"Das muss er dringend abstellen"

Piloten ärgern sich: Immer wieder Mazepin

Nikita Mazepin
Nikita Mazepin
© picture alliance, R3667 ANTONIN VINCENT

03. Mai 2021 - 10:34 Uhr

Formel 1: RTL-Reporter Felix Görner erklärt Mazepin-Ärger

Erst machten sich die Fans lustig, jetzt beschweren sich auch immer mehr Kollegen. Es ist wohl keine Übertreibung, wenn man nach den ersten drei Formel-1-Rennen festhält: Nikita Mazepin hat derzeit wenige Freunde im Paddock. Der Haas-Pilot verscherzt es sich derzeit reihenweise mit den anderen Piloten. RTL-F1-Experte Felix Görner erklärt, wieso das zum Problem werden kann.

Mazepin "sinnlos zickig"

PORTIMAO, PORTUGAL - MAY 02: Nikita Mazepin of Russia driving the (9) Haas F1 Team VF-21 Ferrari comes in for a tyre change during the F1 Grand Prix of Portugal at Autodromo Internacional Do Algarve on May 02, 2021 in Portimao, Portugal. (Photo by Pe
Nach dem Boxenstopp gab's Ärger mit Perez
© Getty Images, Bongarts, JB1 / JB1

Nein, so richtig angekommen ist Nikita Mazepin noch nicht in der Königsklasse. Jüngstes Beispiel: Am Sonntag brachte der 22-Jährige mitten im Portugal-Rennen Red-Bull-Mann Sergio Perez derart in Rage, dass dieser lautstark am Funk fluchte: "Diese verdammten Idioten!"

Was war passiert? Runde 46, der Mexikaner führt zu diesem Zeitpunkt noch das Rennen an, hat plötzlich Mazepin vor sich. Perez will den Haas-Piloten überrunden, dafür sah der Russe zuvor entsprechende Blaue Flaggen. Doch statt regelkonform Platz zu machen, drängt er Perez ab, es kommt beinahe zur Kollision. Perez wütet und flucht mit nicht jugendfreien Vokabeln. Erst kurz darauf lässt Mazepin den Kontrahenten gewähren und steckt zurück.

Der Rookie benehme sich derzeit "sinnlos zickig", analysiert unser F1-Reporter Felix Görner. "Du bekommst keinen Respekt von anderen Fahrern durch solche Manöver, in denen du dich beim Überrunden querstellst. Es macht dich auch keine Tausendstel schneller."

Strafe für Mazepin

Im Gegenteil: Die Rennkommissare schauten anschließend noch einmal auf die Aktion und verhängten eine Fünf-Sekunden-Strafe für Mazepin. Diese spielte allerdings keine wirkliche Rolle mehr, da der überrundete Haas-Mann abgeschlagen als Letzter (19.) über die Ziellinie rollte. Ganze 63 Sekunden hinter Mick Schumacher auf P17.

Der Beinahe-Crash mit Perez ist eine Aktion, die sinnbildlich für den bisherigen Verlauf der jungen F1-Saison von Mazepin steht. Unerfahrenheit gepaart mit Ungestüm. "Mazepin ist fähig, sein Können aufblitzen zu lassen. Aber er kriegt es konstant nicht hin, dann gehen die Gäule mit ihm durch. Teamchef Günter Steiner wird ein ernstes Wort mit ihm reden", so RTL-Reporter Görner.

Nach dem Rennen nahm Mazepin den Fehler auf seine Kappe. "Es ist ganz einfach, das war absolut mein Fehler", sagte er. Er habe nach seinem Stopp schlicht nicht mit einem anderen Wagen gerechnet, gestand der Russe: "Ich war der einzige Fahrer auf einer Zwei-Stopp-Strategie. Und um ehrlich zu sein, dachte ich, dass niemand hinter mir ist."

Video: F1-Kolumne zum Portugal-GP

Fluchen über Mazepin wird zum Running Gag

Allerdings war es auch nicht die erste Rüpel-Aktion am zurückliegenden Wochenende. Schon am Samstag im Qualifying war Mazepin als "verdammter Idiot" beschimpft worden. Kurz vor dem Start in Q1 überholte Mazepin den Kanadier Nicholas Latifi (Williams), der prompt den Haas vor der Nase hatte und fast auffuhr. "Der Typ ist ein verdammter Idiot", ärgerte sich Latifi.

Mazepin gab sich anschließend kleinlaut: Absicht stritt er ab, "es tut mir sehr leid, dass er sauer ist", sagte er und beteuerte, die Szene noch einmal genau anzugucken. Auch am Freitag stand Mazepin im Fokus. "Was zur Hölle macht er da?!", kabelte er im 1. Training zur Haas-Garage. Gemeint war Mick Schumacher, der auf seinen schnellen Runden den Russen überholte. Mazepin pampte in Richtung seines Rennningenieurs. "Das hättet ihr mir ruhig sagen können."

Auffällig: Bislang hielt sich Mazepin häufig nicht an das Gentlemen's Agreement im Qualifying, wonach sich Piloten bei der Vorbereitung auf schnelle Runde genügend Platz gewähren und nicht überholen. Mazepin berief allerdings sich aber stets auf Ansagen vom Kommandostand. Die Fehler sind also offenbar nicht nur dem Heißsporn anzukreiden, sondern auch auf mangelnde Kommunikation zurückzuführen.

Sein Fokus sollte ganz woanders liegen

Nun ist es aber auch so, dass er die Mini-Fehden nicht mit Ergebnissen auf der Strecke übertünchen könnte. Auf dem Statistikbogen stehen bislang ein Ausfall, Platz 17 und nun 19, was jeweils den letzten Rang bedeutete. Und deutlich schwerwiegender: Im teaminternen Duell hat Schumacher klar die Nase vorne.

Schumi jr setzte in Portimao mit dem ersten richtigen Überholmanöver gegen Latifi zudem ein Ausrufezeichen. Momentan sieht Mazepin gegen ihn kein Land. "Mick macht es da besser. Er versucht erst gar nicht, solche Fehler zu machen oder aus Fehlern ganz schnell zu lernen", erklärt Görner, der weitere Probleme auf Mazepin zukommen sieht. "Wenn man von den anderen Fahrern keinen Respekt bekommt, hilft das nicht auf der Strecke, weil die sich dann auch teilweise querstellen und manchmal mit gleicher Münze heimzahlen. Insofern ist es kurzsichtig. Er muss das dringend und schnell abstellen. Vielmehr sollte er sich konzentrieren, wie er Mick Schumacher schlagen kann. Damit hat er große Probleme. Das sollte sein Fokus sein."

Trotz aller Probleme stellt sich Teamchef Günther Steiner hinter seinen Piloten. Schon vor dem GP in Portugal sagte er im RTL/ntv-Interview: "Ihm jetzt Vorwürfe zu machen, bringt gar nichts. Man muss ihm erklären, dass man manchmal einen Schritt zurückmachen muss und dann zwei nach vorne", so Steiner. "Man muss sich ans Limit herantasten." Mazepin müsse "ruhig bleiben".

Ruhig bleiben, ab und an Platz machen. Es wäre ein erster Schritt.

(msc)

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