Schmerzmedikamente

Gesundheitslexikon: Analgetika

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2. April 2019 - 11:53 Uhr

Analgetika - stark gegen Schmerzen

Unter Analgetika verstehen sich Stoffe zur Schmerzstillung, die akut oder retardiert, mit Depotwirkung, oral oder intravenös, als Zäpfchen oder Pflaster verabreicht werden können. Schmerzmittel gehören weltweit zu den am häufigsten eingenommenen Arzneimitteln und sind teilweise frei verkäuflich.

Arten von Schmerzmitteln

Seit 1986 existiert ein von der WHO entwickelter Stufenplan zur Schmerzbekämpfung, der international gebräuchlich ist. Vorgesehen ist hierbei ein stufenweises Vorgehen von Stufe eins bis zwei beziehungsweise drei, sollte die Wirkung des eingenommenen Präparats unzureichend sein. Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente aus derselben Untergruppe erzielt in den meisten Fällen keine verbesserte Schmerzstillung.

- Stufe eins: nichtopioide Analgetika wie Paracetamol oder Metamizol oder NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie ASS, Dicolfenac, Ibuprofen, Naproxen

- Stufe zwei: schwach wirkende Opioide wie Tramadol, Tillidin/Naloxon, Codein

- Stufe drei: stark wirkende Opioide wie Morphin, Fentanyl, Oxycodon, Piritramid, Methadon

Wirkung von Svhmerzmitteln

Nichtopioide Analgetika und NSAR verfügen über verschiedene schmerzstillende Mechanismen. So hemmen diese die körpereigene Ausschüttung von Entzündungshormonen, sodass die Schmerzweiterleitung an das Gehirn unterbrochen wird. Zudem fördern diese Substanzen die Ausschüttung von Serotonin, welches die Schmerzwahrnehmung beeinflusst, und fungieren im Cannabinoidsystem des Gehirns als Türöffner zur Entspannung und Beruhigung. Opioide entfalten sich, im Gegensatz zu den nichtopioiden Analgetika, ausschließlich im zentralen Nervensystem, sie müssen also die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Dabei binden sich die Opioide an verschiedene Rezeptoren und wirken entweder unterstützend (agonistisch), hemmend (antagonistisch) oder beides gleichzeitig. Somit verstärken sie die körpereigenen Schmerzbekämpfungssysteme oder unterdrücken die Schmerzweiterleitung.

Anwendungsgebiete von Analgetika

Nichtopioide Analgetika und NSAR werden hauptsächlich bei leichten bis mittleren Beschwerden wie Kopfschmerzen, Migräne, Grippe, Menstruationsbeschwerden oder akuten Wundschmerzen eingesetzt und erzielen hierbei sehr gute Wirkungen. Opioide hingegen richten sich an Patienten mit akuten Schmerzen nach schweren Operationen und Verbrennungen. Auch bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Tumorleiden oder in der Palliativmedizin werden Opioide verwendet. Während nichtopioide Analgetika und NSAR frei verkäuflich und apothekenpflichtig sind, unterliegen die meisten Opioide dem Betäubungsmittelgesetz und werden nur unter strengen Auflagen verschrieben und an Patienten verabreicht.

Das müssen Sie beachten

Paracetamol ist das einzig zugelassene Schmerzmittel, welches Sie in der Schwangerschaft kurzzeitig ohne Bedenken einnehmen können. NSAR verursachen aufgrund ihrer hohen Prostaglandin-Hemmung bereits nach wenigen Tagen Übelkeit und Magengeschwüre. Daher sollten sie niemals auf nüchternen Magen eingenommen werden. Bei längerer Anwendungszeit ist es sinnvoll, einen sogenannten Magenschutz zu verschreiben. ASS kann Bronchospasmen verstärken und dadurch einen Asthmaanfall auslösen. Schwache Opioide führen wegen ihrer Wirkung im zentralen Nervensystem oftmals zu Kreislaufbeschwerden, Übelkeit und Verstopfung. Diese Nebenwirkungen können jedoch durch Retard-Präparate gemindert werden. Bei anhaltenden Beschwerden hilft meist nur die Umstellung auf ein starkes Opioid, da eine Dosissteigerung immer mit der Verstärkung von unerwünschten Nebenwirkungen einhergeht.

Stark wirkende Opioide führen häufig zu Schläfrigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Hautreaktionen und Atemaussetzern. Auch hier kann die Retard-Medikation Abhilfe verschaffen. Wichtig ist dabei aber, dass die Retard-Kapseln niemals zerkleinert eingenommen werden dürfen, da hierbei Tod durch Überdosis droht. Der Organismus führt die Kapseln in ihre eigentliche Wirkform über. Eine Überdosierung kann ebenfalls bei Opioid-Pflastern vorkommen, wenn diese bei Fieber verwendet werden. Stark wirkende Opioide dürfen außerdem bei verschiedenen Herz- und Lungenerkrankungen sowie bei Darmproblemen nicht verschrieben werden, da diese zu einer Verschlimmerung der Ausgangssituation führen können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.