Happy Birthday, neue Leber!

"Der Anruf kam fast zu spät!" Hendrik Verst feiert Organspende-Jahrestag

Hendrik Verst feiert sein neues Leben Dank Organspende
01:55 min
Dank Organspende
Hendrik Verst feiert sein neues Leben

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von Vera Dünnwald

Letztes Jahr um die Zeit standen die Zeichen auf Ungewissheit: Hendrik Verst ist schwer krank, wartet sehnsüchtig auf eine neue Leber. Mit seiner Frau Denise und seinen fünf Kindern die Vorweihnachtszeit genießen? Für die Familie aus Düsseldorf ein Ding der Unmöglichkeit. Dann folgt die Rettung: Am 27. November 2021 wird der 36-Jährige in letzter Sekunde transplantiert – und erhält eine zweite Chance aufs Leben. Ein Jahr später blickt er zuversichtlich in seine Zukunft.

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"Zu hören, dass selbst der Arzt so mitgefiebert hat, war ein echter Gänsehaut-Moment für mich"

Wie schlecht es wirklich um ihn steht, erfährt Hendrik Verst (der bei Instagram als fitdad_hendrik bekannt ist) erst kurz nach seiner Transplantation: „Die Mediziner haben mir gesagt: ‘Herr Verst, den Dezember hätten Sie nicht überlebt.’ Das ist schon krass so etwas zu hören.“

Erst kurz vor knapp, so erzählt der Influencer im RTL-Interview, habe ihm die langersehnte Leber-Transplantation letztes Jahr das Leben gerettet. „Dass es aber so eng für mich war, habe ich selbst gar nicht so gemerkt. Wir hatten zum Beispiel kurz vor der Transplantation Freunde aus Berlin zu Besuch. Im Nachhinein haben sie uns erzählt, dass sie damals auf der Rückfahrt geweint haben, weil sie nicht wussten, ob sie mich überhaupt nochmal wiedersehen werden. Für sie war es damals ein Abschied.“

Doch der 36-jährige Familienvater aus Düsseldorf hat unglaubliches Glück: Er bekommt rechtzeitig die neue Leber, die er so dringend zum Überleben braucht. „Mittlerweile hat mir der Oberarzt, der das Organ damals entgegengenommen hat, erzählt, wie er die Situation damals wahrgenommen hat. Er habe nicht gewusst, für welchen Patienten die Leber angedacht war. Nur, dass sie von guter Qualität sei. Dann sei er nach Hause gefahren, um meine Instagram-Story zu verfolgen, ob ich das Telefonhörer-Symbol drin habe. Kurze Erklärung: Das hatte ich immer in meiner Story, wenn ich einen wichtigen Anruf erhalten habe, der mit der Transplantation zu tun hatte. Und das hatte ich tatsächlich genau an dem Tag! Er sagte mir dann: ‘Ich hab die ganze Zeit über so gehofft, dass die Leber für Sie ist.“ Er wusste ja schließlich, wie dringend ich eine neue brauchte. Zu hören, dass selbst der Arzt so mitgefiebert hat, war ein echter Gänsehaut-Moment für mich.“

Die Operation verläuft gut und das erste Jahr, in dem das Abstoßungsrisiko am größten ist, liegt nun offiziell hinter ihm: „Das erste Jahr ist wirklich besonders, weil so viel passieren kann. Aber jetzt werden die Komplikationen, die häufig auftreten können, endlich weniger“, erklärt Verst.

Heute könnte es Hendrik Verst (36) nicht besser gehen

Körperlich hat er keinerlei Probleme mehr und besser könnte es ihm heute wohl kaum gehen: „Ich strotze nur so vor Energie und Kraft und bin so fit wie seit sieben Jahren nicht mehr.“ Manchmal, so sagt er, habe er gar keine Ahnung, was er mit seiner ganzen überschüssigen Energie anfangen soll. „Ich bin sehr dankbar für all das, was ich habe.“ Von ganz normalen Kleinigkeiten, von Dingen, die im Leben nun mal schiefgehen, lässt sich der 36-Jährige kaum noch beirren. „Ich bin gesund. Ich lebe. Da regt man sich nicht mehr so viel über Belanglosigkeiten auf.“

Zu frisch sind ihm dafür die Erinnerungen an die Zeit, in der das alles noch ganz anders aussah. Der fünffache Familienvater sagt: „Ich hatte ja auch eine andere Phase. Vor der Transplantation konnte ich vor dem Krankenhaus keine hundert Meter mehr gehen. Da habe ich zu meiner Frau gesagt: ‘Du musst irgendwie auf das Gelände fahren. Ich schaffe das nicht, der Eingang ist zu weit weg und alles zu anstrengend.’ Als Mittdreißiger, der immer Sport gemacht hat, war das schon hart.“

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Doch genau das liegt jetzt zum Glück hinter ihm. Auch wenn es Hendrik Verst gesundheitlich super geht, achten die Ärzte akribisch darauf, dass das auch so bleibt: „Ich werde regelmäßig in der Uniklinik in Essen durchgecheckt. Auch die anderen Organe, wie zum Beispiel die Galle, werden intensiv untersucht.“ Anstatt davon genervt zu sein, weiterhin so viele Arzttermine wahrnehmen zu müssen, obwohl man sich eigentlich gesund fühlt, stresst den Influencer kein bisschen: „Es macht mich sogar glücklich. Weil ich dahin fahren kann als Transplantierter.“

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Familienzeit als eines der absoluten Highlights

Besonders in Erinnerung geblieben ist Verst der Türkei-Urlaub im Juli 2022. „Das war unser erster großer Urlaub als Familie, nachdem wir unsere Kinder jahrelang vertröstet haben. Das war wirklich etwas Besonderes, die Kinder – und auch wir – hatten unheimlich viel Spaß. Natürlich hat alles in Absprache mit meiner Ärztin stattgefunden, um auch alle Risiken im Vorhinein auszuschließen. Weil ich immunsuppressiv und somit anfälliger für alles bin, hätte ich bei dem kleinsten Infekt nämlich nicht fliegen können. Aber das war Gott sei Dank nicht der Fall.“ Familie Verst kann eine unbeschwerte Zeit genießen, eine Erleichterung für alle. „Da ist wirklich viel Druck von uns abgefallen und etwas Normalität eingekehrt.“

Er kämpft dafür, dass das Thema Organspende mehr Aufmerksamkeit bekommt: „Ich möchte jede Chance nutzen, aufzuklären. Wenn ich das mit dem Erzählen meiner Geschichte schaffe, macht mich das sehr glücklich.“

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Hendrik und Denise Verst mit einem ihrer Kinder.
Sie halten zusammen - in guten wie in schlechten Zeiten: Hendrik und seine Frau Denise (@mathellaslife).
Hendrik Verst / privat

Weihnachten und 2023: So geht es für Hendrik Verst weiter

In diesem Jahr ist alles anders: „Letztes Mal war ich zwar auch an Weihnachten dabei. Aber ich war noch frisch transplantiert, hatte eine offene Narbe am Bauch. Das war alles etwas komplizierter. Jetzt bin ich einfach nur happy darüber, mit meiner Familie die Vorweihnachtszeit und Weihnachten genießen zu können“, sagt Verst. Zwei Jahre in Folge habe seine Frau alles alleine stemmen müssen. „Jetzt können wir das wieder alles zusammen erleben, was wirklich etwas ganz besonderes ist.“

Und 2023? Hat Hendrik Verst Vorsätze oder Dinge, auf die er sich am meisten freut? Im RTL-Interview erzählt er: „Meine älteste Tochter macht nächstes Jahr Abitur. Dass ich mit zum Abiball gehen darf, freut mich sehr. Ansonsten wollen wir als Familie viel verreisen.“ Aber auch die kleinen Dinge im Leben seien für ihn von großer Bedeutung, „auch wenn das kitschig klingt. Aber ich genieße jede Sekunde meines Lebens, Teil des Lebens meiner Kinder sein zu dürfen, Sport zu machen – alles mögliche.“ Jeden Tag wache er mit einem Lächeln im Gesicht auf. Und daran möchte er festhalten.

Dass er heute hier sitzt, auf den Tannenbaum blickt und seine Familie um sich herum weiß, verdankt er einem Organspender. Deswegen liegt dem 36-Jährigen das Thema so sehr am Herzen. Immer wieder appelliert er an das Gewissen: „Besorgt euch einen Organspendeausweis, sprecht mit euren Freunden und eurer Familie darüber. Denn es rettet Leben.“ Nicht nur das Leben des Patienten wird gerettet, auch das Leben der Angehörigen wird gehörig vereinfacht: „Schreibt auf, was ihr möchtet oder redet darüber. Das erleichtert so vieles. Ihr könnt auch euren Angehörigen mitteilen, ob eure Organe gespendet werden sollen – oder eben nicht. Aber wenn sie es nicht wissen, dann müssen sie ihr Leben lang damit leben, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Es ist so einfach, ihnen diese Last zu nehmen.“ (kko)

Lese-Tipp: Organspendeausweis bestellen: Diese Entscheidung kann Leben retten