auftretende Ursache, die das Baby im Mutterleib nachhaltig schädigen kann.

Grad der Behinderung (GdB)

Ermittelt wird der Grad der Behinderung (GdB) durch das Versorgungsamt, das Atteste und medizinische Gutachten auswertet. Möglich sind Einstufungen zwischen 20 und 100. Ab einem Grad von 50 gilt ein Mensch als schwerbehindert und kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Da es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen gibt, ist es sinnvoll, bei der jeweiligen Stadtverwaltung anzufragen, wo ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden kann. Wird dieser genehmigt, müssen Betroffene darauf achten, dass sie sich drei Monate vor Ablauf um eine Verlängerung kümmern. Der GdB wird in regelmäßigen Abständen neu geprüft und bewertet. Er kann sich verbessern oder verschlechtern.

Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises

Ein Schwerbehindertenausweis kann den Betroffenen sowohl Vorteile als auch Nachteile bringen. Als Vorteile sind vor allem Steuererleichterungen, ein besonderer Kündigungsschutz, Anspruch auf Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Unterstützung bei der behindertengerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes und medizinische Leistungen und Hilfsmittel des Versorgungsamtes zu nennen (zum Beispiel Haushaltshilfen). Häufig erleben Betroffene jedoch aber auch Diskriminierung. So scheuen sich Arbeitgeber oft, Schwerbehinderte einzustellen, weil diese besonderen Kündigungsschutz genießen und das Integrationsamt einer Kündigung zustimmen muss. Auch ist eine Schwerbehinderung manchmal ein Stigma und kann den Betroffenen soziale Nachteile wie Ausgrenzung und Abwertung bringen.