Eine eigene Proteinklasse

Gesundheitslexikon: Antikörper (Immunglobuline)

© deutsche presse agentur

2. April 2019 - 14:56 Uhr

Antikörper spielen eine große Rolle für das Immunsystem

Zum körpereigenen Abwehrsystem gehören die Antikörper oder Immunglobuline. Eine bestimmte Immunglobulin-Art nennt man auch Gammaglobulin. Die Immunglobuline befinden sich in unserem Blut und sorgen dort dafür, dass wir gesund bleiben. Immunglobuline erkennen eindringende, dem Körper fremde Krankheitserreger, also Viren oder Bakterien, und lösen daraufhin sofort lebenswichtige Abwehrvorgänge aus.

Was sind Antikörper?

Antikörper (Immunglobuline, Gammaglobuline) sind c, die eine große Rolle für das menschliche Immunsystem spielen. Ihre Produktion erfolgt in den sogenannten Plasmazellen. Eine Erhöhung oder Verminderung der Immunglobuline im Blut kann ein mögliches Symptom verschiedener Erkrankungen des blutbildenden Systems (Knochenmark), des zentralen Nervensystems und auch bei krankhaften Veränderungen des lymphatischen Systems sein. Das häufigste Immunglobulin in unserem Blut ist das Immunglobulin G, auch Gammaglobulin oder kurz IgG genannt. Es macht etwa 60 Prozent der Antikörper aus. Außerdem gibt es die Immunglobuline A, E, D und M.

Das Vorkommen bei Erwachsenen und Kindern

Gesunde Erwachsene haben im Blutserum eine Konzentration von sieben bis 16 Gramm Immunglobuline pro Liter. Kinder bilden ein voll funktionstüchtiges Immunsystem erst im Laufe der Jahre aus. Das heißt, dass ihre Konzentration von Gammaglobulin mit zunehmendem Alter ansteigt. Das IgG ist zudem das einzige Immunglobulin, das die Plazenta durchdringen kann. Auf diese Weise gelangt es in das Blut des Ungeborenen und kann dort vor vielen verschiedenen Krankheiten schützen. Die Antikörperkonzentration wird im Liquor, der Hirnflüssigkeit, gemessen. Bei der dafür nötigen Prozedur, der Lumbalpunktion, wird mit einer Hohlnadel Flüssigkeit aus dem Rückmarkkanal entnommen.

Die Funktion der Immunglobuline

Wenn Bakterien oder Viren zum ersten Mal in unserem Körper auftauchen, wird zunächst das Immunglobulin M (IgM) im Blut aktiv, um den Erreger zu identifizieren. Bei erneuten Angriffen durch diesen Erreger kommt dann das IgG zum Einsatz. So lässt sich bei der Untersuchung erkennen, ob eine Erkrankung neu aufgetreten ist. Immunglobuline haben eine Y-Form. Diese ermöglicht ihnen, wie eine Zange nach den Antigenen zu greifen, sie zu zerdrücken und schließlich zu verklumpen. So werden Erreger unschädlich gemacht und weitere Abwehrmechanismen ausgelöst. Makrophagen - die Killer- und Fresszellen -  sowie Phagozyten werden aktiviert. Sie sollen die Krankheitserreger zerstören. Die Immunglobuline machen gleichzeitig sogenannte Bakteriengifte unschädlich.

Was passiert bei einem Mangel bzw. Überschuss von Antikörpern?

Meistens kommt es bei Infektionen zu einem Anstieg der IgG-Konzentration. Auch autoimmun-entzündliche Erkrankungen, wie beispielsweise die Multiple Sklerose, lösen eine Erhöhung des IgG-Wertes aus. Die Leberzirrhose und das Plasmozytom, ein multiples Myelom, sorgen ebenfalls für eine erhöhte IgG-Konzentration im Blut. Masern oder Röteln, also bestimmte Viruserkrankungen, führen zu einer Verminderung an IgG im Blut. Durch Nieren- oder Magen-Darm-Erkrankungen kann es ebenfalls zu einem Verlust von Eiweißen kommen. Außerdem können Leukämie oder Lymphome die Ursache für abgesunkene IgG-Werte sein. Bestimmte Medikamente, die die Immunabwehr unterdrücken sollen, sind gleichfalls für eine Verminderung des IgG-Wertes verantwortlich. Die gleichen Effekte ruft eine genetisch bedingte Störung, die Agammaglobulinämie hervor.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.