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Formel 1: Lewis Hamilton und Mercedes schalten in den Angriffsmodus

Zurück im Silberpfeil

Hamilton und Mercedes schalten in den Angriffsmodus

Hamilton ist zurück im silbernen Mercedes "Nie gesagt, dass ich aufhöre"
00:53 min
"Nie gesagt, dass ich aufhöre"
Hamilton ist zurück im silbernen Mercedes

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von Emmanuel Schneider

Lange Zeit war es ruhig, sehr ruhig um den entthronten Champion Lewis Hamilton. Für viele beunruhigend ruhig. Jetzt hat sich die Aufregung gelegt. Der 37-Jährige spricht wieder öffentlich und meldet sich bei der Präsentation des neuen Dienstwagens am Freitag direkt mal mit einer schicken Kampfansage zurück.

Im Video: Hamilton gibt erstmals im neuen Silberpfeil Stoff

"Nie gesagt, dass ich aufhöre"

War was? Gekonnt spielte Lewis Hamilton zu Beginn des Gesprächs im Rahmen der Präsentation des neuen Mercedes-Wagens für die Saison 2022 die hochgekochten Gerüchte vom Anfang des Jahres herunter. Viele hatten das dröhnende Schweigen und die Social-Media-Pause als Hadern und umherschwirrende Rücktrittsgedanken interpretiert.

Für Hamilton stand das nach eigener Aussage nicht ernsthaft zur Debatte. „Ich habe nie gesagt, dass ich aufhöre“, sagte der Brite. „Ich liebe, was ich tue. Es ist so ein Privileg, mit dieser großen Gruppe zusammenzuarbeiten. Es gibt kein ähnliches Gefühl.“

Dass die Phase nach der bitteren Finalrunde von Abu Dhabi eine anstrengende gewesen ist, bestreitet Hamilton aber nicht. „Es war eine schwierige Zeit.“ Er habe einen Schritt zurückgehen müssen, gestand er. „Ich war zusammen mit meiner Familie, wir hatten großartige Momente.“ All das, die Ruhe mit der Familie und die Auszeit, führten laut Hamilton zu einem Moment, „in dem ich entschieden habe, nochmal anzugreifen und in der neuen Saison mit Toto und George zusammenarbeiten.“ Für den neuen Garagen-Nachbarn George Russell fand er lobende Worte. Es sei „aufregend George zu sehen, wie er hier reinkommt mit viel Energie. Es ist immer positiv neue Energie, neues Blut zu haben.“

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Video: Toto Wolff - Hamilton-Rücktritt nie Thema

Hamilton bereit für die Titelhatz

Die Pause hat Hamilton offenbar gut getan. So munter wie er nun wieder auf Instagram und Twitter postet, schickt er nun auch eine Kampfansage an die Konkurrenz – also vor allem in Richtung Red Bull und Weltmeister Max Verstappen. "Wenn ihr denkt, dass der Lewis vom vergangenen Jahr der beste Lewis war, dann wartet ab, was ihr in diesem Jahr seht.“

Die Altlasten aus dem Dezember will er fix ablegen. Der Blick geht nach vorne. „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker“, betonte Hamilton. „Ich bin darauf fokussiert, der Beste zu sein, der ich sein kann.“ Ziel: Titel Nummer 8 – dann wäre er alleiniger Rekordchampion. Aktuell teilt er sich den Titel mit Michael Schumacher.

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Die Rückkehr der Silberpfeile

Diesen WM-Kampf ficht Hamilton wieder im traditionellen Silber-Look aus. 2022 steht unter der Überschrift „Die Rückkehr der Silberpfeile“. Wie RTL schon vor dem Jahreswechsel vermeldete, kehrt der Konstrukteursweltmeister nun wieder zum legendären Anstrich zurück .

Was ist dem W13 auf der Strecke zuzutrauen? Nun, wie die anderen Teams stochert Mercedes derzeit noch im Dunkeln. Die weitreichenden Regeländerungen, vor allem was die Aerodynamik betrifft, sind ein großer Einschnitt – ähnlich wie zur Saison 2014. Gelingt es den Perfektionisten von Mercedes auch für die neue Ära ein Weltmeisterauto zu bauen?

„Das Auto von 2013 ist eine Zäsur, wie wir es davor nicht gehabt haben. Aerodynamisch ist es auf den Kopf gestellt worden. Alles was wir gelernt haben, war für die Tonne“, erinnert sich Toto Wolff. „Interessant wird jetzt sein, wer vorne liegen wird und ob wir es geschafft haben, jetzt wieder ein Auto zu erschaffen, das konkurrenzfähig ist“, sagte Wolff weiter. Bis auf das Lenkrad sei alles neu, versicherte Mercedes. Erste klare Indizien zur Leistungsfähigkeit des W13 werden die Tests in Barcelona (23. bis 25. Februar) und noch eindeutigere die Fahrten in Bahrain (10. bis 12. März) offenbaren.

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Masi weg - Wolff weint keine Träne nach

Gut möglich, dass bei Hamiltons Titeljagd neben Verstappen der große Gegner aus den eigenen Reihen kommt. Der neue Wingman an der Seite Hamiltons ist George Russell, 24 Jahre und ein Ausnahmetalent, das Mercedes seit Jahren im Nachwuchsprogramm fördert. Nun fordert er Hamilton. Dass er wie Valtteri Bottas ständig die zweite Geige spielen wird, glauben die Wenigsten. „Es ist auf jeden Fall erwünscht, dass sie sich bei der Pace nichts schenken“, stellte Wolff klar. Er ist sich sicher: „Wir haben die stärkste Fahrerpaarung in der Formel 1. Wir müssen es nur richtig kalibrieren. Vielleicht werden wir den ein oder andern Schluckauf haben, aber das gehört dazu.“

Die Bilder vom Russells Sitztest hätten ihn an seine ersten Tage bei Mercedes erinnert, sagte Hamilton nostalgisch. Das ist nun schon wieder neun Jahre her. Im zweiten Mercedes-Anlauf raste er 2014 an der Seite von Nico Rosberg schon zum Titel.

Den hätte er auch im Dezember 2021 geholt, ja wenn nicht FIA-Rennleiter Michael Masi die umstrittenen Entscheidungen auf den letzten Runden getroffen hätte, die es Verstappen erlaubten, in der letzten Runde mit frischeren Reifen, Hamilton zu kassieren.

Das Tohuwabohu um die Funksprüche und Regelauslegung hatte nun Folgen. Am Donnerstag, mitten in die Ferrari-Präsentation platzte die Nachricht, dass Masi nicht mehr Rennleiter bleiben wird. An seine Stelle treten Niels Wittich und Eduardo Freitas, die sich künftig von Rennen zu Rennen abwechseln sollen. Zudem wird eine Video-Referee eingeführt und der Live-Funkverkehr zu den Teamchefs gekappt. Ebenfalls eine kleine Revolution in der Formel 1.

"Attacke-Modus"

Dass Mercedes mit den Entscheidungen und Umstrukturierungen der FIA nach deren langen Untersuchung zufrieden ist – daraus macht Wolff gar keinen Hehl. Ob er Michael Masi eine Träne nach weine, fragte RTL-Reporter Peter Reichert den Teamchef. Die einsilbige wie klare Antwort: nein. Gefolgt von einem angedeuteten Schmunzeln. Für Hamilton seien die kommunizierten Maßnahmen des Weltverbandes indes nur ein erster nötiger Schritt.

Nicht nur zwischen den Zeilen wird klar: Der Stachel sitzt noch tief. Das sagt Wolff auch relativ deutlich. „Unsere Batterien sind aufgeladen, weil wir eine Rechnung offen haben“, betonte er und schob mit Blick auf Hamilton hinterher: „Es ist der Attacke-Modus.“

Zum ersten Mal seit 2013 sind die Silberpfeile nicht mehr die Gejagten. Hamilton und Wolff scheinen schnell in die neue Jäger-Rolle geschlüpft zu sein.