Das sind die Auslöser der Infektionskrankheit

Fakt oder Mythos: Kann man Herpes bekommen, weil man sich ekelt?

11. November 2020 - 16:44 Uhr

Etwa 80 Prozent der Deutschen infizieren sich mit dem Herpes-Virus

Herpes simplex wird durch zwei Viren, den Herpes-Simplex-Virus 1 (HSV1) und den Herpes-Simplex-Virus 2 (HSV2), ausgelöst. Wussten Sie, dass sich etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland bereits im Kleinkindalter mit dem HSV1 Virus infizieren? Dieses verursacht hauptsächlich Lippenherpes, während das HSV2 vorwiegend Genitalherpes auslöst. Die Viren bleiben nach einer Ansteckung lebenslang im Körper und können dadurch immer wieder reaktiviert werden, was sich in den typischen Bläschen und Juckreiz äußert. Viele Menschen bemerken ihre Herpes-Erkrankung erstmalig, nachdem sie sich heftig geekelt haben. Kann also auch starker Ekel Herpes auslösen – oder ist das nur ein Mythos?

Kann man Herpes bekommen, weil man sich ekelt?

Die Antwort lautet: Jein. Denn die Erkrankung kann nicht durch Ekel entstehen, beziehungsweise in den Körper gelangen. Dies muss durch eine Virusübertragung passieren. Herpes-Viren werden durch Schmierinfektion, über die Schleimhäute sowie kleinste Verletzungen der Haut, übertragen. Dies geschieht durch intime Kontakte wie Küssen, Oral- und Geschlechtsverkehr. Auch Schwangere können ihr Baby bei der Geburt anstecken, falls die Bläschen im Genitalbereich gerade ausgeprägt sind. Bei der Erstinfektion wandern die Viren ins zentrale Nervensystem und setzen sich dort ab.

Aber: Es ist sehr wohl möglich, dass der Herpes (zum ersten Mal oder erneut) in Erscheinung tritt, nachdem Sie sich geekelt haben. Denn Ekel setzt den Körper unter Stress – und kann damit das Immunsystem schwächen. Sobald das Immunsystem geschwächt ist oder eine Reizung des Nervensystems stattfindet, werden die Viren reaktiviert. Ebenso können Fieber, Infektionen, Verletzungen, hormonelle Veränderungen und die Einnahme bestimmter Medikamente sowie übermäßige Sonneneinstrahlung zu einer Reaktivierung führen.

LESE-TIPP: Ein Arzt erklärt, was wichtig ist: So stärken Sie Ihr Immunsystem!

Lippenherpes (Herpes labialis) kann bis zu 2 Wochen sichtbar bleiben

Bei Lippenherpes kommen die Bläschen am Mundbereich oder auch anderen Stellen im Gesicht vor. Nach der ersten Ansteckung dauert es etwa drei bis sieben Tage, bevor der Mensch ein Spannungsgefühl auf der Haut und einen Juckreiz bzw. Brennen verspürt. Danach bilden sich kleine Bläschen aus, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind und schmerzen können. In der Flüssigkeit befinden sich die Viren, daher ist Vorsicht geboten, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Das Abheilen dauert etwa bis zu zwei Wochen. Die Bläschen trocknen und bilden eine Kruste, die schließlich abfällt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Genitalherpes (Herpes genitalis): Eine schmerzhafte Angelegenheit

Die Beschwerden bei Genitalherpes nach der ersten Ansteckung sind meist schlimmer als nach einer Reaktivierung. Binnen einiger Stunden bis Tage schwillt der Genitalbereich an. Die Bläschen können sich auf die angrenzende Haut ausbreiten und bis zu drei Wochen brennen, jucken und in schlimmen Fällen Fieber und Schmerzen in Kopf, Muskeln sowie beim Wasserlassen auslösen. Falls die Viren durch Anal- oder Oralverkehr übertragen wurden, können die Beschwerden ebenfalls in Rachen und Enddarm auftreten.

Wie wird Herpes diagnostiziert?

Anhand der Symptome kann der Arzt bereits feststellen, ob es sich um Herpesviren handelt. Zusätzlich kann ein Abstrich aus den Bläschen gewonnen werden, der im Labor untersucht wird. Auch das Bilden von Antikörpern im Blut weist darauf hin, ob es sich um Herpesviren handelt. Diese Untersuchungsmaßnahmen sind erforderlich, um Infektionen, etwa durch Pilze oder andere Erreger, die ähnliche Anzeichen hervorrufen, auszuschließen.

Behandlung/Therapie bei Herpeserkrankungen

Der Mensch kann nicht von den Herpesviren befreit werden. Lediglich die Symptome können durch virustatische Salben und Tabletten gelindert und die Vermehrung der Viren somit unterbunden werden.

Wie kann man eine Herpes-Infektion verhindern?

Ein umfangreicher Schutz ist kaum möglich. Während Genitalherpessymptome präsent sind, ist auf Geschlechtsverkehr zu verzichten und auf strikte Hygiene in Bad und Toilette zu achten, um weitere Ansteckung zu vermeiden, bis die Anzeichen abgeklungen sind.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.