Französin erschoss ihren Vergewaltiger-Ehemann

Valérie Bacot zu Haftstrafe verurteilt, aber sie kommt frei

Valérie Bacot
Ihr Peiniger zwang Valérie Bacot zur Prostitution und zeugte vier Kinder mit ihr.
Reynaud Julien/APS-Medias/ABACA

Prozess in Frankreich: Untersuchungshaft wird auf Haftstrafe angerechnet

Wegen der Tötung ihres gewalttätigen Ehemanns ist die Französin Valérie Bacot zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Davon wurden drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend aus dem Gericht im französischen Chalon-sur-Saône berichtete. Da Bacot schon ein Jahr in Untersuchungshaft saß, muss die Mutter von vier Kindern aber nicht zurück ins Gefängnis.

RTL-Reporterin Elke Büchter vor Ort in Chalon-sur-Saône

Als ihr die Freiheit winkt, fällt Valérie Bacot in Ohnmacht RTL-Reporterin Elke Büchter zum Urteil
00:30 min
RTL-Reporterin Elke Büchter zum Urteil
Als ihr die Freiheit winkt, fällt Valérie Bacot in Ohnmacht

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Verteidigung von Valérie Bacot hatte Freispruch gefordert

Valérie Bacot Ohnmacht
Valérie Bacot fällt im Gerichtssaal in Ohnmacht.
picture alliance/dpa/MAXPPP

Das Urteil in dem Aufsehen erregenden Prozess blieb hinter der Forderung der Anklage zurück, die für eine Haftstrafe von fünf Jahren (davon vier auf Bewährung) plädiert hatte. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

"Dieser Prozess ist ein großer Schritt für mich, um vielleicht ein Kapitel zu beenden und eine schwierige Situation zu überstehen", sagte Bacot nach Angaben des Nachrichtensenders BFMTV. Als der Staatsanwalt am Freitag sein Plädoyer vortrug, fiel die Angeklagte in Ohnmacht.

Valérie Bacot hat vier Kinder mit ihrem Peiniger

Valérie Bacot war jahrelang von ihrem Ehemann Daniel Polette vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen worden. Die beiden bekamen vier Kinder. 2016 tötete die damals 35-Jährige den 25 Jahre älteren Mann mit einem Schuss in den Nacken. Während Valérie Bacot von Notwehr sprach, handelte sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft vorsätzlich.

Daniel Polette vergewaltigt seine Stieftochter

Das Grauen beginnt für Valérie Bacot, als sie zwölf ist. Ihre Mutter kommt mit Daniel Polette zusammen; Valérie nennt ihn ihren Stiefvater. Doch immer wieder missbraucht er die Zwölfjährige, wenn sie von der Schule nach Hause kommt. Alle schauen weg – auch Valéries Mutter. 1995 schöpft ein Familienmitglied Verdacht und zeigt Daniel Polette an. Er kommt wegen Kindesmissbrauchs in den Knast.

Frau erschießt Vergewaltiger-Ehemann Der Fall Valérie Bacot
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Hochzeit mit dem Peiniger

Daniel Polette
Daniel Polette vergewaltigte Valérie Bacot jahrelang.
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Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, kehrt Daniel Polette zu Valéries Mutter zurück – und vergewaltigt die inzwischen 17-jährige Tochter seiner Partnerin weiter. Valérie wird schwanger und fühlt sich von ihrem Peiniger abhängig, heiratet ihn sogar. Ihr Leben ist in der Folge die Hölle: Polette missbraucht Valérie, schlägt sie und zwingt sie zur Prostitution. Die beiden bekommen drei weitere Kinder.

Buch von Valérie Bacot wird zum Bestseller

Prozess gegen Valerie Bacot
Die Angeklagte Valerie Bacot (M.) kommt mit ihren Verwandten ins Gerichtsgebäude.
jpa pat, dpa, Jeff Pachoud

Schließlich erschießt Valérie Bacot ihren Mann, zwei ihrer Kinder helfen beim Vergraben der Leiche im Wald. Die beiden werden 2019 zu Bewährungsstrafen von je sechs Monaten verurteilt. Valérie Bacot veröffentlicht ein Buch, das zum Bestseller wird: In "Tout Le Monde Savait" (Deutsch: Jeder wusste es). Sie beruft sie sich auf Notwehr. "Eines Tages hätte er uns mit der gleichen Waffe in einem anderen Wald getötet, genauso, wie ich ihn getötet habe", schreibt sie in dem Buch. Zudem habe sie ihrer Tochter im Teenager-Alter das gleiche Schicksal ersparen wollen.

Große Unterstützung für Valérie Bacot

Die Solidarität mit Valérie Bacot war groß. Ihre frühere Nachbarin Sandrine Dubrouis gründete einen Unterstützerverein, und über 700.000 Menschen (Stand: 25. Juni 2021) unterzeichneten eine Petition, die Freiheit für die 40-Jährige fordert. (bst)

Wo Opfer von häuslicher Gewalt – oder Vertraute, die einen entsprechenden Verdacht haben – in Deutschland Hilfe finden, lesen Sie hier.