Wissen über etwas haben

Gesundheitslexikon: Bewusstsein

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9. April 2019 - 10:56 Uhr

Bewusstsein – rätselhafte Selbstwahrnehmungskraft

Der Ausdruck "Bewusstes Erleben" erinnert Sie an esoterische Spinner und Yogafanatiker? Trotz solcher Assoziationen sind sich Wissenschaftler mittlerweile über die Existenz des Bewusstseins einig. Sie denken, also sind Sie. Eine Ihrer menschlichsten Charakteristiken ist das Bewusstsein, der Ursprung Ihres Ich-Gefühls und Ihrer Selbstwahrnehmungskraft. Dank des Bewusstseins erleben Sie die Welt mit allen Sinnen, wissen davon und reflektieren darüber. Erst durch das Bewusstsein können Sie Ihren Innen- sowie Außeneindrücken permanent Bedeutungen zuweisen. Genau definiert ist das Bewusstsein wissenschaftlich allerdings nicht.

Was ist Bewusstsein?

Sie fluchen laut über einen Passanten, der Sie versehentlich anrempelt. Gleichzeitig erleben Sie Ihren eigenen Wutausbruch mit, reflektieren darüber und erkennen ihn als übertrieben. Diese Selbstreflektionsfähigkeit ist Teil Ihres Bewusstseins. Dasselbe gilt für Ihre Fähigkeit, eigene Gefühle zu erkennen oder Pläne zu verwerfen. Die Wissenschaft fasst das Erleben mentaler Prozesse inklusive aller Gedanken und Gefühle als Bewusstsein zusammen. Innere Bewusstseinsprozesse lösen bestimmte Verhaltensweisen aus und verursachen weitere Gefühle und Gedanken, sogenannte Bewusstseinsinhalte. Die Untersuchung der Gehirnaktivitäten, die Bewusstseinsvorgänge auslösen, gehören zum Bereich der Neurowissenschaften. Der genaue Sitz und die Charakteristika von Bewusstwerdung sind den Wissenschaftlern bislang allerdings rätselhaft.

Anatomie des Bewusstseins

Zwar können die Neurowissenschaften die Prozesse der Bewusstwerdung und des Bewusstseins bislang nicht genau beschreiben. Allerdings markiert das Bewusstsein für Neurologen einen Geisteszustand, bei dem man die eigene Existenz und Umgebung erkennt. Das Bewusstsein steht für die Neurologie der unbewussten Gehirnaktivität gegenüber. Im Tiefschlaf oder in Narkose sind viele Gehirnteile aktiv, ohne dass bewusste Zustände eintreten. Ein Ansatz der Psychologie erklärt Bewusstsein wiederum als einen von mehreren Verarbeitungsmechanismen, mit denen Menschen Informationen aus der Umwelt aufnehmen können. Man unterscheidet in der Psychologie beispielsweise das "phänomenale Bewusstsein" (das bewusste Erkennen von inneren und äußeren Eindrücken) vom "Gedächtnisbewusstsein".

Ablauf der Bewusstwerdung

Alle neurowissenschaftlichen, kognitionswissenschaftlichen und psychologischen Erklärungsansätze zum Bewusstsein haben gemein, dass sie auf Informationsaufnahme und Aufmerksamkeitslenkung basieren. Je mehr Informationen aufmerksam beobachtet und eingeordnet werden, desto größer ist das Bewusstsein. In der Forschung wurde bisher nicht geklärt, ob im Gleichtakt schwingende Nervenzellen im Gehirn Bewusstsein erzeugen oder bewusstes Erleben durch Selbstbeobachtung des Gehirns entsteht. Dasselbe gilt für die genauen Mechanismen, die im Gehirn bei der Bewusstwerdung ablaufen. Einig ist man sich bislang nur darüber, dass Bewusstsein ein übergeordneter Prozess bei der Informationsverarbeitung zu sein scheint. Das Selbst-Bewusstsein entsteht nach einhelliger Meinung durch die Abgrenzung des Ichs von der Umwelt.

Krankheiten & Bewusstseinsstörungen

In der Medizin charakterisiert man einen Bewusstseinszustand über Eigenschaften wie die Wachheit, die Reaktionsbereitschaft und die Ansprechbarkeit einer Person. Unter Bewusstseinsstörungen fassen Ärzte Veränderungen des Normalbewusstseins zusammen, wie sie durch organische Veränderungen oder psychische Belastungen entstehen. Mit der Schlaf-Wach-Skala lassen sich zum Beispiel Bewusstseinsstörungen wie Koma oder Benommenheit erfassen. Bewusstseinszustände wie intensiviertes oder herabgesetztes Erleben erkennt man, indem man bestimmte psychische Veränderungen beobachtet. Da keine Einigkeit über die einzelnen Eigenschaften des Normalbewusstseins besteht, bleibt die Einordnung von Bewusstseinsstörungen allerdings eine Herausforderung.