Alle Fakten zur Organspende

Organspendeausweis bestellen: Diese Entscheidung kann Leben retten

 Eine junge Frau zeigt in Frankfurt/Main einen Organspenderausweis (Archivfoto vom 18.02.2005). Der Bundestag entscheidet heute (25.05.2012) über die Organspende-Reform. Derzeit warten rund 12 000 Menschen auf ein Organ. Dennoch hat nur eine
Spenden oder nicht? Im Organspendeausweis können Sie Ihre Entscheidung bezüglich der Organspende eintragen.
dpa, Frank May

Wer ein Organ braucht, ist davon abhängig, dass ein anderer das Organ spendet. Patienten, die auf ein neues Herz oder eine neue Niere warten, müssen darauf hoffen, dass sich ein Spenderorgan findet, das für eine Transplantation geeignet ist. Damit sie endlich ein lebenswertes Leben führen oder schlichtweg überleben können. Sich als Organspender zu registrieren ist daher eine wichtige Entscheidung, die Leben rettet.

Deutlich mehr Spenderorgane gebraucht, als vorhanden sind

Laut der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) haben im Jahr 2022 in Deutschland 869 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. Das sind 64 Organspenderinnen und -spender weniger als noch im Jahr zuvor. Ebenfalls problematisch: Auch die Anzahl der entnommenen Organe sank von 2.905 im Jahr 2021 auf 2.662 im Jahr 2022. Trotzdem stehen derzeit noch 8.500 Menschen auf der Warteliste, die ein neues Organ benötigen.

Wer gesund ist, verschiebt die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod gerne auf später. Trotzdem ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, um im Ernstfall Leben retten zu können.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Organspende

Eine Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung für Organtransplantation in Neu-Isenburg (Kreis Offenbach) hält am 18.02.2005 in einem Büro der Organisation eine spezielle Kühlbox für Spenderorgane vor das Bild eines Chirurgen. Angesichts der Leip
Wie wird man zum Organspender?
dpa, Frank May

Bin ich durch Zusendung eines Organspendeausweises automatisch Organspender?

Nein. Im Organspendeausweis können Sie Ihre Entscheidung eintragen. Sie haben fünf verschiedene Wahlmöglichkeiten. Sie können angeben, ob und welche Organe Sie nach Ihrem Tod spenden wollen. Sie können auch gewisse Organe von der Organspende ausklammern. Genauso können Sie in dem Organspendeausweis eintragen, dass Sie KEIN Spender sein möchten oder die Entscheidung auf eine Person Ihres Vertrauens übertragen.

Kann ich meine Entscheidung rückgängig machen?

Ja, Sie können Ihre Entscheidung jederzeit revidieren, wenn Sie Ihre Meinung zur Organspende geändert haben. Zerreißen Sie dazu einfach Ihren alten Organspendeausweis und füllen Sie einen neuen aus. Einen neuen Organspendeausweis bekommen Sie entweder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, unter www.organspende-info.de oder auch bei Ihrem Arzt oder Apotheker.

Muss ich meine Krankenkasse über meine Entscheidung informieren?

Nein. Sie brauchen auf das Schreiben Ihrer Krankenkasse nicht zu antworten. Sie können die Entscheidung für oder wider eine Organspende in Ruhe treffen und mit Ihren Angehörigen besprechen.

Was passiert, wenn ich den Organspendeausweis nicht ausfülle?

Wenn Sie im Todesfall keinen Organspendeausweis bei sich haben, keinen Organspendeausweis ausgefüllt haben und Ihre Zustimmung auch nicht in einer Patientenverfügung festgehalten haben, müssen Ihre Angehörigen eine Entscheidung nach Ihrem mutmaßlichen Willen treffen. Damit bringen Sie diese womöglich in eine schwierige Situation: Sie müssen versuchen, so zu entscheiden, wie Sie es gewollt hätten. Wenn die Angehörigen sich dessen nicht klar sind, müssen sie so entscheiden, wie sie es für richtig halten.

Muss man sich vom Arzt untersuchen lassen, bevor man den Spenderausweis ausfüllt?

Nein, eine Untersuchung ist nicht notwendig und wäre zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll, da sich der gesundheitliche Zustand eines Menschen fortwährend ändern kann.

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Ab wann kann man Organspender werden?

ARCHIV - 04.04.2019, Bayern, München: ILLUSTRATION - Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises. Das Zustimmungsfeld ist angekreuzt. (zu dpa "Nur jeder Zweite hält Organspendesystem für gerecht") Foto: Marie Reichenbach/dpa +++ dpa-Bildfun
Es genügt, wenn Sie Ihren Organspendeausweis ausfüllen und ihn stets bei sich tragen.
mre sja sab, dpa, Marie Reichenbach

Gibt es eine Altersgrenze für Organ- und Gewebespender?

Nein, es gibt keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist das biologische und nicht das kalendarische Alter. Auch die funktionstüchtige Niere eines 65-jährigen Verstorbenen kann einem Dialysepatienten wieder ein fast normales Leben schenken. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden.

Können Menschen unter 18 Jahren einen eigenen Organspendeausweis ausfüllen?

Ja, laut Transplantationsgesetz können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organspende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist nicht notwendig.

Welche Vorerkrankungen schließen eine Organ- und Gewebespende generell aus?

Eine Organentnahme ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn bei dem Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende in Frage kommt.

Werden Organspender registriert?

In Deutschland gibt es kein Organspenderegister. Es genügt, wenn Sie Ihren Ausweis ausfüllen und diesen stets bei sich tragen.

Transplantationsgesetz regelt Voraussetzungen für Organspende

Muss man den Spenderausweis ständig bei sich tragen?

Das ist sinnvoll, am besten beim Personalausweis. Wer das nicht möchte, sollte auf jeden Fall einer Person seines Vertrauens über seine Entscheidung informieren und sagen, wo der Ausweis zu finden ist.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Organ- und Gewebespende von Verstorbenen erfüllt sein?

Dies ist im Transplantationsgesetz streng geregelt. Erstens muss der Hirntod des möglichen Spenders entsprechend den Richtlinien der Bundesärztekammern von zwei Ärzten festgestellt worden sein. Zweitens muss die Einwilligung des Verstorbenen in eine Organspende bekannt sein oder die Angehörigen müssen nach seinem mutmaßlichen Willen einer Organentnahme zustimmen.

Welche Erfolgsaussichten haben Organübertragungen?

Sehr gute. So funktionieren beispielsweise 88 Prozent der transplantierten Nieren noch nach einem Jahr, nach fünf Jahren sind es noch 74 Prozent. Bei den anderen Organen liegen die Erfolgsraten nur geringfügig darunter. Augenhornhäute sind sogar fast immer gut transplantierbar: 95 Prozent haben ihre volle Funktionstüchtigkeit noch nach einem Jahr, 80 Prozent nach fünf Jahren.

Weiß der Empfänger des Organs, wer es gespendet hat?

Nein, die Spende ist anonym. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer der Empfänger des Organs ist. Auf Wunsch wird den Angehörigen des Spenders aber mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Techniker Krankenkasse, Bild