Damit werden Bewusstsein und Schmerzempfinden des Patienten vollständig ausgeschaltet

Gesundheitslexikon: Narkose (Allgemeinanästhesie)

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23. Oktober 2019 - 11:02 Uhr

Viele chirurgische Eingriffe sind nur mit Narkose erträglich

Ohne Narkose oder Allgemeinanästhesie wären viele lebensrettende chirurgische Eingriffe nicht möglich, da der Patient sonst an unvorstellbaren Schmerzen und Traumata leiden würde. Durch die Ausschaltung von Bewusstsein und Schmerzempfinden bekommt der Betroffene vom Eingriff in nervenreichen Körperregionen jedoch nichts mit. Der Verlauf der Narkose wird während der Operation von einem Ärzteteam überwacht und gezielt gesteuert. Wir erklären, was eine Narkose ist, wie sie durchgeführt wird, was zu beachten ist und welche Risiken auftreten können.

Was ist eine Narkose bzw. Allgemeinanästhesie?

Die Begriffe Narkose und Allgemeinanästhesie werden synonym verwendet. Beide Wörter wurden aus dem Griechischen hergeleitet. So bedeutet das griechische Wort "narke" "Schläfrigkeit" oder "Lähmung", während das Wort Anästhesie aus dem Altgriechischen stammt und dessen sinngemäße Übersetzung "keine Wahrnehmung" lautet. Bei der Narkose kommt es zur Ausschaltung der drei Komponenten Bewusstsein, Schmerz und Muskelspannung. Das wird durch eine Kombination genau aufeinander abgestimmter Medikamente erreicht. Dabei kann die Narkose in drei Phasen eingeteilt werden. Zu diesen Phasen zählen die Einleitung der Narkose, ihre Stabilisierung und ihre Beendigung.

Wie funktioniert eine Narkose?

Um die Komponenten Bewusstsein, Schmerz und Muskelspannung auszuschalten, wird eine Kombination an Hypnotika, Analgetika und Muskelrelaxanzien eingesetzt. Die Hypnotika leiten den Schlaf durch ihr Wirken an den GABA-Rezeptoren ein. Des Weiteren sind die Analgetika als Schmerzmittel für die Eliminierung des Schmerzes verantwortlich. Das wird durch ihr Andocken an Opiatrezeptoren erreicht. Schließlich sorgen Muskelrelaxanzien für die Erschlaffung der Muskulatur durch die Blockierung der neuromuskulären Reizübertragung an Acetylcholinrezeptoren. Während der Patient durch die Ausschaltung von Bewusstsein und Schmerz nichts von der Operation mitbekommt, ermöglicht die Erschlaffung der Muskulatur eine problemlose künstliche Beatmung.

Wie wird eine Allgemeinanästhesie durchgeführt?

Kurz vor Einleitung der Narkose befragt ein Anästhesistenteam den Patienten noch einmal zu Vorerkrankungen, Medikation und letzter Nahrungsaufnahme. Nach Gabe einer Beruhigungstablette werden Überwachungskabel und Zugangsschläuche für die intravenöse Verabreichung der Narkosemittel angelegt. Vor der Infusion der Schlaf- und Schmerzmittel wird über eine Beatmungsmaske zunächst reiner Sauerstoff zugeführt. Nachdem der Tiefschlaf innerhalb weniger Sekunden eintritt, beginnt sofort die künstliche Beatmung. In der darauffolgenden Phase wird durch die Steuerung der Medikamentenzuführung der Zustand der Narkose während der Operation aufrechterhalten. Nach Beendigung des chirurgischen Eingriffs beginnt die Ausleitung der Narkose mit dem Zufuhrstopp der Narkosemittel.

Was muss bei einer Narkose beachtet werden und welche Risiken gibt es?

Vor einer Allgemeinanästhesie ist eine Nahrungskarenz von mindestens sechs Stunden einzuhalten, um ein Erbrechen von Mageninhalt oder dessen Aspiration in die Lunge zu vermeiden. Zudem sollte wenige Stunden vor der Operation nicht geraucht werden. Dadurch erhöht sich der Sauerstoffgehalt des Blutes, sodass die Risiken abgesenkt werden können. Obwohl eine Narkose heutzutage weitgehend risikofrei ist, sind bei Personen mit schweren Vorerkrankungen unnötige Operationen kontraindiziert, die eine Allgemeinanästhesie erfordern. Ein leicht erhöhtes Risiko haben auch ältere Personen und sehr kleine Kinder. Selbst bei unkomplizierten ambulanten Operationen mit Narkose sollte sich der Patient mindestens einen Tag ausruhen und in dieser Zeit nicht selbst Auto fahren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.